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Das General-Postamt zu London

Das Pfennig-Magazin • 30.11.1833

In England wurde das Postwesen erst unter der Regierung Karls I. gestaltet, obgleich etwas der Art früher da gewesen zu sein scheint, da eine Parlamentsakte vom Jahr 1548 als Abgabe auf Postpferde einen Penny die Meile festsetzte. Die Stelle eines Oberpostmeisters von England wird 1581 erwähnt, und die eines Postmeisters für das Ausland im Jahr 1631.

Im Jahr 1635 wurde für England und Schottland eine Briefpost gegründet, und das Briefporto bestimmt. Kurz nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs entwarf, wie es scheint, Edmund Prideaur, Generalfiskal, einen regelmäßigen und dem jetzigen Zustand des Postwesens sich mehr nähernden Plan. Er setzte die wöchentliche Fortschaffung der Briefe fest und sicherte dem Publikum die Kosten für den Unterhalt der Postmeister, welche sich auf 7000 Pfd. Sterl. beliefen. Der Gewinn dieser Einrichtung scheint so groß gewesen zu sein, dass er aufseiten der Stadt London den Versuch veranlasste, gleichfalls ein solches Postamt einzurichten; aber das Unterhaus erklärte, dass das Postwesen unter die Verfügungen des Parlaments gehöre.

Im Jahr 1657 wurde ein regelmäßiges Postamt beinahe nach dem vorigen Plan von dem Protektor (Cromwell) und seinem Parlamente eingerichtet, und das damals erhobene Briefporto blieb bis zu der Regierung der Königin Anna unverändert.

Erst nach der Wiederherstellung des Königtums, im Jahr 1660, wurde das Postwesen durch ein Statut genauer geordnet, als die Mitglieder des Unterhauses um das Vorrecht nachsuchten, ihre Briefe unentgeltlich zu befördern, was ihnen auch später bis auf zwei Unzen erteilt wurde, jedoch unter Georg III. viele Beschränkungen erlitt.

Im Jahr 1654 wurde die Post von John Manly, Esq., für die jährliche Summe von 10000 Pfund gepachtet, und schon 1665 wurde sie für 21500 Pfd. an den Herzog von York überlassen; der Ertrag der Post war also in etwas mehr als zehn Jahren auf das Doppelte gestiegen und nahm unter der Regierung Wilhelms und Marias immer mehr zu; in den folgenden acht Jahren des Kriegs war er im Durchschnitt 67222 Pfd. und in den vier darauf folgenden Friedensjahren betrug er 82319 Pfd. jährlich.

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Bei der Vereinigung Schottlands mit England im Jahr 1710 wurde durch eine Parlamentsakte ein General-Postamt eingesetzt, welches außer Großbritannien und Irland die westindischen und amerikanischen Besitzungen einschloss. Diese Ausdehnung erhöhte den jährlichen Ertrag auf 111461 Pfd. Sterl. Welchen Anteil an dieser Summe jedes der genannten Länder hatte, ist nicht bekannt; allein man hat Grund zu glauben, dass sie beinahe ganz englisch und irisch war; denn noch in den Jahren zwischen 1730 und 1740 ging die Post zwischen London und Edinburgh nur dreimal die Woche, und ein Mal wurde nach Edinburgh nur ein einziger Brief, an einen dortigen Bankier Namsey, geschickt.

Im Jahr 1784 fand eine merkwürdige Veränderung in der Beförderung der Briefe statt. Bis zu der Zeit hatte man nämlich die Postsäcke auf Karren oder durch reitende Postkerle fortgeschafft; aber in dem genannten Jahr legte John Palmer der Regierung einen Plan vor, der auf Vermehrung der Einkünfte und Bequemlichkeit des Publikums berechnet war. Sein Vorschlag fand Beifall; er wurde dafür mit einer großen Summe Geld belohnt und später zum General-Kontrolleur des Postamtes ernannt. Sein Vorschlag aber war, die noch jetzt gebräuchlichen Briefpostkutschen einzurichten, welche genau um 8 Uhr abends London verlassen, und acht (engl.) Meilen die Stunde, Aufenthalt eingerechnet, fahren sollten, so dass man ihre Ankunft an jedem Ort auf ihrem Weg mit Gewissheit berechnen könne. Es wurde ihnen auch erlaubt, vier Reisende innerhalb des Wagens und vier außerhalb mitzunehmen; denn zu der Zeit waren die Postkutschen für Reisende weit säumiger und nicht so bequem, wie jetzt. Die erste Briefpost-Kutsche wurde 1784 zu Bristol eingerichtet; von dieser Zeit an zeigte sich das Gedeihen der Post sehr schnell. Die Einkünfte, welche bei deren erster Einrichtung nicht mehr als 5000 Pfd. Sterl. waren, und die nach 2 Jahrhunderten, im Jahr 1783, bloß aus 146000 Pfd. jährlich stiegen, waren dreißig Jahre darauf beinahe 1700000 Pfd. und doch ist das Porto jetzt wohlfeiler, als früher. Der ganze jährliche Betrag ist jetzt ungefähr 2400000 Pfd. und der reine Gewinn 1500000 Pfd. Sterl.

