Bau & Architektur – Tunnel

Der Brandleite-Tunnel

in der Eisenbahnlinie Erfurt – Grimmenthal – Ritschenhausen

Zentralblatt der Bauverwaltung • 27.8.1881

Voraussichtliche Lesezeit rund 11 Minuten.

Die gegenwärtig im Bau begriffene Eisenbahnlinie Erfurt – Grimmen­thal – Ritschenhausen, welche sich von Erfurt aus zunächst im Tal der Gera, dann im wilden Geratal über Plaue, Liebenstein und Gräfen­roda und weiter im engen und gewundenen Luben­bach­tal in der Richtung von Nordost nach Südwest gegen die Höhen des Thüringer Waldes hinzieht, erreicht auf der Wasserscheide zwischen dem Luben­bach­tal und dem Pfann- bzw. Sattelbachtal verhältnismäßig schmal aufsteigenden, zur Beerberg-Gruppe gehörenden Bergrücken, die sogenannte Brandleite. Dieselbe erhebt sich bis zur Ordinate 877 und besteht nach den geo­gnostischen Untersuchungen vorzugsweise aus den Konglo­merat­schichten des Rot­liegenden, aus festen kristallinischen und den härtesten Horn­stein­porphyr­stöcken.

Dieser Bergrücken soll mit einem Tunnel durch­örtert werden, welcher fast genau von Osten nach Westen gerichtet, nach den jetzigen Annahmen eine Länge von 3031 m erhält und bis auf eine nur 45 m lange Strecke der westlichen Ausmündung in der geraden Linie liegt. Der Tunnel steigt im Anschluss an die in einer Steigung von 1 : 50 gelegene östliche Zufahrts-Rampe vom Ostportal auf eine Länge von 1841 m mit 1 : 100, und zwar von der Ordinate 621,01 zu der 249 m langen, auf der Ordinate 639,42 liegenden Horizontalen und fällt von hier mit 1 : 1000 auf 750 m Länge bis zur Ordinate 638,67. Auf dieser Höhe liegt der am westlichen Portal sich unmittelbar anschließende Bahnhof Oberhof, dessen Horizontale noch 191 m weit in den Tunnel reicht.

Von den Portalen an steigt der zu durch­tunnelnde Berg im Verhältnis von 1 : 4 bis 1 : 2,5 an, und der obere Rücken liegt 238 m über der Tunnelsohle.

Im Herbst des Jahres 1880 wurden die Vorbereitungen für die Bauausführung getroffen. Diese erstreckten sich hauptsächlich auf Projektierung, Beschaffung und Einrichtung der für den Betrieb von Gesteinsbohrmaschinen erforderlichen Installationen, auf die allgemeine Einrichtung der von bewohnten Ortschaften entlegenen Baustelle durch Erbauung von Büroräumen, Beamtenwohnungen, Arbeiterkasernen und Restau­rations­lokalen, ferner auf diejenigen Bauausführungen, welche zur Inangriffnahme des Richtstollens erforderlich waren.

Weiterlesen mit
epilog.de

Werde epilog.plus-Mitglied und Du bekommst

  • Zugriff auf exklusive Beiträge wie diesen
  • PDF-Versionen und/oder eBooks von ausgewählten Artikeln
  • weniger Werbung und dafür mehr historische Bilder und alte Reklame

und Du hilfst uns, noch mehr interessante Beiträge zur Kultur- und Technikgeschichte zu veröffentlichen.

Ich bin bereits Mitglied und möchte mich anmelden.

• Auf epilog.de am 6. Oktober 2026 veröffentlicht

Reklame