Handel & Industrie – Maschinenbau
Laufkrahn mit Seilbetrieb
in der Maschinenfabrik Albert Wever & Co. in Barmen
Polytechnisches Journal • 1878
Die wiederholten Unglücksfälle beim Betrieb der Laufkrähne, welche auch in letzter Zeit wieder Menschenleben gekostet haben, veranlassten Albert Wever & Co. bei der Konstruktion des Laufkrans in ihrer Montierungswerkstätte den Grund der vorherrschenden Gefahren zu untersuchen und dieselben abzuwenden. Die Unglücksfälle treten gewöhnlich ein:
- beim Senken der Lasten
- durch unrichtige Handhabung der Steuerhebel
- durch Seilbrüche
Beim Senken der Lasten muss bei den meisten Kränen die Last erst angehoben werden, um die Sperrklinken lösen zu können, und geschieht das Senken dadurch, dass man gewöhnlich die zum Heben benutzte Friktionskupplung, seltener eine Bremsscheibe mit Band verwendet. Die letztere Einrichtung ist nicht zu empfehlen, weil beim Lösen der Sperrklinken die Zahnräder zum Heben der Last in Betrieb bleiben und gleichzeitig die Bremse festgeklemmt werden muss. Bruch der Zahnräder, welche den doppelten Widerstand der Last und der Bremse nicht überwinden können, ist die oft wiederkehrende Folge. Als Bremse kann die Friktionskupplung ebenso wohl benutzt werden. Nun ist aber Gusseisen oder Rotguss so wenig elastisch, dass die Grenze zwischen der vollständigen Bremsung und der zum Sinken lassen nötigen Reibung sehr knapp ist. Es ist deshalb auch dem geübten Kranführer nicht möglich, die Lasten mit einer vorher bestimmten Geschwindigkeit oder bis auf eine bestimmte Höhe sinken zu lassen. Die Folge davon ist, dass die Lasten oft zu schnell sinken und dass das Fallen derselben durch Anziehen der Kupplung und Heben der Last aufgehoben werden muss. Auch dabei treten Brüche der Zahnräder leicht ein.
An ihrem Laufkran brachten Albert Wever & Co. zwei getrennte Mechanismen zum Heben und zum Senken der Lasten an. Das Heben geschieht durch Zahnräder in gewöhnlicher Weise, das Senken durch ein Schneckengetriebe. Im Schneckenrad ist ein Sperrrad mit fünf Zähnen und vier Sperrklinken angebracht, so dass beim Heben ohne Drehung der Schnecke die Last fortwährend durch die Sperrklinken und die Schnecke gehalten wird. Beim Senken der Lasten wird die Schnecke durch eine Friktionskupplung in Bewegung gesetzt, und kann, wie ohne weiteres einleuchtet, die Last ohne vorheriges Lösen von Sperrklinken mit derselben Sicherheit gesenkt und gehoben werden.
Die zweite Gefahr der unrichtigen Handhabung der Steuerapparate beseitigt die genannte Maschinenfabrik dadurch, dass sie für jede der vier Bewegungen der Last (Längsgang, Quergang, Heben und Senken) einen besonderen Hebel anordneten, welcher nur in der Richtung sich bewegen lässt, in der sich die Last bewegen soll, und dass jeder Hebel nur so lange den von ihm beherrschten Mechanismus funktionieren lässt, als der Kranführer denselben in der Hand hält.
Zur Verminderung der dritten Gefahr, des Seilbruches und dadurch bedingten Wechsels des Maschinenbetriebes zum Handbetrieb, wurde die Längsbewegung des Krans durch ein Riemenscheiben-Vorgelege bewirkt. Bei dieser Bewegung muss außer der Nutzlast das Eigengewicht des Kranes in Gang gesetzt werden. Da nun in der Regel die Geschwindigkeit, mit welcher die Last in beiden horizontalen Richtungen bewegt wird, dieselbe sein soll, während der Betrieb von derselben Welle oder zwei gleich schnell laufenden Wellen erfolgt, ist leicht ersichtlich, dass gerade für die Längsbewegung das Betriebsseil am stärksten in Anspruch genommen wird. Notorisch ist, dass das Seil bei Beginn der Längsbewegung stets etwas gleitet, dass das Seil durch das Gleiten auf den Laufrädern am meisten leidet und gerade dabei Seilbrüche eintreten. Das Übel wird dadurch vergrößert, dass die Kräne in der Praxis selten mit der zulässigen Belastung, meist nur für kleine Lasten benutzt werden, bei denen das Seil gar nicht leiden würde, wenn das Gewicht des Krans nicht bewegt werden müsste. Dadurch aber, dass nun das Seil die Kraft erst durch einen Riemen überträgt, gleitet nicht das Seil, sondern der Riemen auf den Riemenscheiben. Die Erfahrung hat auch gezeigt, dass das Seil bei zweijährigem Gebrauch noch in ganz gutem Zustand ist, während der Riemen allerdings ausgewechselt werden musste, welche Arbeit aber nur wenige Minuten erforderte.