Bau & Architektur
Der Eisenbeton und seine Anwendung
Das Neue Universum • 1905
Die Erfindung, den Zement oder Beton mit Eiseneinlage als dauerhaftes, billiges Material für Röhren oder Behälter zu benutzen, machte Ende der 1860er Jahre ein Pariser Gärtner namens Monier. Er stellte mit Erfolg große, leichte und dauerhafte Blumenkübel aus Zement her, indem er die Wände derselben durch ein eingelegtes Drahtgeflecht dauerhafter und stoßfester machte, als gewöhnliche Ton- oder Zementkübel sind. Später benutzte Monier dasselbe Verfahren auch für größere Behälter, Rohre, hohle Baukörper, Gasometerbassins, und wurde so der Urheber der noch heute nach ihm benannten Monierbaumethode. Diese besteht immer darin, dass ein Zementkörper, gegossen oder gestampft, innen ein Eisengerippe, sei es aus Draht, Rund- oder Bandeisen, Blech oder Gitterwerk trägt und dadurch gegen Zug- und Biegungsbeanspruchungen widerstandsfähiger wird. Allmählich wurden derartige Konstruktionen auch im Hochbau für Decken, Säulen, Zwischenwände und dergleichen üblich, und zwar zuerst in Frankreich, dann auch in Süddeutschland, heutzutage aber in allen Ländern. Lange Zeit beruhten ja die Stärkenverhältnisse, die Einzelheiten, Eisenformen dieser Monierkonstruktionen bei geringen Abmessungen auf reiner Erfahrung, erst seit zwanzig Jahren ungefähr sind durch den um den Eisenbetonbau hochverdienten Regierungsbaumeister M. Koenen, der später die Leitung eines der größten Unternehmen für Beton- und Eisenbetonbau übernahm, allgemeingültige Regeln für den Eisenbetonbau und weittragende Konstruktionen aufgestellt worden.
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