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75 Jahre Jaguar

Sammlung hochkarätiger Jaguar-Modelle im Auto & Technik Museum Sinsheim

tvi.ticker • 8. Oktober 2010

Der Markenname Jaguar und das traditionelle Logo mit der exotischen Großkatze stehen seit 75 Jahren für jene Fahrzeugeigenschaften, die Kunden der britischen Premium-Marke schon immer fasziniert haben: Kraft, Dynamik, Eleganz und geschmeidige Leistungsentfaltung. Die Jaguar-Geschichte reicht jedoch noch weiter zurück. Firmenpatriarch William Lyons (1901–1985) hatte bereits 1922 in Blackpool gemeinsam mit seinem Nachbarn William Wamsley die Swallow Sidecars Company gegründet und baute zunächst Seitenwagen für Motorräder. 1926 begannen die beiden Jungunternehmer mit dem Bau von Sonderkarosserien, zum Beispiel für Austin Seven, Morris Cowley und andere Automodelle jener Jahre. Zwei Jahre später siedelten sie nach Foleshill bei Coventry um, wo 1931 ihr erster eigener Wagen entstand: der SS 1, ein elegantes Coupé mit einem 2,5-Liter-Reihensechszylinder des benachbarten Autoherstellers Standard.

In der Folgezeit baute die in SS Cars Ltd. umbenannte Firma eine Reihe formschöner Limousinen, Coupés und Roadster, deren Topmodell 1935 der SS 100 mit 3,5-Liter-Sechszylinder (92 kW / 125 PS) war.

Ein SS 100 steht zusammen mit einigen weiteren hochkarätigen Jaguar-Modellen, darunter der legendäre E-Type, im  Auto & Technik Museum Sinsheim und erinnert an die Technik- und Rennhistorie der Nobelmarke aus Coventry.

Den Namen ›Jaguar‹ trug erstmals im Oktober 1935 ein von dem Tuning-Spezialisten Harry Weslake leistungsgesteigerter SS 100. Im März 1945 änderte William Lyons, seit 1934 Alleininhaber, den Firmennamen in Jaguar Cars Ltd., nicht zuletzt deshalb, weil das problematische Kürzel ›SS‹ bei den Kriegsgegnern Deutschlands fatale Assoziationen weckte.

Im Oktober 1948 leitete der auf der London Motor Show debütierende über 200 km/h schnelle Roadster Jaguar XK 120 eine völlig neue Ära ein und erschloss den Vertriebsweg in die USA. Als repräsentative Limousine gesellte sich noch im selben Jahr der Jaguar Mk V hinzu, der als Urahn der späteren XJ-Baureihe gelten kann. 1955 kam als drittes Modell der Jaguar 2.4 Saloon hinzu (später auch als Mk I bezeichnet), die erste Jaguar-Limousine mit selbsttragender Karosserie.

Mit dem Traumsportwagen E-Type präsentierte Jaguar im Frühjahr 1961 auf dem Genfer Salon die Sensation des Jahres. Von dieser Ikone der internationalen Sportwagenszene wurden bis zum Produktionsende im Februar 1975 mehr als 72 000 Roadster und Coupés gebaut, zunächst mit 3,8-Liter- (150 kW / 203 PS) und 4,2-Liter- Reihensechszylinder (195 kW / 265 PS), am Schluss mit einem 203 kW / 276 PS starken Zwölfzylinder.

Neue Maßstäbe für Luxuslimousinen bezüglich Eleganz und Laufkultur setzte 1968 der Jaguar XJ, dessen Design von Sir William Lyons persönlich entworfen worden war. Es gab ihn zunächst mit 2,8-Liter- oder 4,2-Liter-Sechszylinder, ab 1972 wahlweise auch mit dem Zwölfzylinder aus dem E-Type. Mit diesem Triebwerk war der XJ 12 seinerzeit die schnellste viertürige Limousine der Welt. Nach sieben Modellgenerationen lief die Produktion des während 41 Jahren immer wieder behutsam überarbeiteten Jaguar-Flaggschiffs erst 2009 aus.

Mit der Einstellung des klassischen XJ ging bei Jaguar die Ära der traditionell gezeichneten Stufenheck-Limousinen zu Ende, das sich schon 2008 mit dem Auslaufen des S-Type und Ende 2009 mit der Einstellung des kleinen X-Type abgezeichnet hatte. Der S-Type-Nachfolger XF hat sich ebenso wie die aktuelle achte Generation des XJ endgültig von der traditionellen Formensprache verabschiedet, die jahrzehntelang typisches Erkennungszeichen der Marke Jaguar war.

Die neuen Modelle XF und XJ markieren mit modernem Design innen wie außen den Beginn einer neuen Zeitrechnung in der wechselvollen Geschichte des britischen Traditionsunternehmens, das seit 2008 zum indischen Tata-Konzern gehört.

Quelle:  Technik Museen Sinsheim und Speyer

• Auf epilog.de am 11. Oktober 2010 veröffentlicht