VerkehrPostwesen

Kaiserlich chinesische Post

Verkehrstechnische Woche • 25.9.1909

Aus dem Bericht, den die Kaiserlich chinesische Post über ihren Betrieb im Jahr 1908 erstattet hat, lässt sich eine erstaunliche Zunahme des Postverkehrs in China entnehmen. Seit 1907 ist die Gesamtzahl der Postorte von 2803 Stück auf 3493 Stück, die der beförderten Sendungen an Briefen, Postkarten, Zeitungen, Büchern und Warenproben von 168 Mill. auf 252 Mill., die der Paketsendungen von 1 920 000 Stück auf 2 455 000 Stück und ihr Gewicht von 5 509 000 kg auf 7 155 000 kg mit entsprechendem Wert gestiegen, obwohl Pakete im Werte von 30 Dollar und mehr versichert werden müssen. Neben der Kaiserlichen Post hat auch die alte einheimische ansehnliche Zunahme zu verzeichnen. Ihr Brieftransport wuchs von 6 auf 8 Millionen, die in 415 000 Sendungen (gegen 341 000 des Vorjahres) befördert wurden, im Gewicht von 83 000 kg (gegen 74 000 im Vorjahre). Nordchina zeigt eine Zunahme von 358 Postämtern, 32 Mill. Briefsendungen und 325 000 Paketen; Mittelchina von 86 Postämtern, 8 Mill. Briefsendungen und 28 000 Paketen: Nieder-Jangtse von 42 Postämtern, 34 Mill. Briefsendungen und 83 000 Paketen: endlich Südchina eine Zunahme von 204 Postämtern, 10 Mill. Briefsendungen und 99 000 Paketen.

Der Expressdienst stieg von 221 000 Briefen im Jahr 1907 auf 317 000 im Jahr 1908. Auch das Postanweisungsgeschäft hat erheblich zugenommen.

Die Kurierlinien haben im Laufe des Jahres um fast 8000 englische Meilen zugenommen, die Dampferlinien bedecken 8000, die Eisenbahnlinien 4000 Meilen. In 13 Tagen gelangen jetzt Postsendungen von Peking nach Berlin, in 15 von Schanghai. Ganz eigentümlich ist das Verhältnis der alten einheimischen Postanstalten, sie versorgen sozusagen die Kaiserliche Post mit Ortssendungen, denn jeder ihrer Briefe wird bezahlt. Und obwohl z. B. im Pekinger Bezirk 19 Hongs (einheimische Postämter) bestehen mit 81 Kurieren, so übergaben sie doch der Kaiserlichen Post im Jahre 1908 223 000 Briefe. Nach wie vor haben fremde Mächte in China eigene Postämter, jedoch ist ihr Verhältnis zur Kaiserlichen Post durchaus freundlich. Im April vorigen Jahres wurde ein Postatlas von 20 Blatt ausgegeben: ein Blatt für jede Provinz, mit Angabe der Postämter und Telegrafenlinien. Verschiedene Briefmarken hat man, um sie mit den Bestimmungen des Weltpostvereins in Einklang zu bringen, andere Farben gegeben.

• Auf epilog.de am 14. Oktober 2017 veröffentlicht