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Mechanischer Lichtbilderdruck

Die Gartenlaube • 1869

Mit dem Auftreten der wunderhaften, uns jetzt so alltäglich gewordenen Lichtbildnerei war eine große Aufgabe gelöst und eine neue gegeben: die Ermöglichung des Abdrucks fotografisch erzeugter Bilder auf dem gewöhnlichen mechanischen Weg. Die Versuche dazu begannen alsbald nach dem Bekanntwerden von Daguerres Erfindung; man bemühte sich damals, die Quecksilberbilder durch Ätzen der Metallplatten abdruckbar zu machen. Seitdem ist die Sache noch von mancher anderen Seite angegriffen worden, und zwar von so vielen Gelehrten und Praktikern und mit solchem Eifer, dass man sich sagen konnte, die volle Lösung – denn an halben Erfolgen hat es nicht gefehlt – werde sicher noch gefunden werden und die Angelegenheit sei nur eine Zeitfrage. Jetzt haben sich der Lösungen gleich zwei angekündigt, ganz verschieden in der Art des Verfahrens, aber beide den Versicherungen zufolge zu solcher Vollendung gebracht, dass nichts zu wünschen übrig bleibt. Die von Herrn Hoffotograf J. Albert in München erfundene Methode liefert von Glasplatten gedruckte Bilder, die sich in nichts von gewöhnlichen Fotografien unterscheiden und die ganze Kraft und Weichheit der Töne wie Feinheit der Details, deren fotografische Aufnahmen fähig sind, getreulich wiedergeben. Ganz das Nämliche wird behauptet von der jetzt zur Reife gediehenen, Erfindung des Franzosen Drivet. Sein Verfahren besteht im Allgemeinen darin, dass über dem auf fotografisch-chemischem Weg gewonnenen Original eine kupfern Platte galvanisch niedergeschlagen wird, welche das Bild nach Belieben erhaben haben oder vertieft wiedergibt, und zwar so kräftig ausgeprägt, dass die Platten für große Mengen von Abdrücken dienen können. Das Verfahren soll für jegliche Größe und Art von Bildern, namentlich auch für Porträts sich eignen, und es wird der Vorteil hervorgehoben, dass man künftig für denselben Preis, den ein paar Dutzend gute Porträtkarten beim Fotografen kosten, eine Platte werde erhalten können, welche auf Jahre hinaus zur Abnahme von Drucken tauglich bleibe. Dies wäre natürlich nur ein Minimum von allen den großen Vorteilen, welche in der Möglichkeit liegen, große Mengen guter bildlicher Darstellungen von unvergänglicher Dauer bedeutend leichter und rascher herstellen zu können, als es dem Fotografen in seinem Kopierrahmen möglich ist.

• Auf epilog.de am 23. Oktober 2017 veröffentlicht