DaseinsvorsorgeEnergieversorgung

Wissenswerte Neuerungen und Erfolge auf technischen Gebieten

Bogenlicht auf Bahnhöfen

nach den Ausführungen der Siemens-Schuckert Werke G. m. b. H.

Verkehrstechnische Woche • 3.10.1908

Bahnhof FriedrichstraßeAbb. 1. Der Bahnhof Friedrichstraße in Berlin, beleuchtet durch 12 Flammenbogen-Lampen von 12 Amp.

Seit der Zeit, da durch Konstruktion der Differentiallampe die allgemeine Einführung des elektrischen Bogenlichts gelang, ist die Bahnhofs-Beleuchtung ein Hauptgebiet für die Verwendung von Bogenlampen gewesen. Anfangs waren es hauptsächlich die Empfangshallen und Gleisstrecken, die eine Beleuchtung durch Bogenlicht erhielten. In neuerer Zeit haben jedoch auch in den Innenräumen der Bahnhöfe Bogenlampen mittlerer Lichtstärke in steigendem Maße Verwendung gefunden.

Für die Beleuchtung von Empfangshallen dient die Flammenbogen-Lampe mit schrägstehenden Effektkohlen (Abb. 1). Durch die im Docht der Kohle enthaltenen Leuchtzusätze wird ein geringer spezifischer Effektverbrauch und ein besonders starkes Licht erzielt, dessen Farbe je nach der verwendeten Kohlenmarke gelb oder weiß ist. Die für Bahnhofs-Beleuchtung erforderliche Brenndauer von etwa 18 Stunden wird durch Verwendung von 600 mm langen Kohlen erreicht. Die Lampen brennen zu zweien bei 110 Volt, zu vieren hintereinander bei 220 Volt. Bei Vierschaltung wird durch Nebenschließer und Ersatzwiderstand dafür gesorgt, dass beim Erlöschen einer Lampe die übrigen, in demselben Stromkreis liegenden Lampen ungestört weiter brennen.

Der Ersatzwiderstand kann oberhalb der Lampe angeordnet werden. Die Lampen eines Stromkreises werden kreuzweise angeordnet, d. h räumlich benachbarte Lampen liegen in verschiedenen Stromzweigen, so dass in den Zeiten, wo keine Züge verkehren, einzelne Lampen ausgeschaltet werden können, ohne dass es an einer Stelle dunkel wird.

Bahnhof in BreslauAbb. 2. Sparbogenlampen in einer Bahnunterführung des Bahnhofes in Breslau

Für die Verschiebegleise und Ladestraßen, wo eine Lampe mehr Bodenfläche zu beleuchten hat und die Verwendung von Bogenlampen mit Klarglasglocke zulässig und vorteilhaft ist, kommen Lampen zur Verwendung, die auch ohne streuende Opalglasglocken viel Licht nach der Seite ausstrahlen. Dahin gehört neben der gewöhnlichen, mit Reinkohlen brennenden Bogenlampe neuerdings die Alba-Flammenbogen-Lampe mit senkrecht übereinander angeordneten Alba-Effektkohlen. Bei diesen Kohlen nimmt der Docht, der die Leuchtzusätze enthält, den größten Teil des Querschnittes ein. Die Lampen brennen in Dreischaltung bei 110 Volt und in Sechsschaltung bei 220 Volt. Ihr Licht ist intensiv und rein weiß. Die Bildung eines von den Leuchtzusätzen herrührenden Niederschlages auf der Glocke ist durch eine besondere sicher wirkende Ventilationseinrichtung in der Lampe verhindert. Für Bahnhofsbeleuchtungen werden solche Lampen mit etwa 17-stündiger Brennzeit bei einer Gesamtkohlenlänge von 500 mm gebaut.

Auch die Sparbogenlampe hat für Bahnhofsbeleuchtung ausgedehnte Anwendung gefunden, und zwar wesentlich für Innenräume oder Durchgänge, wo Lampen mittlerer Lichtstärke erwünscht sind.

• Auf epilog.de am 3. April 2022 veröffentlicht