Berlin

Umbau des Turmhelms der
Jerusalem-Kirche zu Berlin

Deutsche Bauzeitung • 26.11.1879

Turmhelm der Jerusalem-KircheFig. 2

Der Turmhelm, welcher nach den Plänen Schinkels im Jahr 1838 ausgeführt ist, blieb bei den in den Jahren 1878 / 79 durchgeführten Umbau der Kirche in seiner Form im Allgemeinen erhalten. Nur wurde derselbe, und zwar als Doppeldach in englischem Façon-Schiefer neu eingedeckt und mit einer neuen Bekrönung versehen, wobei die Grate, welche sich im Laufe der Zeit nicht unbedeutend verzogen hatten, mit profilierten Zinkrippen versehen wurden, um die nötige Ausgleichung zu bewirken. Die Konstruktion derselben wird durch Fig. 1 dargestellt, zu der bemerkt wird, dass die rinnenartigen Vertiefungen neben den vorstehenden Profilen für Wasserableitung und für einen dichten Anschluss von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit sind.

Turmhelm der Jerusalem-KircheFig. 1

Die Stärke der Rippen machte für die Spitze eine Auffütterung erforderlich, welche aus Holz mit starker Zinkverkleidung nach Skizze Fig. 2 hergestellt worden ist, wonach diese Auffütterung in einem Unterknauf endet. An dieser Stelle sind auch die Leiterhaken, welche früher nur in das Holz eingeschraubt waren, in der Weise angeordnet worden, dass sie mit vier gebogenen Flacheisen verbolzt, als ein Ring über den in ein 5 cm starkes Quadrat-Eisen endenden Kaiserstiel und die vorerwähnte Auffütterung übergezogen, verkeilt und verbolzt sind.

Für die weitere Bekrönung des Turms bildet die Eisenspitze den Halt, welche aus Hals, Knopf und Kreuz besteht. Bei Anfertigung dieser Stücke war es nötig, verschiedene Metall-Sorten zu verwenden und miteinander zu verbinden. Zur Vermeidung des galvanischen Stroms, welcher bei direkter Berührung verschiedener Metalle (befördert durch Einwirkung der Feuchtigkeit) entsteht, mussten die einzelnen Metallteile isoliert werden, was durch einen mehrfachen Mennige-Anstrich der vorher durch verdünnte Säuren gereinigten Metallflächen bewirkt worden ist. Nur bei größeren Flächen, wie z. B. bei dem aus Zinkguss hergestellten Hals und dem 1½ mm starken aus Kupfer getriebenen 90 cm haltenden Turmknopf ist eine Lage von Asphaltpappe in die Fugen gebracht worden.

Der Turmknopf besteht aus zwei Hälften, von denen die untere durch einen Eisenring von 1 × 5 cm versteift ist. Eine die Eisenstange umschließende Hülse von Zinkblech geht durch den ganzen Knopf, am unteren Ende ist dieselbe mit dem Hals verlötet; oben endet der Hals frei innerhalb der Kreuzes-Hülse. Die Fuge zwischen der Kreuz-Endigung und dem Knopf ist ferner noch durch eine kupferne Bekrönung geschützt.

Der horizontale Arm des eisernen Kreuz-Gerippes wurde erst nach dem Aufbringen der äußeren, kupfernen Bekleidung auf die Vertikalstange eingeschoben; die Lage dieser Kupfer-Hülse ward durch die an den Kreuz-Enden angebrachten Muttern mit dem Eisenkern verschraubt. (Vergl. Fig. 3.) Durch scharfes Anziehen der Mutter an dem vertikalen Kreuzarme wurden die einzelnen Teile der Bekrönung scharf aneinander gepresst.

Die feste Verbindung der beiden Hälften des Knopfes wurde durch acht Schrauben, deren Köpfe als blütenartige Kelche dargestellt sind, bewirkt.

Einige in den Knopf nieder gelegte Schriftstücke wurden vorher in verlötete, dicht anschließende Blechkapseln gepackt; diese Vorsicht erschien nötig, weil sich bei Abnahme des alten Turmknopfes im Inneren desselben ein ganz bedeutender Niederschlag von Feuchtigkeit gezeigt hatte.

