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Das praktische Pigmentdruckverfahren

Polytechnisches Journal • 1872

Voraussichtliche Lesezeit rund 6 Minuten.

Seit längerer Zeit ist keine übersichtliche Darstellung des Pigment­druck­verfahrens gegeben worden, obgleich wesentliche Verbesserungen in dieser leider noch wenig kultivierten Branche stattgefunden haben, und die prächtigen Drucke, welche jetzt die Autotype-Compagnie in London herausgibt, wohl geeignet sind, die Aufmerksamkeit der Fotografen aufs Neue auf diesen Prozess zu lenken. Leider geschieht jetzt in Deutschland für denselben wenig oder nichts mehr; die Materialien werden nur noch in England fabriziert, und unter solchen Umständen wird es dem Praktiker freilich schwergemacht, mit dem Verfahren zu operieren, welches in der Freiheit der Wahl der Farbe, in der Echtheit derselben, in dem Belieben, das Bild matt oder glänzend zu halten, und in der Durchsichtigkeit der Schatten viel vor dem Silberdruck voraus hat. Phips hat kürzlich über das Pigment­druck­verfahren, wie es jetzt in London in den Ateliers der Autotype-Compagnie ausgeübt wird, folgende interessante Details gegeben.

1) Die Negative.

Im Allgemeinen empfiehlt es sich, die Negative für den Pigment­druck etwas dünner als die Negative zum Silberdruck zu halten. Ferner empfiehlt es sich, dieselben ringsum mit einem undurchsichtigen Rande zu umgeben, entweder durch Aufmalen oder durch Umkleben von Papier.

2) Das Pigmentpapier.

Dasselbe wird fertig gekauft. Um es zu sensibilisieren, taucht man es am besten 1½ Minute lang in eine Lösung von doppelt-chrom­saurem Kali (1 : 32) ein. Die Zeit ist abhängig von der Temperatur und von der Natur des Papiers. Je mehr Zucker dieses enthält, desto kürzer kann die Eintauchzeit sein. Man lässt jedenfalls das Papier so lange in der Lösung bis es vollkommen flach liegt. Die chrom­saure Kali­lösung darf keine freie Säure enthalten, sonst wird die Schicht rasch schlecht und unlöslich im Wasser. Die Autotype Compagnie verkauft eine besondere Art Chromsalz, welches sehr gut ist und ein Gemenge verschiedener Chromate zu sein scheint. Das Trocknen geschieht an Schnüren, am besten bei ca. 22° C. Je rascher das Papier trocknet, desto besser hält es sich. Das mit einer frischen Lösung des Chromsalzes der Autotype Compagnie präparierte Papier hält sich vortrefflich 14 Tage lang; das mit alter Lösung präparierte Papier wird rasch unlöslich. Trocknen bei sehr hoher Temperatur gibt ein hartes und brüchiges Papier, das jedoch kuriert werden kann, wenn man es kurze Zeit in feuchter Luft liegenlässt.

3) Die Exposition.

Diese beträgt ungefähr 1/3 der Exposition für Silberdruck. Als Fotometer kann einfach ein Stück Silberpapier benutzt werden; wenn dieses braun geworden ist, so nimmt man den Kopierrahmen herein. Freilich muss hierbei die Intensität des Negativs in Betracht gezogen werden. Überexposition ist besser als Unterexposition; im Übrigen ist man hier nicht so beschränkt in der Wahl der Expositionszeit, als man glaubt.

4) Entwickelung.

Behufs der Hervor­rufung muss die Schicht von ihrem ursprünglichen Support (Papier) auf eine andere Fläche – Glas oder Metall – übertragen werden, so dass das auf der Oberfläche liegende unsichtbare Bild vollständig abgehoben, und die überflüssige Gelatine von der Rückseite aufgelöst wird; bleibt das Bild auf der neuen Unterlage, so ist es rechts und links verkehrt; wird es noch ein Mal übertragen, so erhält man es in richtiger Stellung.

Wünscht man, dass das Bild glänzend erscheine, so reibt man eine Glasplatte oder glatte Zinkplatte mit einer Lösung von 1 g Dammar­harz in 40 g Benzin ein. Wünscht man eine mehr matte, körnige Fläche, so nimmt man eine matte Glas, Zink- oder Porzellanscheibe und reibt sie eben damit ein.

Statt des oben genannten Firnis­ses kann man zu gleichem Zwecke eine Mischung von gleichen Teilen Bienenwachs und Harz nehmen, von der man 11 g. in 60 cm³ Terpentinöl auflöst. Man nimmt den Überfluss dieses Aufstrichs mit einem reinen Tuch fort, so dass die Oberfläche nicht schmierig erscheint. Wünscht man eine biegsame Unterlage, so streicht man gedachte Lösung auf Schellackpapier, wie es von der Autotype-Compagnie gekauft wird.

