VerkehrEisenbahn

Die Badische Schwarzwaldbahn

Deutsche Bauzeitung • 8.2.1872

Voraussichtliche Lesezeit rund 12 Minuten.

Das Rheintal und die in demselben hinziehende badische Eisenbahn bilden bekanntlich bei Basel einen rechten Winkel, dessen Schenkel nach Osten und Norden gerichtet und auf große Längen im Ganzen geradlinig sind. Schon seit vielen Jahren war man bestrebt, zu diesen Katheten die Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks zu schaffen, eine direkte Eisenbahn zwischen den Endpunkten Offenburg und Konstanz, welche die Hochebene des Schwarzwaldes über­schienen sollte. Die Auf­schließung des badischen Schwarzwaldes für den Eisenbahnverkehr, also eine lokale wirtschaftliche Maßregel, muss als der Hauptzweck des Unternehmens angesehen werden, da der durchgehende Güterverkehr auch in der Folge stets den Umweg durch das Rheintal einem Übersteigen der beträchtlichen Höhe des Schwarzwalds vorziehen dürfte. Jenem Hauptzweck entsprechend wurde auch die Zugrichtung im Einzelnen gewählt, wobei außerdem auf die partikularen Grenzen zwischen Baden und Württemberg Rücksicht zu nehmen war. Die vielfachen Anfechtungen, welchen das Projekt in wirtschaftlicher Beziehung ausgesetzt wurde und trotz seiner nahe bevorstehenden Vollendung immer noch ist, lassen sich zumeist auf die eben erwähnten Umstände zurückführen; unbestritten ist es aber in technischer Beziehung eine der interessantesten Unternehmungen der Gegenwart.

Die Ausführung der Bahn ist seit etwa 12 Jahren von den beiden Endpunkten stückweise gegen die mittlere, schwierigste Partie, zwischen Hausach und Villingen vorgerückt und bewegt sich gegenwärtig noch auf dieser letzteren, in welche namentlich die Ersteigung der Wasserscheide zwischen Rhein- und Donau-Gebiet fällt. Abgesehen von der kurzen Talstrecke Offenburg – Hausach hat der Bau fortwährend unter der Oberleitung des Baudirektors Gerwig gestanden, welcher außer den technischen Studien und Anordnungen sein beharrliches Wirken auch dem Durchsetzen des ganzen Projektes bei Behörden und Kammern gewidmet hat, so dass er als der eigentliche Schöpfer der badischen Schwarzwaldbahn angesehen werden muss. Insbesondere hat derselbe auch die Grundsätze für die Trassierung und Ausführung der eigentlichen Gebirgssteige bestimmt, welche im Folgenden beschrieben werden soll.

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• Auf epilog.de am 17. Februar 2026 veröffentlicht

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