Bau & Architektur

Der Riesenkran zur Verlängerung des Kai im Hafen von New York

Das Neue Universum • 1898

Als im Jahre 1626 die holländische Handelsgesellschaft den Indianern für 60 holländische Gulden die Insel Manhattan, auf welcher das heutige New York liegt, abkaufte, glaubte sie sicher nicht, dass hier in wenig über 270 Jahren die zweitgrößte Stadt der Erde und der bedeutendste Hafen der Neuen Welt entstehen würde. Obwohl die von den beiden Mündungsarmen des Hudson, dem Nord- und Ost-River umschlossene Insel, an deren Südspitze das ganze Geschäftsleben und die Schifffahrt New Yorks sich zusammendrängt, schon mehrmals auf Kosten dieser Flüsse beträchtlich vergrößert worden ist, so wurde doch der Hafen mit den angrenzenden Straßen für den hier sich entwickelnden Riesenverkehr immer wieder zu eng.

Schwimmender KranSchwimmender Kran zum Einsetzen der Betonblöcke am Hudson-Kai.

Auch jetzt wird wieder ein Teil dieses Hafengebietes, die gegen den Nord-River zu liegende West Street, welche den Verkehr dieser Hafenteile nicht mehr zu fassen vermag, bedeutend verbreitert und nach der Wasserseite zu verschoben. In 54 m Entfernung vom bisherigen Ufer wird eine neue Kaimauer aus 6 m hohen, riesigen Betonblöcken errichtet, deren Bau nach einer neuen und interessanten Methode vor sich geht.

Wie man auf der linken Seite unseres Bildes deutlich sieht, werden die gewaltigen Betonblöcke an Land in großen gezimmerten Formen hergestellt, dann von einem schwimmenden Riesenkran ergriffen, an den Platz ihrer Aufstellung getragen und hier versenkt. Festen Boden vorausgesetzt, werden die Mauerstücke an ihrem vorgezeichneten Orte einfach auf den Grund des Stromes gesetzt, nachdem die Unebenheiten desselben durch Betonsäcke ausgeglichen sind. In losem Schlammgrund wird für jeden Block ein Pfahlrost von langen Balken tief genug eingetrieben, um das Gewicht der Mauer mit Sicherheit zu tragen. Der Raum hinter dieser Mauer wird aufgefüllt, um zum Teil für die verbreiterte Hafenstraße, zum Teil für Lagerschuppen und Geschäftshäuser der Schifffahrtsgesellschaften benutzt zu werden. Drei große Trockendocks, mit 240 m Länge den neuesten Bedürfnissen des rasch sich vervollkommnenden Schiffsbaues entsprechend, sollen die neue Hafenanlage noch wertvoller machen. Auf alle Fälle wird sie zu den großartigsten baulichen Unternehmungen des regen amerikanischen Geschäftsgeistes gehören und für den Handel von größter Bedeutung sein.

• Auf epilog.de am 22. März 2021 veröffentlicht