Verkehr – Eisenbahn
Wagen-Drehscheibe mit indirekter Unterstützung des Mittelzapfens
(Patent Flohr)
Deutsche Bauzeitung • 8.2.1879
Zur Erzielung eines leichten Ganges wird das Prinzip befolgt, dass der Mittelzapfen den größten Teil der Belastung aufnimmt und die Laufrollen nur einen geringen Teil tragen. Die Auflagerfläche des Fundament-Kranzes ist so bemessen, dass sie bei etwaigem Setzen des Bodens in erster Linie bequem und ohne großen Zeitaufwand unterstopft werden kann, andererseits aber auch einer eventuellen Konzentration des Drucks noch eine genügende Auflagerfläche bietet.
Um dies zu erreichen, wird der sonst übliche Fundamentteil für den Mittelzapfen beseitigt und eine indirekte Unterstützung des Zapfens gewählt. Für die geschehene Wahl der polygonalen Form des Auflagerkranzes, anstatt der Kreisform, können folgende Gründe angeführt werden:
- dass die Anfertigung desselben sich leichter und mit weniger Kostenaufwand bewirken lässt, um so mehr, da die Teile der Ringform aus voller Platte herzustellen wären,
- dass der Materialaufwand der Auflager-Fläche geringer wird, die Stützungspunkte des Systems zur indirekten Unterstützung des Mittelzapfens näher zusammenrücken, wodurch die Streben und Spannstangen bei der geringen Höhe des Systems leichter zu halten sind,
- dass endlich schmiedeeiserne Langschwellen (System Hilf) sich nicht zur Ringform biegen lassen, während dieselben hier in gerader Form eventuell mit Vorteil zu verwenden sind.
Die Anordnung von sechs Laufrollen ermöglicht es, dass sich der Druck beim Auffahren eines Wagens oder einer Maschine auf eine große Fundament-Kranzfläche verteilt und nie eine Konzentration durch den Raddruck stattfindet, wie dieses bei Verwendung von vier Rädern der Fall ist. Diese Eigenschaft wurde noch dadurch begünstigt, dass die Rollen keine fortschreitende Bewegung erhalten haben, sondern in mit dem Fundament-Kranz fest verbundenen Lagern ruhen. Es wird dadurch der Fall vermieden, dass der Belastungspunkt des Rades mit einem Lastpunkt der Streben zur Unterstützung des Mittelzapfens zusammenfällt.
Die Laufräder sind im Gegensatz zu älteren Konstruktionen auf der Achse fest angeordnet. Hierdurch ist bei gleichem Kostenaufwand einerseits ermöglicht, die Rollen bei Reparaturen leicht herauszunehmen, und andererseits auch, dass die Rollen eine bessere Führung erhalten. Das Feststehen der Rollen bringt den besonderen Vorteil mit sich, dass der Laufkranz hoch liegt und dabei schlimmen meteorologischen Einflüssen, wie Auffrieren etc., entzogen ist. Schließlich lassen sich bei der vorliegenden Konstruktion die Achsen der Laufrollen mit erheblich geringerem Materialaufwand herstellen, weil sie sehr kurz und von kleinem Durchmesser sind, im Gegensatz zu den Verhältnissen, die bei freitragenden Achsen stattfinden.
Der sechseckige Auflagerkranz wird aus Blech vor 1 cm Stärke in einer Breite von 35 cm hergestellt und mit einem stumpfen Winkeleisen garniert. Derselbe ist aus sechs Stücken zusammen gefügt und es werden die Fußplatten der Lager zugleich als Laschen an den Stößen benutzt; die Winkeleisen sind ebenfalls in diesen Eckpunkten mit einem gleichen Profil gestoßen. Um den Auflagerkranz möglichst widerstandsfähig zu machen, ist derselbe mit dem gusseisernen Einfassungskranz durch Schrauben verbunden, wodurch letzterer mittragend wird.
Am Einfassungsring befindliche Knaggen haben hauptsächlich den Zweck, um beim Anheben des Kranzes das Aufbiegen desselben zu verhüten. Den gleichen Zweck erfüllen die direkt an die Lagerstühle gegossenen Winkelflansche. Die sechseckige Form des Einfassungsringes ergab sich unten behufs Anschluss an den schmiedeeisernen Kranz durch letzteren; während oben die Ringform von der Konstruktion des Drehkörpers abhängig war. Der Ring besteht aus sechs Segmenten, welche in den Ecken durch Schrauben zusammengefügt sind. Da wo die Ringform in die sechseckige Form übergeht, sind Rippen zur Aussteifung angeordnet.
An den Übergangsstellen der Schienen erhält der Ring Ausschnitte, damit die Schienen hier nicht zur Auflagerung gelangen; die nächste Schwelle wird daher so nahe, wie es das Unterstopfen gestattet, heran gelegt und dadurch ein elastischer Übergang auf den eventuell über dem Laufkranz schwebenden Drehkörper hergestellt.
Der Mittelzapfen ist durch sechs Streben, deren jede aus zwei ungleichschenkligen Eisen besteht, unterstützt. Die Streben sind an ihren oberen Enden mit Bolzen an die Augen des Mittelstücks angeschlossen und ruhen mit dem unteren Ende auf dem schmiedeeisernen Auflager-Kranz in entsprechenden Winkelblechen. Gegen seitliche Verschiebung sind die Streben durch Schrauben gesichert, während in der Längsrichtung die im Winkelblech angeordneten länglichen Löcher eine geringe Verschiebung ermöglichen.
Die Spannstangen zur Aufnahme des Horizontalschubes greifen einerseits zwischen den beiden Winkeleisen an den hier befindlichen Scharnierbolzen an, während sie auf der anderen Seite ihre Befestigung in einem Spannring finden.
Die schmiedeeiserne Hängesäule sichert gleichzeitig den Mittelzapfen und die an letzteren anschließenden Streben gegen Verschiebung; dieselbe ist oben in den Boden des Mittelzapfens geschraubt und greift unten in ein Flacheisen, welches wiederum an dem Spannringe befestigt ist.
Der Drehkörper bietet nichts wesentlich Neues. Die Abdeckung der Drehscheibe geschieht durch Riffelblechplatten, welche so angeordnet sind, dass ein leichtes Entfernen möglich ist, um eventuell zum Unterstopfen in die Grube gelangen zu können. Das Druckhaupt erhält eine Überdeckung durch einen schmiedeeisernen Kasten.
• Flohr.
