VerkehrEisenbahn

Elektrische Lokomotive der
Baltimore- und Ohio-Bahn

Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens • 1896

Electric Locomotive

Zur Beförderung ihrer Züge durch den nördlich vom Camden-Bahnhof unter der Stadt Baltimore hin­durch­geführ­ten, aus zwei Strecken von 2237 m und 81 m Länge bestehenden Tunnel, benutzt die Baltimore- und Ohio-Bahn vierachsige elektrische Lokomotiven mit oberirdischer Stromzuführung. Anfänglich sollten die elektrischen Lokomotiven alle Züge durch den Tunnel schieben, die Personenzüge durch Dampflokomotiven weiter befördert, die Güterzüge dagegen durch die elektrische Lokomotive noch weiter bis zum nächsten Bahnhof geschoben werden. Weil aber das Durchschieben der Personenzüge für unsicher gehalten wurde, entschloss man sich, die Personenzüge durchweg mit der vorgelegten elektrischen Lokomotive zu befördern, die Güterzüge dagegen, einschließlich der nicht arbeitenden Dampflokomotive, mit Hilfe der elektrischen Lokomotive durch den Tunnel zu schieben.

Das Höchstgewicht einschließlich elektrischer Lokomotive beträgt für die Personenzüge 508 t bei einer Geschwindigkeit von 56 km/h, für die Güterzüge 1219 t, bei einer Geschwindigkeit von 24 km/h.

Die größte Steigung im Tunnel beträgt 1 : 125 und die Zahl der innerhalb 24 Stunden in jeder Richtung zu befördernde Züge rund 100.

Electric Locomotive

Die Lokomotive ruht auf 2 zweiachsigen, miteinander gelenkig verbundenen Drehgestellen, deren jedes zwei sechspolige elektrische Antriebsmaschinen trägt, welche beweglich aufgehängt sind, und bei 300 V Spannung je 400 PS leisten können. Die Wellen der Antriebe sind hohl und übertragen ihre Drehung mit Hilfe von Armen auf die durch sie hindurch­geführten Triebachsen. Behufs Untersuchung oder Ausbesserung können die Maschinen leicht entfernt werden.

Die Lokomotiven wurden von der General Electric Company of America in Schenectady geliefert und sind an beiden Enden außer mit der Janney-Kuppe­lung mit Sicherheitsketten und ferner mit der Westing­house-Bremse ausgerüstet, welche auf sämtliche Räder der Lokomotive wirkt; das Zusammenpressen der Luft besorgt eine durch einen kleinen elektrischen Antrieb getriebene Pumpe, welche auch die Druckluft zum Betrieb der an jedem Ende der Lokomotive befindlichen Pfeife liefert.

Das völlig geschlossene Führerhaus befindet sich, ähnlich wie bei der Fairlie-Loko­motive, im mittleren Teile der Lokomotive und besitzt an allen Seiten Fenster, um dem Führer einen ungehinderten Ausblick zu ermöglichen.

Die Hauptabmessungen der Lokomotive sind folgende:

Gesamtgewicht97,5 t
Zugkraft21,5 t
Achsstand jedes Gestells2083 mm
Triebachsdurchmesser1575 mm
Gesamtlänge der Lokomotive10675 mm
Gesamtbreite der Lokomotive2902 mm
Größte Höhe der Lokomotive4343 mm

Durch die Benutzung der elektrischen Lokomotive ist es der Baltimore- und Ohio-Bahn möglich, den elektrisch beleuchteten Tunnel in weißem Anstrich zu halten und eine gute Lüftung desselben zu erzielen.

Buchtipp:
Die großartige Entwicklung von Berlin und seinen Vororten ab 1870 hat an den Verkehr auf den Eisenbahnen, besonders an den Verkehr zwischen den Vororten und der inneren Stadt Berlins, Anforderungen gestellt, denen nur durch besondere Anlagen und durch eine besondere Betriebsweise genügt werden konnte. Von dem Aufschwung erhält man ein Bild, wenn man die Entwicklung der Potsdamer Bahn verfolgt. Auf den vorhandenen zwei Gleisen, der sogenannten Stammbahn, ließen sich die drei Verkehrsarten, der Fernverkehr, Güter- und Vorortverkehr, nicht mehr in voller Regelmäßigkeit bewältigen und es musste zur gründlichen Abhilfe der auftretenden Schwierigkeiten die Strecke Berlin – Potsdam viergleisig ausgebaut werden. Die dadurch entstandene neue Vorortbahn, welche am 1. Oktober 1891 eröffnet wurde, hat zum Unterschied von der alten Potsdamer Bahn die Bezeichnung ›Wannseebahn‹ erhalten.
  PDF-Leseprobe € 14,90 | 104 Seiten | ISBN: 978-3-695-14284-2

• Auf epilog.de am 10. September 2025 veröffentlicht

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