Bau & ArchitekturBrücken

Eisenbahnbrücke über den
Hawkesbury River

Der Stein der Weisen • 1891

Der Hawkesbury trennte bis in die neueste Zeit den nördlichen Teil des Eisenbahnnetzes der Provinz New South Wales in Australien von dem südlichen Teile desselben. Vor kurzem wurde nun im Mündungsgebiete dieses Stromes eine Eisenbahnbrücke fertig, welche die ›Union Bridge Comp. in New York‹ binnen 2½ Jahren um den Betrag von 3,3 Mill. Gulden erbaut hat, und über welche jetzt die Eisenbahn von Sidney längs der Küste nach Norden führt. An der 11 km von der Küste entfernten Übergangsstelle hat die dort durch die Insel Long Island in zwei Arme geteilte Strommündung eine Breite von zusammen 2 km; der südliche, minder tiefe Arm wurde durch einen Damm übersetzt, während über den nördlichen, tieferen und mächtigeren Arm die genannte Brücke führt, deren Bau insbesondere durch die bedeutenden Fundierungstiefen bemerkenswert ist, indem ein Pfeilfundament sogar 49 m unter den Spiegel des Niederwassers hinabreicht. Die Brücke ist 8,4 m breit und 920 m lang und besteht aus 7 Brückenfeldern auf 6 Pfeilern; jedes Brückenfeld hat über 120 m Spannweite und wird von zwei 17 m hohen, aus Stahl erzeugten Fachwerk-Trägern getragen, die quer miteinander verbunden und verstrebt sind.

Die Pfeiler stehen auf kompaktem Tongrund; die Fundierung geschah pneumatisch mit Benutzung von 14 m langen und 6 m breiten Senk-Caissons, welche je drei in ihrer Längsachse angeordnete kreisrunde Baggerschächte enthielten. Bei der Fundierung der drei ersten Pfeiler waren sehr bedenkliche Störungen eingetreten, dieselben wollten anfangs nicht vertikal stehen, und einer davon konnte erst in 22 Monaten fertiggestellt werden.

Eisenbahnbrücke über den Hawkesbury RiverQuerschnitt
Eisenbahnbrücke über den Hawkesbury RiverLängsschnitt

Das Aufsetzen des fertigen Brückenfeldes auf die zwei zugehörigen Pfeiler geschah mittelst speziell hiefür gebauter, in Kammern abgeteilter und mit Wassereinlass-Ventilen versehener Schwimmern (Flottanten), auf welche eine entsprechende Gerüstung aufgebaut wurde. Zunächst der Küste wurden an einer geschützten Stelle die Flottanten durch Einlassen von Wasser versenkt und auf einen dort aus Balken erbauten horizontalen Rost gesetzt, worauf auf dem Gerüste der Flottanten das Brückenfeld zusammengesetzt wurde, so dass die Enden beiderseits hervorragten. Nach Beendigung dieser Arbeit wurden bei eintretender Ebbe die Ventile geöffnet, die Flottanten leerten sich und wurden dann von der nächsten Flut (die Niveau-Differenz beträgt dort 2 m) bei geschlossenen Ventilen gehoben; hierauf wurden sie zwischen die betreffenden Pfeiler geführt, dort genau orientiert und verankert. Durch Öffnen der Ventile (Einlassen von Wasser) sanken die Flottanten und setzten das Brückenfeld auf die Brückenpfeiler ab.

Das Zusammensetzen eines Brückenfeldes dauerte 18 Tage, das Aufsetzen auf die Pfeiler 11 Stunden.

• Hueber

• Auf epilog.de am 8. Mai 2021 veröffentlicht