VerkehrStraßenverkehr

Berliner Wegweisung überarbeitet

Viele Wege führen nach Berlin –
doch welcher ist der Beste?

Berliner Wirtschaft • Februar 2000

Mit dem Fall der Mauer und dem Zusammenwachsen von Ost- und West-Berlin sind unterbrochene Straßenverbindungen wiedereröffnet und neue Verkehrswege geschaffen worden. Auch heutzutage ist es selbst für einen Berliner oftmals nicht einfach den günstigsten Weg von einem Punkt in der Stadt zum anderen zu finden. Dazu ist nicht nur Ortskunde, sondern auch ein umfassendes Wegweisungssystem notwendig. Bereits vor sieben Jahren wurden im Tourismus-Ausschuss der IHK Berlin Vorschläge für ein Wegweisungssystem erarbeitet und dem Berliner Senat zugeleitet. 1998 fand dann endlich auf Initiative der Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr ein Workshop statt, dessen Ergebnisse zurzeit sukzessive umgesetzt werden.

Von entscheidender Bedeutung für die Ausschilderung ist der Begriff »Zentrum«, welches durch die Eckpunkte Zoo, Lehrter Bahnhof [seit 2002: Hauptbahnhof], Alexanderplatz und Potsdamer Platz begrenzt wird. Auf dem Berliner Ring wird im allgemeinen ›Zentrum‹ ausgeschildert. Da aber das Zentrum zwischen den Eckpunkten Zoo und Alexanderplatz eine große Fläche umfasst, hat man sich dazu entschlossen nun erstmals am Dreieck Oranienburg die Beschilderung nach Berlin-Zentrum (Zoo) (Verkehr läuft über A 111) und Berlin-Zentrum (Alexanderplatz) (Verkehr läuft über A  10 und A 114) zu unterscheiden. Nach einer längeren Beobachtungszeit soll das Dreieck Pankow entsprechend ausgeschildert werden.

Zwei Beispiele für die
Touristische Wegweisung:


Bedeutungsinsel:
Zoo/Kurfürstendamm
Ziele:
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Zoologischer Garten/Aquarium
Europa-Center
Touristeninformation im EC
Theater am Kurfürstendamm
Komödie
Käthe-Kollwitz-Museum
Literaturhaus Berlin
Theater des Westens
Tiergarten
Erotik Museum
Ludwig Erhard Haus

Bedeutungsinsel:
Alexanderplatz/Fernsehturm
Ziele:
Rotes Rathaus
St.-Marien-Kirche
Neptunbrunnen
Fernsehturm
Luther-Denkmal
Gedenkstätte Rosenstraße
Heiliggeistkapelle
Marx-Engels-Denkmal
Weltzeituhr
Hackescher Markt

Abseits der Autobahn führen innerhalb der Stadt gelbe Schilder zu einzelnen Bezirken und weiße Schilder zum Zentrum, zu Ortsteilen und wichtigen Zielen eines Bezirkes, wie etwa Fern- und Regionalbahnhöfe. Befindet man sich im definierten Zentrum, werden die Zentrums-Eckpunkte und Ziele wie Museumsinsel, Kulturforum oder Reichstag weiß ausgeschildert. Auf touristisch bedeutsame Einrichtungen weisen braune Schilder hin.

In der Regel werden in Berlin Verknüpfungspunkte von Autobahnen untereinander mit Bezirksnamen bezeichnet (z. B. Schöneberger Kreuz) und Anschlussstellen mit den Namen der angeschlossenen Straßen. Hier kann es jedoch sinnvoll sein, aussagekräftigere und bekanntere Begriffe bzw. Ortsteile zu verwenden. Daher wurden im Workshop Vorschläge für die Neubenennung von Anschlussstellen für Autobahnen und Kraftfahrstraßen in Berlin aufgenommen. So soll beispielsweise an der B 111 die Ausfahrt Schulzendorfer Straße in Heiligensee und die Ausfahrt Waidmannsluster Damm in Tegel umbenannt werden.

Nach den Grundsätzen des Workshops sind rund um den Alex, am Potsdamer Platz und am Großen Stern neue Schilder aufgestellt worden. In Mitte, Wilmersdorf, Pankow und Tiergarten ist die Wegweisung bereits überarbeitet worden. Weitere Bezirke werden noch folgen.

Eine sinnvolle Ergänzung der eben beschriebenen amtlichen Wegweisung, die durch die Straßenverkehrsordnung geregelt wird, ist die Verkehrsführung durch Parkleitsysteme und nicht-amtliche Wegweisungssysteme.

Touristische Wegweisung

Eine weitergehende (nicht-amtliche, touristische) Wegweisung, die sich vor allem an die Fußgänger richtet, fehlt bisher. Diese muss dort ansetzen, wo Touristen ankommen, wie etwa an Haltestellen für den öffentlichen Personenverkehr und auf Parkplätzen. In den letzten zwei Jahren wurden Arbeitsgruppen zu den Inhalten, zum Design und zur Finanzierung eines touristischen Wegweisungssystems eingerichtet. In der Arbeitsgruppe Inhalte sind unter Mitarbeit der IHK Bedeutungsinseln und die darin liegenden touristisch interessanten Ziele benannt worden (siehe Kasten). Die Entwürfe der Schilder liegen vor und auch deren Standorte sind schon festgelegt. Die Umsetzung scheiterte bisher an der Finanzierung.

In Absprache mit den Bezirken Mitte, Tiergarten und Charlottenburg soll es im Zentrum jedoch bald Übersichtstafeln geben. Die Verkehrsverwaltung hat mit der Firma Wall einen Rahmenvertrag für das Aufstellen und die Pflege touristischer Wegweisungsschilder geschlossen. Wall erhält dafür die Möglichkeit, auf den neu aufgestellten Tafeln Werbung anzubringen. Unklar bleibt aber weiterhin die Finanzierung für Pfeilwegweiser, die für eine gesamtheitliche touristische Wegweisung unverzichtbar sind.

Integration verschiedener Systeme

In ein solches touristisches Wegweisungssystem sollen die bereits zahlreich vorhandenen Informationssysteme integriert werden. In den S- und U-Bahnhöfen führen Schilder zu den richtigen Ausgängen, die aus einem Umgebungsplan ersichtlich werden. In den Bezirken wird zum Teil schon auf einige Sehenswürdigkeiten hingewiesen. Köpenick hat seit fünf Jahren ein eigenes Fußgängerleitsystem installiert. Da sich diese Informationssysteme zum Teil an unterschiedliche Adressaten, z. B. Kraftfahrer, Radfahrer und Fußgänger richten, ist es notwendig auch, hier eine Verknüpfung herzustellen.

Bei der touristischen Wegweisung wird auf Ziele verwiesen, die aufgrund der Besucherzahlen nachweislich für Touristen interessant sind, wie etwa Museen und Theater.

• Auf epilog.de am 4. Februar 2000 veröffentlicht