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Die preußische Torfpressmaschine

Mitteilung von A. Busch, Rittergutsbesitzer in Gr. Massow bei Zewitz in Pommern

Neueste Erfindungen und Erfahrungen • 1878

Die preußische Torfpresse, wie sie nach vielfachen Verbesserungen sich jetzt als am vorteilhaftesten herausgestellt hat, besteht aus einem etwa 2 m hohen, 60 cm weiten, auf einem Schlitten angeketteten Holzbottich von starken Bohlen, durch den in senkrechter Richtung eine starke eiserne Welle läuft, welche nach Art eines Tonschneiders mittelst eines Zugbaums durch ein Pferd in Bewegung gesetzt werden kann, auf welcher unten eine sich mitdrehende eiserne Scheibe, darüber drei vollständige Schraubenschnecken und darüber drei Drittelschraubensegmente, welche auf der Welle so arrangiert sind, dass sie ebenfalls einen vollständigen Schneckengang bilden, befestigt sind. Mehrere in den Bottichwänden befestigte Messer und durchgehende Eisenstangen verhindern, dass die Torfmasse sich auf den Schnecken festsetzt und mit der Welle sich herumdreht. Der Bottich hat an der hinteren oberen Seite einen Einschnitt zum Hineinwerfen der rohen Torfmasse und unten vorn ein eisernes Mundstück, welches durch einen einfachen Hebel zu öffnen ist, und in dem sich eine hölzerne konische Form befindet, durch welche der Presstorf in vier schönen glatten endlosen Strängen auf einen etwas geneigt stehenden Tisch heraustritt, auf dem er in beliebig lange Stücke geschnitten werden kann. Die ganze Maschine enthält so durchaus unzerbrechliche Teile, dass der Besitzer einerseits nicht den Mangel einer Maschinenfabrik in der Nähe zu fürchten hat, andererseits der Fabrikant auf die weiteste Entfernung hin vollständige Garantie übernehmen kann.

Preußische Torfpressmaschine

Zum Betreiben der Maschine gehören ein fleißiges Pferd, drei Männer und drei bis vier Mädchen oder Knaben, je nach der Entfernung und Größe der Trockenplätze. Nur wenn der Torf ganz im Wasser steht, oder sehr weich und nass ist, muss derselbe vorher ausgeworfen werden und etwas abtrocknen; ebenso muss ganz trockene Torfmasse angefeuchtet werden; in der Regel wird aber jeder Torf, wie er im Moor liegt, nach bloßer Entfernung der obersten Paltenschicht zu verwenden sein; ist der Torf in den verschiedenen Lagen von sehr verschiedener Beschaffenheit, so ist ein Durcheinanderwerfen dieser Lagen beim Auswerfen und Herankarren empfehlenswert.

Die Maschine wird ungefähr 8 m von dem Torfgraben entfernt, mit der Öffnung zum Einwerfen des Torfes diesem zugekehrt, aufgestellt.

Der Zugbaum ist ca. 5 m lang, 10 – 15 cm stark zu wählen und kann 2 m über die Welle fortreichen, um den einseitigen Druck desselben abzuschwächen. Am passendsten ist die Länge des Zugbaums so zu wählen, dass die horizontale Linie von dem am Zugbaum befindlichen Zughaken bis zur Mitte der Maschine 4,25 m beträgt. Ist die Entfernung größer, so hat das Pferd nicht so schwer zu ziehen, aber die Leistung ist auch entsprechend geringer und umgekehrt. Wenn das Bruch nicht ganz fest ist, so muss für das Pferd eine Umlaufbahn von Brettern, aus einzelnen Kreissegmenten bestehend, etwa 1 m breit, hergestellt werden.

Das Auswerfen des Torfs geschieht in regelmäßigen Gräben, die, je nachdem der Torf flach oder tief steht, 1 – 2 m breit gezogen werden können. Ein Mann besorgt das Auswerfen, wobei darauf zu halten ist, dass die verschiedenen Schichten des Torflagers untereinander gemischt werden, der zweite Mann karrt die Torfmasse zur Maschine, der dritte Mann wirft die Masse hinein und hat zugleich darauf zu sehen, dass das Pferd in regelmäßigen Gang bleibt.

Der Abschneidetisch wird so vor die Form gestellt, dass die obere Seite der Tischplatte mit der unteren Kante der Öffnung in der Form genau abschneidet, derselbe muss stets mit Wasser besprengt und nass gehalten, ebenso das vordere Ende 10 cm niedriger gestellt werden, damit die vier Torfstränge nicht aufwärts, sondern abwärts fortgeschoben werden.

Entnommen aus:


Zeitreisen mit Bergbahnen und nach London

Kultur + Technik von 1620 bis 1929

edition.epilog.de

Zeitreisen mit Bergbahnen und nach London
Die ›Zeitreisen‹ knüpfen an die Tradition der Jahrbücher und Zeitschriften ›zur Bildung und Erbauung‹ aus dem 19. Jahrhundert an. Eine bunte Auswahl von Originalartikeln begleitet den authentischen und oft überraschend aktuellen Ausflug in die Geschichte. Kultur- und Technikgeschichte aus erster Hand, behutsam redigiert, in aktueller Rechtschreibung und reichhaltig illustriert.  PDF-Leseprobe € 14,90 | 148 Seiten | ISBN: 978-3-7562-0128-0

• Auf epilog.de am 28. Dezember 2021 veröffentlicht