VerkehrNahverkehr

Neue Erfindungen und Kulturfortschritte

Neuere Fortschritte der Straßenbahnen

Von Max Wirth

Über Land und Meer • Juli 1879

Voraussichtliche Lesezeit rund 10 Minuten.

Obgleich die Tramways schon seit ungefähr 50 Jahren in New York eingeführt sind, so fingen die größeren Städte Europas doch erst seit Ende der 1860er Jahre an, sich mit diesem Verkehrsmittel zu versehen, welches in den Großstädten bereits so unentbehrlich geworden ist, dass man sich das Erwerbsleben ohne sie gar nicht mehr denken kann. Seit dieser Ausdehnung der städtischen Fahrgleise auf die alten Weltteile hat sich plötzlich ein neuer Impuls der Techniker bemächtigt, um diese Art der Loko­motion ferner zu vervollkommnen, und es sind solche Ersparungen an den Betriebskosten in Aussicht genommen, dass eine weitere Ausdehnung dieses Verkehrsmittels vorauszusehen ist.

Die städtischen Straßenbahnen erfreuen sich eben weit günstigerer Bedingungen wie die Bewegung der Dampfwagen auf gewöhnlichen Straßen, für welche seit ungefähr ebenso langer Zeit von Seiten zahlreicher Mechaniker angestrengte Bemühungen, namentlich in England und Amerika, gemacht worden sind. Erst vor kurzer Zeit noch war vom Staat Wisconsin sogar ein Preis von 10 000 Dollar für die Konstruktion eines Dampfwagens ausgesetzt worden, welcher geeignet wäre, als wohlfeiles und praktischer Ersatz für den Gebrauch von Pferden und anderen Tieren auf Straßen und Feldwegen zu dienen. Kürzlich war der Kommission, welche mit der Zuerkennung des Preises betraut ist, ein Dampfwagen vorgeführt worden, der bei der Versuchsfahrt 300 km in 33½ Stunden auf gewöhnlichen Wegen zurücklegte und wobei Steigungen von über 400 m auf eine Länge von 1600 m vorkamen. Zufolge des Berichtes der Kommission kann dieser Dampfwagen auch als Loko­mobile benützt werden zum Betrieb von Dampfpflügen, Dampfdreschmaschinen, Pumpen und anderer Verrichtungen. Die technische Seite der Frage war also glänzend gelöst. Allein wie alle früheren, so scheiterte auch dieser Versuch am Kostenpunkt. Ein solcher Wagen kostet 4000 Mark und erfordert für eine Tagesarbeit 24 Mark an Betriebskosten. Deshalb kam die Kommission zu dem Schluss, dass der Wagen unter solchen Bedingungen noch nicht als ein praktisches Ersatzmittel für Pferde, Maultiere und Ochsen auf den Straßen und Feldwegen betrachtet werden könne.

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• Auf epilog.de am 10. Juli 2026 veröffentlicht

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