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Neues Seenotrettungsboot in Ueckermünde auf den Namen ›Eva Ahrens-Thies‹ getauft

tvi.ticker • 29. August 2020

Das neueste Seenotrettungsboot der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat am 29. August 2020 in Ueckermünde den Namen ›Eva Ahrens-Thies‹ erhalten. Die freiwilligen Seenotretter am Stettiner Haff verfügen jetzt über eine speziell für ein derartiges Revier entwickelte neue Rettungseinheit: Rund 9 m lang, 88 cm Tiefgang und 38 Knoten (rd. 70 km/h) schnell – dies sind einige der markanten technischen Daten.

Seenotrettungsboot Eva Ahrens-ThiesFoto: DGzRSDie freiwilligen Seenotretter der Station Ueckermünde mit Taufpatin Eny Dreblow vor dem soeben getauften Neubau ›Eva Ahrens-Thies‹.

Die ›Eva Ahrens-Thies‹ entstand auf der finnischen Spezialwerft Arctic Airboats in enger Entwicklungszusammenarbeit mit den Seenotrettern. Sie ist die dritte Einheit der 8,9-Meter-Klasse der DGzRS. Das aus sehr robustem Polyethylen bestehende Vollkunststoffboot ist äußerst wartungsarm und verfügt über zwei 200-PS-Außenbordmotoren. Seit knapp zwei Monaten ist es in Ueckermünde stationiert. Bereits am 5. Juli, dem Tag des Erstanlaufs des Stettiner Haffs, fuhr es seinen ersten Einsatz – unter der internen Bezeichnung SRB 81.

Mit den Worten Ich taufe Dich auf den Namen ›Eva Ahrens-Thies‹ und wünsche Dir und Deiner Besatzung allzeit gute Fahrt und stets eine sichere Heimkehr, taufte Eny Dreblow das neue Seenotrettungsboot. Die Achtjährige ist die Enkelin des Vormanns der Station Ueckermünde Manfred Fastnacht. Ihr Vater Denny Fastnacht ist ebenfalls Seenotretter. Er ist auf dem Seenotrettungskreuzer ›Berthold Beitz‹ (Station Greifswalder Oie) tätig. Auf der östlichsten DGzRS-Station Ueckermünde ist die ›Eva Ahrens-Thies‹ gemeinsam mit dem Seenotrettungsboot ›Gerhard Ten Doornkaat‹ im Einsatz.

Lebenslang der See eng verbunden

Eva Ahrens-Thies hatte die Seenotretter großzügig in ihrem Nachlass bedacht und ermöglichte so den Bau des neuen Seenotrettungsbootes. Dafür sind wir außerordentlich dankbar, denn dies versetzt uns in die Lage, unsere Freiwilligen mit einem modernen Neubau auszurüsten und ihnen damit bestmögliche Aussicht auf Erfolg ihrer mitunter auch gefahrvollen Einsätze zu geben, sagte Gerhard Harder, ehrenamtlicher Vorsitzer der DGzRS, anlässlich der Taufe.

Die Juristin und Richterin Eva Ahrens-Thies war in Oldenburg (Oldb) aufgewachsen. 1979 hatte sie ihren Segelschein gemacht. Der Wassersport an der Küste und auf See, aber auch viele Reisen an und über das Meer prägten ihr Leben.

Zur traditionellen Taufzeremonie der ›Eva Ahrens-Thies‹ waren auch die freiwilligen Seenotretter der Nachbarstationen Freest und Zinnowitz mit den Seenotrettungsbooten ›Heinz Orth‹ und ›Hecht‹ nach Ueckermünde gekommen. Für den musikalischen Rahmen sorgten zwei Akkordeonisten des Shantychors Seegrund Ahlbeck bei Ueckermünde.

Geschichte der Station Ueckermünde

Die Stadt am Stettiner Haff gehört zu den jüngsten Stationen der Seenotretter. Die vor 155 Jahren gegründete DGzRS richtete diese 1992 ein. 15 freiwillige Seenotretter um Vormann Manfred Fastnacht engagieren sich ehrenamtlich auf der östlichsten deutschen Seenotretter-Station. Zu ihrem Revier gehören das anspruchsvolle Stettiner Haff im deutsch-polnischen Mündungsgebiet von Oder und Peene sowie der Peenestrom bis zur Hafenstadt Wolgast. Das Wetter dort ändert sich oft innerhalb weniger Minuten, und schon bei Windstärken von 4 bis 5 Beaufort baut sich eine kurze, steile Welle auf.

Die deutsch-polnische Grenze teilt das Stettiner Haff in das Kleine Haff und das Große Haff. Grenzüberschreitende Einsätze sind für die freiwilligen Seenotretter nicht selten, die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen ist eng. Berufs- wie Sportschifffahrt prägen den Schiffsverkehr im Revier. Dazu zählen auch Binnenschiffe, die unter anderem über die Oder kommen und Häfen im Haff anlaufen.

Die Eckdaten des neuen Seenotrettungsbootes:

  • Länge über Alles: 8,90 m
  • Breite über Alles: 3,10 m
  • Tiefgang: 0,88 m Tiefgang (0,65 m bei geklappten Motoren im Flachwasserbereich)
  • Verdrängung: 3,2 t
  • Geschwindigkeit: 38 Knoten (rd. 70 km/h)
  • Besatzung: Freiwillige
  • Antrieb: Yamaha FL200G, Yamaha F200G, je 200 PS

Das sogenannte Rigid Buoyancy Boat (RBB) erreicht seinen Auftrieb – wie der Name sagt – durch seinen starren leichten Rumpf selbst, ohne Schlauch. Die Manövrierfähigkeit, das Schleppverhalten und die Stabilität des Vollkunststoffbootes sind außerordentlich gut, Sog und Wellenschlag gering.

Quelle:  Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

• Auf epilog.de am 1. September 2020 veröffentlicht