Das jetzige Gebäude des General-Postamtes ist nach einer Zeichnung Smickas im Jahr 1825 zu bauen angefangen und 1829 beendigt worden. Es ist in griechischem Stil, 120m lang und 25m breit; die Grundlage besteht aus Granit, das Gebäude selbst ist von Ziegelstein und gänzlich mit Portland-Stein bekleidet. In der Mitte der Front ist ein Portikus mit sechs Säulen in ionischer Ordnung von Portland-Stein, deren Sockel Granit ist; das Vestibulum, oder die große Halle, die das Zentrum des Gebäudes einnimmt, bildet eine offene Durchfahrt und ist 25m lang, 18m breit und hat 16m Mittelpunkt-Höhe.

Auf der Nordseite dieser Halle sind die Gemächer zur Annahme der Zeitungen und der Briefe des Inlandes und der Schiffe, und hinter diesen weiter nördlich die Zimmer der Sortierer der inländischen Briefe und der Briefträger. Die Pakete werden an der östlichen Seite empfangen, wo auch die Geschäftsstuben für Westindien, der Kontrolleure und für die Briefpostkutschen sich befinden.

Auf der Südseite der Halle sind die Gemächer für die auswärtigen Geschäfte, der General-Einnehmer und Buchhalter. An dem östlichen Ende der Halle ist das Zweipenny-Postamt, wo die Briefe angenommen werden, und die Zimmer der Sortierer und Briefträger. Um diejenigen Briefe aus einem Zimmer ins andere zu schaffen, welche in einen unrechten Geschäftskreis gekommen waren, werden sie auf kleine Wagen unter dem Pflaster der Halle geworfen, welche vermittelst einer Maschine ihren Weg unter der Erde machen.

In den oberen Stockwerken sind die Wohnungen der Schreiber in den auswärtigen Geschäften, welche bei der Ankunft der Briefe ihre Geschäfte zu verrichten haben. Das untere Stockwerk ist durch Ziegelgewölbe feuerfest gemacht. Hier sind die Zimmer der Schaffner, ein Waffenzimmer und die Wohnungen der Bedienten. Es gibt daselbst eine sinnreich eingerichtete Maschine, um Steinkohlen nach diesem oder jenem Stockwerk zu bringen, und ein einfaches Mittel, um bei einem Feuerausbruch Wasser nach einem jeden Teil des Gebäudes zu schaffen. Das ganze Gebäude wird mit Gas erleuchtet und enthält an tausend Lampen.

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Aus einer im Monat Mai 1828 gemachten Zählung erhellt, dass die Durchschnittszahl der täglich in 24 Postsäcken in London ankommenden Briefe 28466 ist, was 170802 die Woche und 8881704 das Jahr ausmacht.

Folgende Maßregel zum Vorteil der Manufakturisten und Kaufleute ist vielleicht nicht allgemein bekannt. Jedes Packchen mit Proben oder Mustern von Waren, welches nicht eine Unze übersteigt, trägt nur das Porto eines einfachen Briefes, wenn es an den Seiten offen ist und nur ein Schreiben enthält, das die Namen der fortschickenden Person und ihres Aufenthaltsorts und den Wert der Artikel angibt.

Die Zweipenny, oder zuerst Penny-Post genannt, nahm 1683 durch eine Privatperson, zur Beförderung von Briefen und kleinen Päckchen, ihren Anfang, wurde aber nachher von der Regierung zur allgemeinen Post gezogen. – Durch diese Post kann jeder Brief oder jedes Päckchen, das nicht über vier Unzen schwer ist, nach jedem Ort innerhalb drei Meilen vom General-Postamt für zwei Penny befördert werden. Nach einem Ort über diese Entfernung hinaus, und nicht in der Liste der zur allgemeinen Post gehörigen Orte befindlich, ist die Taxe drei Pence. Die Anzahl der täglich durch die Zweipenny-Post beförderten Briefe ist ungefähr 40000, oder 12529000 das Jahr; zählt man die durch das allgemeine Postamt beförderten Briefe hinzu, so ist die jährliche Anzahl 21510704, oder 413000 die Woche. Die Anzahl der jährlich durch das Postamt zu Paris beförderten Briefe ist ungefähr 14500000, von welchen etwa 4250000 aus den Departements kommen.

Es ist bemerkenswert, dass selten eine Anstalt so viel Vorteil, wie die Post, gewährt. Zwar ist ihre Nützlichkeit, nicht zu sagen ihre Notwendigkeit, in Handelsgeschäften zu offenbar, um einen Zweifel zuzulassen, und ihr Beistand, den sie den politischen Verhandlungen verleiht, ist nicht weniger augenscheinlich; aber im beschränkten und niedrigen Kreisen des gesellschaftlichen Lebens ist es vorzüglich, wo sie mit einer selten genügsam anerkannten Freigebigkeit Trost und Freude verbreitet.

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