VerkehrEisenbahn

Eine neue Schneeschaufel-Lokomotive

Vom Ingenieur Dr. Robert Grimshaw

Verkehrstechnische Woche • 26.11.1910

Schneeschaufel-LokomotiveAbb. 1

Bei der von der American Locomotive Co. gebauten Schneeschaufel-Lokomotive (Abb. 1) besteht die Dampfmaschine aus zwei wagerechten Zylindern, jeder aus einem Stück mit dem Halbsattel gegossen und aneinander, sowie an den Rahmen gebolzt (Abb. 2). Die Steuerung ist die von Heusinger von Waldegg, wobei die Kolben der beiden Zylinder in entgegengesetzten Richtungen arbeiten. Jeder Kreuzkopf ist an eine querliegende Kurbelwelle gekuppelt, auf deren Ende sich ein gefrästes stählernes Kegelrad befindet, das in ein anderes solches auf dem Ende der Schaufelradwelle greift. Die Feuerbuchsen sind von der Gattung Belpaire; der Dampf wird vom Kessel nach dem Schieberkasten durch außerhalb des Kessels befindliche schmiedeeiserne Röhren geleitet. Das Drosselventil ist ausbalanciert und um trockeneren Dampf in den Röhren zu sichern, geht der Dampf nur von oben hinein. Das Schaufelrad besteht aus zehn hohlen Kegeln, durch T-Stücke an der Nabe, sowie an der die Rückseite des Rades bildenden stählernen Scheibe befestigt (Abb. 3). Schneeschaufel-LokomotiveAbb. 2 Die konische Form der Schaufeln ermöglicht den Gebrauch schmälerer Messer und vermindert die Spannung auf den letzteren. Diese bestehen aus Stahlguss und verstellen sich selbsttätig. Die äußeren Enden der Schaufeln werden durch Stangen zusammengebunden. Die zylindrische Trommel hat einen viereckigen Vorbau, der unten etwas V-förmig abgeschnitten ist, so dass an den Seiten nur wenig von den Schaufeln vorsteht, während in der Mitte des Rades letztere den Schnee treffen, ehe die Trommel es tut. Das Rad kann sich in jeder Richtung drehen und kann der oben befindliche Ausguss oder ›Schnauze‹ durch Pressluft entsprechend rechts oder links gedreht werden.

Schneeschaufel-LokomotiveAbb. 3

Beim Zurückziehen der ganzen selbstfahrenden Maschine aus einem Schneehaufen. und besonders, wo der Schnee nass und schwer ist, oder an Stellen, wo es viele Weichen gibt, kann die Trommel mittels Kraft um 18 cm aufgehoben werden.

Schneeschaufel-LokomotiveAbb. 4

Das Ganze ruht auf zwei vierräderigen Gestellen. Der aus einem Flügel und einer Schneide bestehende Eisschneider ist an einen schmiedeeisernen vor das vordere Gestell gebolzten Rahmen befestigt. Die ›Flügel‹ stehen etwas von den Schienen ab, und die Schneiden befinden sich neben den Schienen auf der inneren Seite unmittelbar vor den Vorderrädern (Abb. 4). Zwei Flanschenstücke stehen 38 mm unter der oberen Seite und 400 mm außerhalb der Schiene. Die Eisschneider und die Flanschenstücke können durch Pressluft gleichzeitig auf und niedergebracht werden. Die Maschine hat Vakuumbremse.

• Auf epilog.de am 17. Februar 2022 veröffentlicht