Verkehr – Schifffahrt
Die Beleuchtung der Meere
von Graf Bernftorff, Kovettenkapitän d. D.
Das Neue Universum • 1905
Für jeden Seefahrer sind Feuerschiffen, Leuchtbojen usw. nicht minder wichtig wie Leuchttürme. Die Feuerschiffe finden seit langer Zeit Verwendung auf Sänden und Untiefen im Fahrwasser oder als Anseglungsmarken vor Flussmündungen und Hafeneinfahrten.
Besonders in der Nordsee sind sie zahlreich vertreten, und allen Seeleuten sind das Elbe-Feuerschiff Nr. I sowie das Weser-Feuerschiff wohlbekannt; letzteres wegen der von ihm gezeigten drei Lichter scherzhafterweise ›der Weihnachtsbaum‹ genannt.
Leuchtfeuer ›Snouw‹.
Naturgemäß können auf diesen Fahrzeugen weder Leuchtapparate von bedeutender Kraft angebracht, noch können dieselben sehr hoch gesetzt werden, so dass die Sichtweite der Lichter eine beschränkte bleibt und im Maximum etwa zehn Seemeilen erreicht.
Um einen Mittelweg zwischen den kostspieligen Leuchttürmen und den ungenügenden Feuerschiffen einzuschlagen, werden an verschiedenen Plätzen sogenannte schwimmende Leuchttürme, das heißt Fahrzeuge von besonderer Bauart verwendet, welche auf einem hohen Mast einen möglichst starken Leuchtapparat führen. Eine Hauptbedingung für die Träger dieser Leuchttürme, also für die Fahrzeuge selbst war, sie möglichst widerstandsfähig gegen die Einflüsse der laufenden und rollenenden See zu gestalten, doch sei vorweg bemerkt, dass die Versuche noch nicht endgültig abgeschlossen sind.
Der Ballast des ›Snouw‹. Wie verschiedenartig die gewählten Schiffsformen sind, ersieht der Leser am besten aus den Abbildungen. Während man anfangs glaubte, eine stetige Lage dadurch zu erreichen, dass die Breite außerordentlich groß im Verhältnis zur Länge gewählt wurde (6,6 m Breite bei nur 14,5 m Länge und 2,7 m Tiefgang), zeigen die neuen Konstruktionen einen erheblichen Unterschied, nämlich 6 m Breite bei 20 m Länge und 3,95 m Tiefgang. Allen gemeinsam sind natürlich die sogenannten Seiten- oder Schlingerkiele, auch zeigt der eigentliche Mittelkiel eine bedeutende Verlängerung nach unten. Der Zweck dieser Kiele ist, die seitlichen Bewegungen, das Schlingern, zu vermindern. Ein ferneres Mittel, ein Fahrzeug gegen seitlich wirkende Einflüsse unempfindlicher oder, wie der technische Ausdruck lautet, steif zu machen, ist in möglichst tiefer Lagerung des Ballastes gegeben. So ist beispielsweise bei dem ›Snouw‹ der aus Gusseisenstücken bestehende Ballast außerhalb des Fahrzeuges am Mittelkiel befestigt.
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