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Glas so hart wie Stahl

Gepanzerte Cadillac Präsidentenlimousine von 1950

1. November 2012

Gepanzerte Automobile, die den Insassen Schutz vor Sprengsätzen oder Schusswaffen bieten, sind keine moderne Erfindung. Schon Ende der 1920er Jahre baute Mercedes-Benz die ersten gepanzerten PKW für besonders gefährdete Personen. Zu den Kunden gehörten Diktatoren und gekrönte Häupter, aber auch mehr oder weniger seriöse Unternehmer mit riskanten Geschäftsmodellen. Auch andere Hersteller von Nobelkarossen hatten bald entsprechende Fahrzeuge in ihrem Programm. Ein besonders interessantes Exemplar mit bewegter Vergangenheit, das 2012 im Auto & Technik Museum Sinsheim besichtigt werden konnte, ist eine gepanzerte schwarze Cadillac ›Fleetwood‹ Limousine Baujahr 1950 aus den USA.

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Die für bestimmte Cadillac-Modelle verwendete Bezeichnung ›Fleetwood‹ geht auf die Fleetwood Metal Body Co. zurück, eine angesehene amerikanische Karosseriebaufirma, die bis Mitte der 1920er Jahre Luxuskarosserien u.a. auch für Cadillac produzierte. 1931 wurde die Firma in den General Motors Konzern eingegliedert. Der Firmenname überlebte danach als Modellbezeichnung für besonders luxuriöse Cadillac-Modelle.

Bei dem im Museum gezeigten Cadillac ›Fleetwood‹ aus dem Jahr 1950 handelt es sich um einen gepanzerten Luxuswagen ganz im Stil der damaligen Zeit, der für die US-Regierung gebaut und vom 34.  US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower in den Jahren 1953 und 1954 als Dienstwagen genutzt wurde. Anschließend wurde das Fahrzeug dem damaligen bolivianischen Präsidenten Victor Paz Estenssoro geschenkt. Paz Estenssoro war das, was man als einen politischen Überlebenskünstler bezeichnen kann. Zwischen 1952 und 1989 erlebte er drei Amtszeiten (1952–1956, 1960–1964 und 1985–1989) und war insgesamt 12 Jahre lang Präsident von Bolivien. Diese insbesondere für südamerikanische Verhältnisse außerordentlich lange politische Überlebenszeit verdankte er nicht zuletzt der im Museum gezeigten Panzerlimousine. Während seiner ersten Amtszeit, die von 1952 bis 1956 dauerte, wurde auf Paz Estenssoro nämlich bei einer Fahrt mit diesem Wagen ein Attentat verübt. Der Präsident überlebte, aber drei seiner Sicherheitskräfte kamen ums Leben. Die Schussspuren der aus Maschinenpistolen abgefeuerten Geschosssalven sind auf den Panzerglasscheiben noch deutlich zu sehen. Es ist verblüffend, wie wenig die Geschosse dem mehrere Zentimeter dicken stahlharten Panzerglasscheiben anhaben konnten.

Durch die Kontakte des Museumsvereins war es jetzt gelungen, dieses historisch und technisch interessante Fahrzeug 2012 im Auto & Technik Museum Sinsheim als Leihgabe zu zeigen.

Quelle: Technik Museen Sinsheim und Speyer

Links:  Technik Museen Sinsheim und Speyer

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