Forschung & TechnikElektrotechnik

Neue Erfindungen und Kulturfortschritte

Die Teilung des elektrischen Lichtstromes
und die Gaspanik

Von Max Wirth

Über Land und Meer • November 1878

Voraussichtliche Lesezeit rund 12 Minuten.

Als wir im letzten Frühjahr die  Behauptung aufstellten, die Tage des Gases seien gezählt, hatten wir noch keine Ahnung davon, dass sowohl die wissenschaftlich technische Vervollkommnung der Erzeugung des elektrischen Lichtes, sowie dessen praktische Anwendung so rasche Fortschritte machen würden, als es seit einem Jahre geschehen. Es ist erst elf Jahre, seitdem auf der Pariser Ausstellung von 1867 zum ersten Mal durch Modelle von Ladd und von Dr. Werner Siemens das Prinzip anschaulich gemacht wurde, nach welchem sowohl Triebkraft wie Leuchtkraft durch magneto-elektrische oder durch elektro-dyna­mische Maschinen in die Ferne übertragen werden können. Der Mechaniker Wild in Birmingham war der Erste, welcher durch seine Experimente den Grund zu den heutigen elektro-dyna­mischen Maschinen legte. Auf der Basis der weiteren Versuche von Ladd und Siemens konstruierte Gramme in Paris die erste brauchbare Lichtmaschine, welchem bald darauf die Alliance­gesellschaft, sodann Holmes in London, Siemens in Berlin und William Wallace in Ansonia, Connecticut in den Vereinigten Staaten, als Konkurrenten an die Seite traten. Nach umfassenden, vergleichenden Versuchen, welche am Anfang des Jahres 1877 mit der Lichtstärke und dem Kraftverbrauch dieser Maschinen bei den Leuchttürmen an der Themsemündung vorgenommen worden sind, hat sich die Maschine von Siemens als die in Leuchtstärke, Kraftverbrauch und Preis vorteilhafteste bewährt.

Bis vor kurzem waren alle diese Maschinen nur im Stande, je ein einziges Licht in einer Lichtstärke von 500 – 10 000 und drüber Carcel­brenner zu produzieren (ein Carcel­brenner ist ein konventionelles Maß von Lichtstärke, welche hervorgebracht wird, wenn in einer Carcel­lampe in der Stunde 42 g gereinigtes Öl verbrannt werden). Die elektro-dyna­mische Maschine wird bekanntlich durch eine Dampfmaschine oder einen anderen Motor in Rotation versetzt. Der elektrische Strom wird durch Magnet-Induktion erzeugt, indem ein mit Kupferdraht-Spiralen umwickelter Eisenring an den Polen eines starken Elektromagneten frei vorüber­rotiert und durch Kupferdraht-Bürsten, welche an den um einen Zylinder gruppierten Ausläufern der Drahtspirale schleifen, der Leitung, beziehungsweise der Lampe zugeführt. Das Licht selbst wird aufgefangen und reproduziert durch eine Regulator­lampe, welche ursprünglich nach der Konstruktion von Serrin im Wesen aus zwei mit ihren Spitzen senkrecht gegeneinander gekehrten Kohlenstäben besteht. Diese Kohlenstäbe werden in demselben Verhältnis, in dem ihre Spitzen durch das elektrische Licht verzehrt werden, in der Serrin-Lampe durch ein Uhrwerk wieder näher gerückt.

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• Auf epilog.de am 7. April 2026 veröffentlicht

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