U-Bahn in Berlin

Die Eröffnung der
Schöneberger Untergrundbahn

Berliner Volks-Zeitung • 1.12.1910

Heute Vormittag um 10½ Uhr fand die Eröffnung der neuen Schöneberger Untergrundbahn statt. Auf dem festlich geschmückten Untergrundbahnhof ›Bayerischer Platz‹ hatten sich die städtischen Körperschaften der Stadt Schöneberg, an der Spitze der zweite Bürgermeister Blankenstein, eingefunden. Als Vertreter des Ministers der öffentlichen Arbeiten war Geheimer Oberregierungsrat Teßmar erschienen. Anstelle des erkrankten Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg war Regierungsrat Brüning anwesend. Ferner waren zugegen der Polizeipräsident von Berlin Herr v. Jagow. Die Stadt Berlin hatte als ihre Vertreter den Stadtverordnetenvorsteher Michelet, Charlottenburg den Stadtverordnetenvorsteher Kaufmann, Baurat Brettschneider und Meyer entsandt. Wilmersdorf war durch den Oberbaurat Herrenring vertreten. Außerdem war noch eine große Anzahl Stadtverordnete aus Berlin und Charlottenburg anwesend. Ferner waren Steglitz, Friedenau, Südende, Lankwitz und Weißensee durch Deputationen vertreten. Die Firma Siemens & Halske wurde durch Geheimrat v. Siemens und Direktor Lerche, die Große Berliner Straßenbahn durch Ministerialdirektor Dr. Miete und Direktor Meyer repräsentiert. Bürgermeister Blankenstein begrüßte die Erschienenen und wies in seiner Rede auf die Bedeutung der neuen Untergrundbahn hin. Die Bahn sei vorläufig nur als ein Mittelstück eines großen Verkehrsweges zu betrachten, der späterhin seine Fortsetzung nach Norden und Süden finden werde. Der Redner ging dann im Einzelnen auf die technischen Details der Bahn ein und teilte mit, dass der Untergrundbahnhof ›Nollendorfplatz‹ nur als ein provisorischer Bahnhof zu betrachten sei, der späterhin durch einen Umsteigebahnhof ersetzt werden würde. Bürgermeister Blankenstein führte weiter aus, dass die Schöneberger Untergrundbahn nicht als ein Konkurrenzunternehmen der Hochbahn anzusehen, sondern dass sie nur ein Glied des großen Unternehmens sei, mit dem sie durch die Tarifgemeinschaft eng verbunden werde. Nach Schluss der Rede bestiegen die zahlreichen Gäste die bereitstehenden Züge und besichtigten die einzelnen Bahnhöfe sowie die Strecke eingehend. Mittags um 1 Uhr fand die offizielle Verkehrsübergabe der Untergrundbahn statt. Die Züge werden bis auf weiteres in einem Abstand von fünf Minuten verkehren.

Entnommen aus:


Friedrich Gerlach

Die elektrische Untergrundbahn
der Stadt Schöneberg

edition.epilog.de

Die elektrische Untergrundbahn der Stadt Schöneberg
Die 1910 eröffnete Untergrundbahn der damals noch selbstständigen Stadt Schöneberg – heute die Berliner Linie U 4 – war nicht nur die zweite U-Bahn in Deutschland, sie setzte auch neue Maßstäbe bei der Baulogistik und viele Verfahren der ›Berliner Bauweise‹ wurden hier zum ersten Mal angewendet. Dem Verfasser dieses Buches, Stadtbaurat Friedrich Gerlach (1856 – 1938), oblag die oberste Leitung für das Projekt der Schöneberger Untergrundbahn und so erfährt der Leser aus erster Hand, wie die Strecke geplant und gebaut wurde. Über 120 Zeichnungen und Fotos illustrieren dieses Zeitdokument der Berliner Verkehrsgeschichte.  PDF-Leseprobe € 14,90 | 168 Seiten | ISBN: 978-3-7519-1432-1

• Auf epilog.de am 26. Mai 2020 veröffentlicht