Handel & IndustrieFabrikation

Maschinen-Fabrik und Lager

aller Hilfsmaschinen zu Hand- und Dampfbetrieb für Buchbinderei, Portefeuille- und Kartonnagen-Fabrikation von A. Fomm in Rendnitz-Leipzig

Illustrirte Zeitung • 3.6.1873

Die außerordentliche Entwickelung und Ausdehnung der Buchbinderei in Deutschland seit ungefähr zehn Jahren ist unstreitig zum Teil das Verdienst unserer modernen Maschinenindustrie, welche sich in der Tat zu einer nie geahnten Höhe heraufgearbeitet hat. Mühsam zwar musste sie sich, mancherlei Vorurteile überwindend, ihren Weg bahnen; der Lohn ist jedoch nicht ausgeblieben. Die Maschinenindustrie steht bei der heutigen Massenproduktion wohl in höchster Blüte, und die renommiertesten Fabriken vermögen kaum all den Anforderungen zu genügen, da das Bedürfnis der Maschinen selbst in den kleinsten Orten zur unumgänglichen Existenzfrage geworden ist.

Als eine der bedeutendsten Firmen Deutschlands ist unstreitig die Maschinenfabrik Fomm in Reudnitz-Leipzig zu nennen, in deren geschäftiges Treiben uns das beistehende Bild einen Blick tun lässt. Das Emporsteigen dieser Firma geht Hand in Hand mit dem rapiden Aufschwung der Buchbinderei und zeigt recht deutlich, welchen vorteilhaften Einfluss sie auf die Entwickelung der letzteren ausübt.

Im Jahr 1861 entstand das Geschäft im kleinsten Maßstab, ohne auch nur einen Gehilfen zu beschäftigen; es wurden lediglich Buch­binder­hand­werk­zeuge gefertigt. 1834 kam die erste Maschine, eine Pappschere, zur Vollendung, dann etwas später die erste Kantenschrägmaschine, die bis dahin in Deutschland noch nicht eingeführt war. Es folgte die patentierte Hobel­beschneide­maschine, welche heute noch als die schönste Erfindung dieses Etablissements zu verzeichnen ist und bis jetzt von keiner anderen Firma übertroffen wurde. Nach und nach wuchs die Anzahl der Maschinen, deren der Katalog heute 14 in verschiedenen Mustern aufzeigt. Mehrere Mal wurde die Werkstätte gewechselt, dabei stets vergrößert, bis endlich 1868 ein eigenes Grundstück erworben und die jetzige Fabrik gebaut wurde. Auch dieser Raum erwies sich in kurzer Zeit als zu eng, so dass 1872 eine abermalige Erweiterung vorgenommen werden musste. Das Etablissement nimmt jetzt einen Flächenraum von 14 000 m² ein und beschäftigt ein zahlreiches Personal.

Besondere Erwähnung verdienen die neuen großen Dampf-Ver­golde­pressen mit vier Säulen, die sich nur zum Großbetrieb, vorzüglich mit Dampf, eignen, wie solche in der Dampfbuchbinderei von G. Fritzsche, J. R. Herzog und J. F. Bösenberg in Leipzig sich vorteilhaft bewähren.

Eine sehr komplizierte und interessante Maschine ist die Graviermaschine‚ die zuerst in der Fabrik Fomm gebaut wurde. Die Maschine dient dazu, alle die Messingplatten zu schneiden und zu gravieren, die sonst mühsam mit der Hand bearbeitet werden. Die Idee zu diesen Maschinen gab der in Buchbinder- und Buchhändlerkreisen rühmlich bekannte Künstler R. Gerbold, Besitzer einer Gravieranstalt in Leipzig.

Ferner ist eine Eisenbahnbillett-Schneidemaschine hervorzuheben, auf welcher in einer Stunde 18 – 20 000 Stück geschnitten werden können. Sämtliche Fabrikate der in Rede stehenden Maschinenanstalt sind bereits über alle Weltteile verbreitet und werden von den bedeutendsten Firmen verwendet, so z. B. von F. A. Brockhaus in Leipzig, Bruckmann in München, Norstett und Söhne in Stockholm; ferner gingen Maschinen nach Madras in Asien, nach Spanien, der Türkei, Nord- und Südamerika, Holland usw. 1872 wurden die Fabrikate auf der Moskauer Ausstellung mit der Großen Silbernen Medaille gekrönt, und gegenwärtig repräsentieren sie einen Teil der deutschen Industrie auf der Wiener Weltausstellung. Die Maschinen werden nur in Partien in Arbeit gegeben; trotzdem kann den vielen eingehenden Bestellungen nicht genügt werden.

• Auf epilog.de am 4. Februar 2026 veröffentlicht

Reklame