Handel & IndustrieDruck & Papier

Neue fotografische Papiere

Prometheus • 1889

Während bisher fotografische Bilder fast ausnahmslos auf sogenanntem Albuminpapier erzeugt wurden. d. h. auf Papier, welches mit Hühnereiweiß bestrichen ist, so werden in neuester Zeit Anstrengungen gemacht, um das sogenannte Albumin-Druckverfahren durch andere Verfahren zu ersetzen, welche mit größerer Einfachheit der Handhabung auch noch den weiteren Vorteil größerer Dauerhaftigkeit verbinden sollen. Denn bekanntlich sind die sogenannten Albuminbilder nichts weniger als dauerhaft, sie verblassen im Lauf der Jahre und nicht selten tritt, wenn bei der Anfertigung der Bilder nicht ganz sorgfältig verfahren wurde, ein vollständiges Vergilben binnen kurzer Zeit ein.

Die neu eingeführten Verfahren halten zum Teil noch an der Benutzung des Silbers als bilderzeugende Substanz fest, verwenden dasselbe aber in anderer Weise. Hier ist zunächst der sogenannte Artistodruck zu erwähnen. Dieser Name wurde früher Bildern beigelegt, welche sich von den Albuminbildern nur dadurch unterschieden, dass der Träger des Bildes ein Collodionhäutchen statt des Eiweißes ist. In neuerer Zeit bezeichnet man als Artistobilder auch die auf einer Gelatineschicht in gleicher Weise hergestellten Drucke. Dieselben werden wie Eiweißbilder mittelst einer Goldlösung getönt, d. h. man verleiht ihnen durch dieselbe den bekannten braunvioletten Ton, an welchen wir durch die Eiweißbilder so gewöhnt sind. Ob in der Tat, wie behauptet wird, diese Bilder dauerhafter sind, als die auf Albuminpapier erzeugten, bleibt abzuwarten, jedenfalls ist die Handhabung des Artistoverfahrens einfacher als die des Albumindrucks, und das lichtempfindliche Artistopapier ist ziemlich haltbar. Dieses Verfahren erfreut sich daher ausgedehnter Anwendung bei den Liebhabern der Fotografie, den sogenannten Amateuren. Die Artistobilder zeigen indessen stärkere Kontraste als die Eiweißbilder, und es wird ihnen ihre große Brillanz als unkünstlerisch vorgeworfen.

Diesem Übelstand abzuhelfen sind zwei andere Verfahren der Neuzeit bestimmt, welche aber nicht braunviolette, sondern dunkelgraue Bilder liefern. Das eine derselben ist der Bromsilberdruck. Das Bild wird durch sehr kurze Belichtung des mit einer lichtempfindlichen Bromsilberschicht überzogenen Papiers mit Hilfe einer hellen Gas- oder Petroleumlampe erzeugt und alsdann durch Nachbehandlung mit dem sogenannten Entwickler in derselben Weise hervorgerufen, wie dies bei dem Negativprozess mit der Trockenplatte der Fall ist. Die so erhaltenen Bilder zeigen große Feinheit in der Zeichnung und können bezüglich ihrer Färbung durch verschiedene Nachbehandlung etwas verändert werden. Der Bromsilberdruck bietet den weiteren Vorteil, dass er außerordentlich rasch vonstattengeht und von dem ewig wechselnden Tageslicht ganz unabhängig ist. Seine Handhabung ist indessen nicht ganz einfach, er wird hauptsächlich zur Herstellung von Vergrößerungen angewandt, deren Erzeugung, früher eine der langwierigsten und schwierigsten Operationen in der Fotografie, heute bereits zu einer angenehmen Beschäftigung für die Winterabende bei Liebhabern geworden ist.

Ein drittes Verfahren, welches die allgemeinste Aufmerksamkeit und Teilnahme erregt, ist der von Willis erfundene und durch die Bemühungen des österreichischen Hauptmanns Pizzighelli allgemein zugänglich gemachte Platindruck. Die Platinbilder zeigen ebenso wie die Bromsilberdrucke eine schwarzgraue Färbung, sie werden auf einem Papier, welches mit einer lichtempfindlichen Mischung aus Platin- und Eisensalzen bestrichen ist, durch direktes Drucken am Tageslicht erzeugt; da aber das Platinpapier weit empfindlicher als das Silberpapier ist, so beansprucht die Erzeugung von Platinbildern einen geringeren Aufwand an Zeit. Noch größer ist die Zeitersparnis in der Nachbehandlung der Bilder. Mehrmaliges Waschen in angesäuertem Wasser genügt zur Erzeugung eines Bildes, welches nach allem Ermessen ebenso dauerhaft und unvergänglich sein muss, wie der beste Kupferstich. Das in feinster Verteilung metallisch in der Papierfaser niedergeschlagene Platin wetteifert an Unempfindlichkeit sogar mit der Kohle. Da das Material die Papierfaser selbst durchdringt und nicht, wie bei den Silber- oder Kohlendrucken, durch ein Klebmittel auf derselben festgehalten wird, so kann eine Lösung des zusammenhängenden Bildes nur durch Zerstörung des Papiers selbst stattfinden. Während die verdünnteste Salpetersäure oder auch nur kochendes Wasser hinreicht, um einen Bromsilberdruck zu vernichten, kann man die Platinbilder in ziemlich konzentrierte Säuren legen oder mit Wasser andauernd kochen, ohne dass sie irgendwie leiden.

Die namentlich von Künstlern hoch geschätzte Weichheit in der Zeichnung dieser Platinbilder artet bei mangelhaft zubereitetem Papier leider sehr leicht in Verschwommenheit aus; die meisten der im Handel vorkommenden lichtempfindlichen Platinpapiere leiden noch an diesem Fehler. Ein weiterer Übelstand des Platindrucks besteht darin, dass er zur Erziehung guter Resultate höchst vollendete Negative erfordert. Da man den meisten von Liebhabern der Fotografie erzeugten Negativen das Zeugnis höchster Vollendung nicht geben kann, so erklären sich die vielen Misserfolge, welche gerade von Liebhabern mit Platinpapier erhalten wurden. Immerhin scheint der noch in seiner Kindheit liegende Platindruck berufen zu sein, in der Zukunft der Fotografie eine beherrschende Rolle zu spielen, wozu allerdings noch notwendig ist, dass der Geschmack des Publikums sich von dem Violettbraun der jetzigen fotografischen Erzeugnisse ab und dem dem Kupferdruck ähnelnden Grau der Platinbilder zuwendet.

• Auf epilog.de am 26. Februar 2024 veröffentlicht

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