Bau & Architektur – Brücken
Ein irländischer Touristenweg
Das Neue Universum • 1905
In der Grafschaft Antrim im nördlichen Irland ist kürzlich ein Felsensteig um eine Reihe von prachtvollen Basaltklippen hergestellt worden, der mit seinen wechselnden Blicken auf die düsterprächtigen Felswände, Klippen und Inselchen einerseits, auf das weite, fast immer in rastloser Bewegung befindliche Meer anderseits zu den lohnendsten Touristenwegen des britischen Königreiches gehört, der aber auch in technischer Beziehung bemerkenswert ist.
Eiserner Steg auf dem Touristenwege durch die Gobansklippen in Irland.
Während sich der schmale Pfad an den meisten Stellen direkt in die Felsen einsprengen ließ, war es doch mehrfach erforderlich, Spalten oder Übergänge von einer Klippe zur nächsten mit Hilfe von leichten eisernen Brücken zu überspringen. An einer Stelle aber, wo sich der vielgewundene Steg von der Felswand auf einen einzelnen, weit hinausliegenden Felsen mit einem hervorragend schönen Blick auf die großartigen Ufergebilde hinüberschwingt, und wo eine Öffnung von 20 m Breite zu überspannen war, ist eine ganz eigentümliche Brückenkonstruktion zur Anwendung gekommen, die hier mit kurzen Worten erläutert werden mag. Wie unsere Abbildung zeigt, besteht die Brücke aus einer Reihe von elliptischen Bögen, die nur durch ein paar Bohlen oben und unten und durch einige Profileisen rechts und links miteinander zusammenhängen. Das Ganze ist eine Anlehnung an das bekannte System der Röhrenbrücke, von welcher hier aber nur ein verschwindend kleiner Teil der Wandungen, gleichsam ein dürftiges Gerippe, wirklich vorhanden ist. Trotzdem geben schon diese wenigen Elemente dem Steg eine Festigkeit, die auf keine andere Weise mit so wenig Materialverbrauch zu erzielen sein würde. Die bekannte große Festigkeit jedes röhrenförmigen Körpers gegen Durchbiegungen haftet selbst diesem kleinen Bruchteil einer Röhrenform noch an.
Der Klippensteg von Gobans ist, wie der berühmte, ebenfalls teilweise in die Felsen gehauene Talweg an der Bode zwischen Thale und Treseburg im Harz von einer Eisenbahngesellschaft gebaut worden, um den Touristenverkehr der Gegend zu heben. Er misst 5 km in der Länge und soll gelegentlich noch weiter geführt werden.