Die Vergoldung des Kopfes ist Feuer-Vergoldung, die des Kreuzes, weil wegen der Lötstellen bei demselben die Feuer-Vergoldung unmöglich war, Blatt-Vergoldung mit echtem Brüsseler Gold. Nach der Erfahrung, welche ich bei diesem Bau gemacht habe, sehe ich mich veranlasst, der Blatt-Vergoldung vor der Feuer-Vergoldung den Vorzug einzuräumen, da jene mehr als die Hälfte billiger als diese ist und sich zudem besser bewährt; die Feuer-Vergoldung hat binnen Jahresfrist schon bedeutend von ihrem Glanz verloren, wahrscheinlich ist durch ›das Abbrennen‹ die Kupferfarbe zu stark hervor getreten. Über die Technik des Feuervergoldens gestatte ich mir anzuführen, dass das Metall auf das Sorgfältigste von allem anhaftenden Staub und Oxyd durch eine verdünnte Säure gereinigt, dann mit Wasser rein abgewaschen und mit Sägespänen getrocknet wird. Alsdann wird zur Beförderung des Anhaftens des Gold-Amalgams die gereinigte Metallfläche mit ›Quickwasser‹ (verdünnte Lösung von salpetersaurem Quecksilber-Oxydul) behandelt. Der hierdurch auf dem Kupfer entstehende Quecksilber-Niederschlag gestattet nun ein gleichförmiges Auftragen des Gold-Amalgams. Letzteres soll 1 Teil Quecksilber und 2 Teile Gold enthalten. Nach dieser Manipulation wird der Körper von neuem getrocknet und gespült und alsdann in besonders hergerichteten Öfen erhitzt, wobei sich das Quecksilber verflüchtigt. Die so bewirkte Vergoldung hat selten eine angenehme Farbe und man ist genötigt, zur Erlangung eines wärmeren Tones eine Behandlung mit ›Glühwachs‹ eintreten zu lassen. Letzteres besteht aus einem Gemenge von Wachs-Grünspan (basischessigsaures Kupferoxyd) und Alaun.

Nach solcher Behandlung des vergoldeten Körpers wird derselbe nochmals durch Kohlenfeuer erhitzt – ›abgebrannt‹. Bei dieser letzten Operation wird Kupfer reduziert und vermengt sich oberflächlich mit dem Gold zu einer dünnen Schicht der roten Legierung.

Turmhelm der Jerusalem-KircheFig. 3

Bei der Blatt-Vergoldung wird das Metall nach mehrmaligem gehörigen Reinigen mittels dreimaligen guten Mennige-Anstrichs, welcher jedoch jedes Mal gehörig getrocknet sein muss, mit einem Lackfirniss-Überzug versehen, welcher das Haftmittel für das Blattgold bildet. Schließlich überzieht man die Vergoldung mit einem feinen Lack, wozu solcher von der Firma Söhne Frères zu empfehlen ist. Die Kosten der Blatt-Vergoldung betragen pro Quadratmeter rund 70 M, in glatter Fläche, die der Feuer-Vergoldung pro Quadratmeter aber 180 M.

Sämtliche Arbeiten am Turmknopf sind von der hiesigen Firma F. Barella Nachfolger ausgeführt, welche auch das Vergolden mit übernommen hatte.

Schließlich erlaube mir noch, über die Anlage des Blitzableiters Folgendes anzuführen: Bei der Höhe des Turms von über 70 m im Verhältnis zur Kirchenschiff-Länge von 35 m bedarf die Kirche nur einer Hauptleitung am Turm. Der ca. 36 m tiefer liegende und in einer Entfernung von 24,5 m vom Hauptturm stehende Dachreiter befindet sich noch im Schutz des Hauptturms. Die Anlage ist folgendermaßen ausgeführt:

Der Turm erhält über der Kreuzspitze eine Platina-Langspitze, in einem Bronze-Zylinder (50 mm lang, 25 mm Durchmesser) steckend, wie aus der Skizze Fig. 3 zu ersehen ist. An den Zylinder schließt sich der 8 mm starke Kupferdraht (nicht Seil) an, welcher auf seinem Weg zur Erde hinab alle metallischen Teile, die in unmittelbarer Nähe liegen, aufnimmt. Zu dieser gehören der metallische Abschluss der Turmspitze (Knopf, Schaft etc.), ferner die aus Zink hergestellten Grat-Leisten, welche die Schiefer-Abdeckung des Turmhelms einfassen. An einer dieser Grat-Leisten ist der Kupferdraht herunter geführt und mit der betr. Leiste durch verzinnte Kupferbänder in metallische Verbindung gebracht. Am Unterteil des Turms ist der Kupferdraht mit Schelleisen am Mauerwerk befestigt und geht schließlich im Schlitz eines Abfallrohrs, und zwar hinter diesem zur Erde nieder. Auch mit dem Rohr ist der Draht in Entfernungen von 5 m durch verzinnte Kupferbänder in Verbindung gebracht worden. Um die Freileitung für diese schon bedeutende Länge der oberirdischen Leitung möglichst zu vergrößern, geht vom unteren Drahtende, außer dem Anschluss an das Grundwasser, noch eine Zweigleitung nach dem in der Nähe der Kirche liegenden Gasrohr. Es soll durch diese Verbindung der Übertritt von Strömen in den Gasröhren in das Innere der Kirche vermieden werden.

• E. Knoblauch, Baumeister.

• Auf epilog.de am 31. Mai 2022 veröffentlicht