Forschung & TechnikErfindungen & Patente

Neuer Eisenbahn-Bierwaggon mit künstlicher Kühl- und Wärme-Vorrichtung

Nach dem Patent von H. Alberti, Direktor der Saxonia in Radeberg (Sachsen)

Neueste Erfindungen und Erfahrungen • 1878

H. Alberti hat ein Patent auf einen Waggon neuer Konstruktion erhalten, welcher nicht nur den Biertransport während der Sommermonate, sondern auch ohne Nachteil für das Bier im Winter gestattet.

Eisenbahn-Bierwaggon

Für die wärmere Jahreszeit erfolgt nach Grossers Illustrirtes Patent-Blatt die Eiskühlung des Waggons durch Zinkreservoirs, welche unter der Decke desselben angebracht sind; das sich bildende Schmelzwasser gelangt durch ein Abflussrohr in ein Gefäß, das sich im Inneren des Waggons befindet und in welchem sich die Unreinigkeiten absetzen, während das überschüssige Wasser steten Abfluss ins Freie hat.

Der ganze Waggon hat Doppelwände, deren Zwischenraum mit Häcksel ausgefüllt ist, und außerdem umgibt diese Wände ein isolierender Luftraum. Hierdurch wird die Wärme der äußeren Luft vollständig unwirksam gemacht und darf es nicht wundernehmen, wenn ein solcher Waggon mit 750 kg Eisfüllung, nachdem er vier Tage hindurch einer Temperatur von 33° C. ausgesetzt war, nach seiner Ankunft am Bestimmungsort noch Überreste von Eis enthielt.

Für die kältere Jahreszeit sind unter dem Waggon zwei Apparate für Presskohlenfeuerung angebracht, welche bei der schnellen Bewegung des Waggons während des Bahntransportes eine vollständige Verbrennung der Presskohlen erzielen, so dass zur größeren Ausnutzung der entwickelten Wärme die Verbrennungsgase direkt in den Laderaum eingeführt werden können. Die vorerwähnte zirkulierende Luftschicht wird während des Winters durch Häcksel ersetzt, wodurch zwei Doppelwände geschaffen werden, die dem äußeren Temperatur-Einfluss vollständig widerstehen.

Der neue Eisenbahn-Bierwaggon dürfte demnach wohl allen an ihn zu stellenden Anforderungen entsprechen.

• Auf epilog.de am 14. April 2022 veröffentlicht