Handel & IndustrieLebensmittelproduktion

Was alles in Deutschland früher getrunken wurde

Die Gartenlaube • 1855

Das Bier war von jeher ein Lieblingsgetränk der Deutschen, und es gehört in früherer Zeit sogar zum nicht geringen Stolz und Ruhm einer Stadt, ein gutes und kräftiges Bier zu brauen. Der Breyhan, welcher am meisten gebraut wurde, etwa so wie heutigen Tages das Lagerbier, verdankte seinen Namen einem gewissen Conrad Breyhan, der denselben 1526 in Stöcken, einem unweit Hannover gelegenen Dorf, zuerst braute. Später findet man des Breyhans aller Orten erwähnt, woraus hervor geht, dass er allseitigen Beifall bei unsern Vorfahren gefunden haben muss. Unter den verschiedenen Namen, mit welchen die Biere damals getauft waren, stößt man auf so sonderbare, dass eine kurze Zusammenstellung nicht uninteressant erscheinen mag. In Goslar wurde Gose gebraut; in Dassel der Hund; zu Wettin der Reuterling; zu Königslutter der Duckstein; in Eckernförde gab es Quackelteis; in Wismar Kniesenack; zu Ratzeburg Rummeltheis; in Teschen trank man Marzerz; in Oppau Merz; Leipzig braute Rastrum; Zadeck (in Böhmen) Samecke; Gardeleben Garleg; zu Tecklenburg in Westfalen wurde Griesing verzapft; zu Osnabrück Buße; zu Münster Kolth; in Braunschweig Mume (gibt es bekanntlich jetzt noch): zu Breslau verkaufte man Schöps; München hatte seinen Bock, der gegenwärtig noch getrunken wird; am Gefährlichsten war es in einem Dorf bei Jena, wo ein Bier gebraut wurde, welches den Namen Mord- und Todschlag führte.

• Auf epilog.de am 26. Mai 2022 veröffentlicht