DaseinsvorsorgeEnergieversorgung

Baustart für das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos

tvi.ticker • 25. November 2020

Mit einer Sprengung am Enzingerboden auf 1500 m Seehöhe wurden die Hauptbauarbeiten zum Ausbau der Wasserkraft im Salzburger Stubachtal begonnen.

Pumpspeicherkraftwerk TauernmoosFoto: ÖBB/Sailer

Von insgesamt zehn Wasserkraftwerken der ÖBB, die grünen Bahnstrom erzeugen, bilden in Österreich die vier Kraftwerke im Salzburger Stubachtal die größte und leistungsstärkste Kraftwerksgruppe des Konzerns. Der Grundstein dafür wurde bereits im Jahr 1914 gelegt und bis in die 1990er Jahre entsprechend erweitert. Mit dem Ausbau der Kraftwerksgruppe um das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos ist auch künftig eine effiziente Erzeugung von umweltfreundlichem Bahnstrom für eine nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität gewährleistet. Das neue Kraftwerk Tauernmoos stellt in Zukunft einen der wesentlichsten Eckpfeiler für die bedarfsgerechte und nachhaltige Bahnstromversorgung aus Wasserkraft dar.

Neben der Produktion von umweltfreundlichem Strom aus Wasserkraft, erlaubt das neue Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos, im Gegensatz zu herkömmlichen Speicherkraftwerken, auch große Mengen an Energie kostengünstig zu speichern und somit Leistungsspitzen im Bahnstromnetz optimiert abzudecken. So kann bei geringer Nachfrage überschüssiger Strom genutzt werden, um Wasser in das höher gelegene Speicherbecken zu pumpen und anschließend, bei erhöhter Nachfrage, wieder Bahnstrom zu erzeugen. Die Kosten für die Erweiterung der Kraftwerksgruppe Stubachtal um das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos betragen rund 300 Mill. €.

Arbeiten liegen im Zeitplan

Bereits seit dem Frühjahr 2020 laufen wichtige Vorarbeiten. Dabei wurden Voreinschnitte für die Stollen gemacht, Zufahrtstraßen ertüchtigt und Lagerflächen für den Tunnelausbruch vorbereitet. Auch Teile der Energieableitung, dem Stromkabel, das letztendlich von Uttendorf bis zur Kaverne Tauernmoos reichen wird, wurden unter sehr schwierigen Randbedingungen gebaut. Aktuell werden nun beim Zufahrtstunnel täglich rund 20 m Vortrieb erreicht. Bis Weihnachten wird derzeit an zwei Vortrieben gearbeitet, ab April 2021 wird auf vier Vortriebe aufgestockt und der Kavernenausbau gestartet. Gebaut wird dann bis zum Jahr 2025. Danach folgt der Probebetrieb, welcher im Jahr 2026 in den Regelbetrieb übergeht.

Das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos

Pumpspeicherkraftwerk TauernmoosAbb.: ÖBB/EQ-VIS

Den eigentlichen Kern des Großprojektes stellt das im Felsmassiv des Schafbichls in einer Kaverne gelegene Pumpspeicherkraftwerk mit seinen zugehörigen Ein- bzw. Auslaufbauwerken am Weißsee und am Tauernmoossee sowie dem Kraftabstieg dar. Die unterirdische Kaverne des geplanten Kraftwerks Tauernmoos wird in eine Maschinen- und eine Trafokaverne unterteilt. Die Höhe entspricht der eines zwölfstöckigen Wohnhauses. Die verschiedenen Ebenen sind durch einen Lift und ein Stiegenhaus erschlossen. Ein Hallenkran ermöglicht das Umsetzen von schweren Teilen der Anlage während Bau und Betrieb. Auch ein Leitstand, Werkstätten und ein Aufenthaltsraum sind in der Kaverne untergebracht. Die Kaverne ist dann über den Erschließungstunnel Stubachtal zu erreichen. Der unterirdische Kraftabstieg wird zukünftig im Turbinenbetrieb rund 80 m³ und im Pumpbetrieb rund 70 m³ Wasser in der Sekunde transportieren. Insgesamt wird die Kraftwerksanlage zukünftig bei einer Gesamtleistung von 170 MW – rund 460 GWh Jahresenergieerzeugung aufweisen und damit den Anteil der Bahnstromeigenerzeugung erhöhen. Vor allem wird so die Möglichkeit geschaffen, Bahnstrom bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. Der Bahnstrombedarf unterliegt starken tages- und wochenzeitlichen Schwankungen. Das Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos wird es ermöglichen, in verkehrsschwachen Zeiten durch Pumpen von Wasser in den höherliegenden Weißsee eine Speicherung von Energie für verkehrsstarke und damit energieintensive Phasen zu bewerkstelligen. Dabei wird der Höhenunterschied von rund 220 m zwischen den Stauseen Tauernmoossee und Weißsee für dieses Vorhaben optimal ausgenutzt.

Quelle: ÖBB

• Auf epilog.de am 28. November 2020 veröffentlicht