Handel & IndustrieDruck & Papier

Neue Vervielfältigungs-Apparate

Der Tachograph

Der Stein der Weisen • 1892

Der Tachograph hat zur Grundlage die Lithographie, welche das bis jetzt vollkommenste Vervielfältigungsverfahren ist. Da aber das lithographische Verfahren von einem Laien nicht oder nur äußerst schwierig ausgeführt werden kann, versuchte man die Lithographie derart zu vereinfachen, dass sie von der Hand eines jeden Laien ausgeführt werden kann, und zwar mit Zuverlässigkeit und Schnelligkeit.

Man erhält ohne Anwendung einer Presse und ohne Umdruck von einer nur einmal mit Tinte und Feder hergestellten beliebigen Schrift oder Zeichnung viele tausend Kopien in Schwarz- oder Buntdruck, auch Bronzedruck, die an Schärfe und Sauberkeit einer Lithographie nicht nachstehen. Es können pro Stunde etwa 150 Abdrücke angefertigt werden. TachographFig. 1. Die erste Kopie ist bereits binnen einer Minute nach Fertigstellung der Originalschrift zu gewinnen, so dass der Tachograph sich in seiner Benutzung auch da lohnt, wo es sich um die Herstellung von nur einzelnen Kopien handelt.

Dabei druckt der Tachograph nicht nur aus Papier, sondern auch auf Holz, Blech, Glas und auf alle Gewebe sowie auf runde, konvexe und konkave Gegenstände. Korrecturen oder Abänderungen der Schrift können mit Leichtigkeit vor und auch während des Druckens vorgenommen werden. Durchpausungen sind ausführbar und sind Zirkel, Ziehfeder etc. verwendbar. Nebenbei bemerkt, sind die Abdrücke des Tachograph unvergänglich und genießen die Porto-Ermäßigung für Druckfachen. Der Apparat selbst ist in einem Kasten enthalten.

Im Allgemeinen gelten für seine Benutzung folgende Anweisungen:

Mit der tacho- oder autographischen Tinte wird mittels Schreib- oder Zeichenfeder direkt auf eine Steinplatte, d. h. einen Lithographiestein, in gewöhnlicher Weise, also nicht Spiegelschrift, geschrieben oder gezeichnet, was also in keiner Weise etwas anderes ist, als wenn man aus Papier schreiben würde. Nach Fertigstellung der Schrift wird die Steinfläche mit einem Präparat, bestehend aus gesäuertem Gummi Arabicum, überstrichen, was nur einmal geschieht. Nach einer Minute wird das Präparat abgewaschen und die Schrift hierauf durch Überrollen mittelst der mit Druckerschwärze versehenen Farbwalze eingeschwärzt. Durch Auflegen der elastischen Platte auf den Schriftstein erhält man auf derselben einen verkehrten Abdruck (das Negativ) von der Steinschrift. TachographFig. 2. Auf dieses Negativ wird das zu bedruckende Papier gelegt, mit der elastischen Walze angedrückt und der nunmehr fertige Abdruck sogleich abgezogen. Erst nach circa acht Kopien überrollt man die Steinschrift von neuem mit der Farbwalze und fährt, wie beschrieben, mit der Herstellung von Abdrücken fort.

Ist die Schrift fett eingeschwärzt, so wird die elastische Platte in der rollenden Weise, wie es Fig. 1 zeigt, auf den Stein gebracht, zweimal mit der Stoffwalze auf der Wachstuchseite überrollt und hierauf auf die beigegebene Holzplatte zurückgeklappt. Die Platte zeigt jetzt den verkehrten Abdruck von der Steinschrift – das Negativ. Auf dieses wird das zu bedruckende Papier gelegt, die Rückseite des Papieres zweimal mit der Stoffwalze kräftig überrollt, worauf man die fertige Kopie abzieht, dabei den Rand der elastischen Platte etwas zurückbiegend (s. Fig. 2).

Nach beendetem Drucken gibt man behufs Reinigung der Platte etwas Terpentin auf dieselbe und wischt in gut feuchtem Zustand die Schrift mit einem Lappen herunter. Der Schriftstein wird gereinigt, indem man ihn reichlich mit Wasser nass macht und kräftig mit dem Bimsstein abschleift. Es entstehen dadurch weder Schrammen noch Unebenheiten, da der Bimsstein weicher als der Lithographiestein ist. Die Farbe von der Walze und vom Blech schabt man mit dem Spachtel, so gut es, geht ab.

• Auf epilog.de am 24. Februar 2022 veröffentlicht