Verkehr – Eisenbahn
Die Fortschritte in der Einrichtung der Eisenbahnwaggons
Das Buch für Alle • 1874
Die Nordamerikaner sind das unsteteste und reiselustigste Volk der Welt; sie übertreffen hierin noch die Briten, aber sie legen auch einen ungemeinen erfinderischen Scharfsinn an den Tag, sich das Reisen so bequem wie möglich zu machen. Die Erfindung der wandernden Gasthäuser, nämlich der Waggons mit den Speise-, den Lese-, den Kaffee- und Rauchsalons, ebenso wie die Erfindung der Schlafwagen, stammt aus Nordamerika, wie wir schon hier geschildert haben.
Schlafwagen auf der Linie Paris – Köln. Man muss den Amerikanern nachrühmen, dass sie für Erhöhung von Lebensgenuss und Behaglichkeit auf Reisen und für Schnelligkeit des Verkehrs auf Eisenbahnen und Dampfschiffen unendlich viel und jedenfalls mehr getan haben, als für die Hebung der Sicherheit und die Vermeidung von Unfällen auf Reisen. Es ist bekannt, dass die Dampfschiffe auf den großen amerikanischen Strömen und Seen wandernde Hotels und mit allen Annehmlichkeiten und Behaglichkeiten ausgestattet sind und an Küche und Keller wetteifernd das Feinste bieten, und diese Ansprüche haben sich auch allmählich auf den transatlantischen Postdampfern geltend gemacht, welche zwischen Europas und Amerikas Küsten hin und her fahren. Durch die Einführung der Schlafwagen auf den amerikanischen Eisenbahnen hat aber das Reisen noch eine weitere wesentliche Förderung erfahren, denn man gewinnt Zeit und vermeidet die teuren Nachtquartiere in den Hotels, wenn man sich dieser Schlafwagen der verschiedenen großen Eisenbahnlinien bedient. Der Reisende, welcher abends von einer großen Stadt zur anderen reisen will, nimmt sein Billett für einen Schlafwagen, lässt sich vom Schaffner sein Bett zurechtmachen, setzt als Nachtmütze noch ein paar Gläser starken Grog oder Punsch auf sein Abendbrot und schläft nun im Eisenbahnwagen-Bett so fest und ruhig wie daheim und wird, falls sich kein Eisenbahnunfall ereignet, am Morgen mit der Nachricht geweckt, dass er an seinem Reiseziel angekommen ist.
Eine solch praktische Neuerung hat sich denn auch bald nach Europa verpflanzt, und hier waren es zuvörderst die französischen und belgischen Hauptbahnen, welche die Schlafwagen einführten. Diese sind schon seit Anfang des Jahres 1873 auf gewissen Linien, namentlich den Linien Paris –
Inneres eines russischen Eisenbahnwaggons. Unsere erste Abbildung gibt eine Ansicht von dem Inneren eines Schlafcoupés in einem derartigen Wagen. An der Fensterseite sind zwei behagliche Fauteuils angebracht; an der Innenseite zwei Bettkojen übereinander, welche mit Matratze, Hauptpfühl, Decke und Plumeau versehen und sehr behaglich und reinlich sind. Eine ähnliche Einrichtung besteht schon seit einigen Jahren auch auf den Nachtzügen der Eisenbahn Petersburg –