Diese Überzüge sind jedoch nur nötig, wenn das Bild wiederum übertragen werden soll. Wünscht man dagegen dasselbe auf seiner Unterlage zu lassen, so braucht man oft gar keinen Überzug. Auf manchen Glassorten, namentlich Milchglas, haftet die Schicht ganz vortrefflich, und ein solcher Pigment­druck sieht auf Milchglas geradezu wundervoll aus. Hauptsache ist, dass die Glasoberfläche rein und frei von Fett ist. Haftet die Schicht nicht für sich allein, so muss man den Überzug anwenden, der auch nachher zum Übertragen dient und unten beschrieben ist. Der belichtete Bogen wird nun in kaltes Wasser getaucht; er rollt sich zunächst einwärts, dann wird er flach, und schließlich rollt er sich auswärts; sobald er flach wird, nimmt man ihn heraus und presst ihn sofort auf die präparierte Fläche, taucht diese unter Wasser, und quetscht die etwa zwischen­gebliebenen Luftblasen heraus. Am besten verfährt man so: Man legt die Übertrags­fläche (Glas- oder Zinkplatte) auf einen flachen, ebenen Tisch, gießt Wasser auf, nimmt den Pigment­bogen aus der Schale, worin er weichte, fasst ihn an zwei entgegengesetzten Enden, legt ihn mit der Mitte zuerst auf, senkt die Ecken und treibt so das zwischen­befindliche Wasser heraus; dann nimmt man ein Stück Kautschuk, flach zwischen Brettchen gefasst, und treibt, auf der Rückseite reibend, die Luftblasen heraus. Ein wenig aufpassen muss man hierbei; von selbst gehen die Luftblasen nicht weg.

Man setzt jetzt die Tafel mit dem Pigmentpapier etwa fünf oder zehn Minuten lang beiseite und taucht dieselbe dann in einen Kasten mit Wasser von etwa 31° C. Nach kurzer Zeit löst sich das Papier ab, die Gelatine auf. Man nimmt das Papier weg und lässt das Bild sich entwickeln. Hat man auf Papier übertragen, so legt man es am besten mit der Bildseite nach unten.

Das Wasser im Kasten hält man am besten mit einer Lampe warm. Wenn das Bild vollständig entwickelt ist, überspült man es mit kaltem Wasser.

Man darf den Prozess nicht forcieren, namentlich zu Anfang nicht zu heißes Wasser anwenden, da sonst die Bildhaut sich plötzlich ausdehnt und leicht Falten bekommt. Eben so muss man sich hüten, den Bogen vor dem Auslegen auf die Zinkplatte sich zu sehr ausdehnen zu lassen, und zu rasch nach dem Auflegen zu entwickeln.

Ist das Bild über­exponiert, so wendet man schließlich heißes Wasser an; aber man lasse es nur nach und nach warm werden.

Ist das Bild gewaschen, so kann man es durch Behandeln mit Chrom­alaun unlöslich machen.

5) Das Übertragen.

Beim Übertragen des entwickelten Bildes dient entweder das Übertrags­papier der Autotype-Compagnie oder ein Papier, welches mit nachfolgender Lösung präpariert ist:

Gelatine24,0 g
Chromalaun0,8 g
Wasser576,0 g
Eisessig12,0 g

Man löst Gelatine und Chrom­alaun separat auf, mischt beide zusammen und setzt dann Eisessig hinzu, welcher die Lösung haltbar macht.

Man weicht dieses Papier in Wasser von 40° C, feuchtet das entwickelte Bild an, und bringt es unter Wasser in Kontakt mit dem Papier. Man treibt das überflüssige Wasser durch Drücken mit Kautschuk heraus und lässt das Ganze trocken werden. Dann löst sich das Papier mit dem Bild ab. Das Übertrags­papier der Autotype-Compagnie ist übrigens besser, als das nach obigem Rezept selbst bereitete.

Angenehmer ist es, den zweiten Übertrags­prozess ganz zu sparen, und das Bild lieber auf seiner definitiven Unterlage zu entwickeln. Sehr schön ist der Effekt von Pigment­drucken, die auf Tonpapier übertragen sind, und bei denen man die Lichter mit etwas chinesischem Weiß aufgesetzt hat. Eben so kann man durch Übertrag auf gekörntes Papier oder Büttenpapier reizende Effekte erzielen, wie sie im gewöhnlichen Druck gar nicht möglich sind.

Auf den fertigen Pigment­drucken arbeitet es sich ausgezeichnet mit Wasserfarben. Will man stark übermalen, so präpariert man das Bild am besten mit einer wässerigen Schellack­lösung, welche die Gelatine härtet. Zu dunkle Teile kann man durch bloßes Radieren aufhellen.

6) Druck auf Elfenbein.

Auf Elfenbein kann man Bilder direkt übertragen und entwickeln, und dies empfiehlt sich statt des zweiten Übertrages (5) mit Gelatine; freilich färbt das Chromsalz das Elfenbein leicht gelb; dies kann jedoch vermieden werden, wenn man das belichtete Bild sofort wäscht und so das Chromsalz herauswäscht. Nachher lässt man es trocknen und verfährt dann damit, wie oben. Am besten macht man das Elfenbein vorher mit Bimsstein rau.

7) Verkehrte Negative.

Um den zweiten Übertrag zu spüren, muss man verkehrte Negative haben. Man nimmt diese am besten so auf, dass man die Platten verkehrt in die Kassette legt. Natürlich muss man den Fokus entsprechend der Plattendicke adjustieren. Auch kann man Prismen zum Umkehren der Bilder anwenden.

Photografische Mitteilungen - 1872.

• Auf epilog.de am 2. April 2026 veröffentlicht

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