VerkehrStraßenverkehr

Duofront Motorräder

Der ›Kurvenneiger‹ des Dr. Trautwein

31. Oktober 2012

Foto: Technik Museen Sinsheim und Speyer

Schon seit seiner Jugend war der 1932 in Stuttgart/Vaihingen geborene Wolfgang Trautwein ein begeisterter Motorradfahrer. »Motorräder sind wunderbar«, sagte er, »aber zu gefährlich. Sie brauchen mehr Bodenhaftung. Gibt man ihnen aber drei oder vier Räder, so verlieren sie ihr Bestes, das Wiegen durch die Kurven.« So erfand er das Doppelfront Motorrad. Es besitzt vorne zwei Räder, die aber durch einen sinnreichen Parallelogramm-Hebelmechanismus so verbunden sind, dass sich das Motorrad in die Kurve legt wie ein Zweirad. Das Trautwein’sche Doppelfront Motorrad ist eine erstaunliche Maschine, so gelenkig und beweglich wie ein normales Motorrad aber fast so sicher wie ein Auto.

Bereits Mitte der 1950er Jahre stellte Wolfgang Trautwein noch als Student den ersten Prototypen seines Dreirads auf die Straße. Im Laufe seiner beruflichen Karriere, die ihn u.a. für 15 Jahre in die USA führte, wo er bei der Firma Lockheed an der Entwicklung des Mondautos ›Lunar Roving Vehicle‹ beteiligt war, hat er dieses Konzept immer weiter perfektioniert. Obwohl mehrere Firmen von ihm die Lizenzrechte erwarben, kam es bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1988 nicht zu einer Serienfertigung. Erst im Jahr 2006 wurde dieses Bauprinzip von Piaggio mit dem Modell MP3 zur Marktreife gebracht.

Am 7. Juni 2012 wäre Wolfgang Trautwein 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass würdigte im Jahr 2012 das Auto & Technik Museum Sinsheim den schwäbischen Tüftler mit einer kleinen Sonderausstellung.

Zeitabschnitte im Leben von Dr.Trautwein

  • 1932: am 7. Juni in Stuttgart / Vaihingen geboren.
  • 1952: Abitur am Schickhardt-Gymnasium in Stuttgart.
  • 1952–1954: Werkzeugmacher-Lehre bei IBM-Deutschland sowie Segelfliegerausbildung.
  • 1952: Kauf eines gebrauchten englischen Norton CS 500 Motorrads zwecks Umbau auf ein Doppelfront-Radsystem.
  • 1954–1960: Studium des Maschinenbaus und der Luftfahrttechnik an der TH Stuttgart.
  • 1955/56: Vorstellung des ersten Prototypen.
  • Januar 1956: Übernahme der Konstruktion mit den Patenten durch die Firma NSU/Neckarsulm
  • 1961-1965: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Mechanik der TH Stuttgart.
  • 1965-1980: Tätigkeit in den USA bei Lockheed-Missiles und der Space Company. Während dieser Zeit Entwürfe und Studien für Lageregel-Systeme bei Trägerraketen und Satelliten sowie Entwicklung von Fahrwerken für Mond- und Marsfahrzeuge. Chef-Ingenieur der Loopwheel-Fahrwerksentwicklung für zivile, militärische und planetare Anwendung.
  • 1980-1986: Technischer Leiter und Geschäftsführer der J. Wagner GmbH in Friedrichshafen/Markdorf (Deutschland), Altstätten (Schweiz), Minneapolis (USA) sowie Osaka (Japan).

Von 1976 bis 1988 war der Inhaber von 25 verschiedenen Patenten im In- und Ausland außerdem in beratender Funktion für verschiedene Firmen tätig, so z.B. für die Honda Motor Corp. sowie für AMF/Harley in den USA. Mit der Firma Piaggio (Italien) schloss er 1984 einen Options-Lizenzvertrag für den Bau von dreirädrigen Motorrädern.

Am 20. März 1988 verstarb der geniale Denker und Schöpfer technischer Lösungen und Konstruktionen. Er hinterließ eine Frau und drei Töchter, die gemeinsam die Erinnerung an sein Wirken weiterpflegen.

Quelle: Technik Museen Sinsheim und Speyer

Links:  Technik Museen Sinsheim und Speyer

-Reklame-
Momox.de - Einfach verkaufen.
-Reklame-
Generisch - Tacho - Interstitial - Stoppend