Handel & IndustrieFabrikation

Die Achatschleiferei im Idartal

Westermanns Monatshefte • Februar 1858

Voraussichtliche Lesezeit rund 15 Minuten.

Wo sich der Hunsrück zwischen Mosel und oberer Nahe in dem Hoch- und Idar­wald zu seiner bedeutendsten Höhe erhebt, entspringt am Fuß des letzteren ein kleines, aber wildes, sich in die Nahe ergießendes Gebirgswasser, der Idar­bach, dessen Namen zwar wenig bekannt ist, dessen Wasser jedoch die Betriebskraft liefert für einen Industriezweig, dessen Produkte im Norden und Süden, im Osten und Westen der ganzen bewohnten Erde bekannt sind.

In dunklem Tannenforst, von dem höchst wahrscheinlich Berg und Bach ihren Namen erhalten haben 1), 1) Idar, von dem altdeutschen id Eibe, Tanne und hart Wald abgeleitet. Nach einer anderen Ableitung soll das Wort von Iduna und ar, Wasser (Idunas – ar, zusammengezogen Id – ar) stammen. entspringt, schlängelt sich der Bach, an dessen Seiten sich Schleifmühle an Schleifmühle reiht, durch ein enges, wild-romantisches, an vielen Stellen von pittoresken Felsen eingeengtes Tälchen und ergießt sich, nachdem er den Hauptort der Achat­schleife­rei, den Flecken Idar durchflossen hat, oberhalb des herrlich gelegenen, durch sein Felsenkirchlein bekannten Städtchens Oberstein in die Nahe. Auf der größten Strecke seines gut 20 km langen Laufes wird der Idar­bach von Sumpf und Wald begleitet. Nur hie und da finden sich zwischen den dichten Forsten des Hochwaldes einzelne, zerstreute Dörfer, deren Bewohner dem Boden von nur geringer Fruchtbarkeit kaum den für ihren Lebensunterhalt notwendigen Bedarf an Kartoffeln und anderen Feldfrüchten zu entlocken wissen.

So wenig reich indessen ein Teil der nächsten Umgebung des Idar­tals an Erzeugnissen ist, welche in das Gebiet der Kultur- und Nahrungspflanzen gehören, so reichhaltig ist das der Grauwacke-, Porphyr- und Mela­phyr­formation angehörende Gebirge an manchen Gegenständen des dritten Natur- oder Mineralreiches. Namentlich sind es die verschiedenen Arten und Abarten aus der reichen Gattung des Quarzes, welche sich in den Grauwacke- und Mela­phyr­bergen der Umgebung des Idar­tals finden.

Das Innere einer Achatschleife.Das Innere einer Achatschleife.

Der Reichtum an den genannten Steinarten, auf welche in früheren Zeiten eine Art unregelmäßigen Bergbaues betrieben wurde, ist sicherlich die erste Veranlassung gewesen, welche dem zurzeit in hohem Grad blühenden Industriezweig der Achat­schleife­rei seine Entstehung gegeben hat.

Der Ursprung der Achat­schleife­rei im Idar­tal und dessen nächster Umgebung verliert sich in die dunklen Zeiten des Mittelalters, und kaum ist es möglich, deren Spur bis zu jenen Zeiten mit einiger Sicherheit zu verfolgen. Nur von der Hand der Sage und Tradition geleitet, wird es möglich, einiges Licht in das herrschende Dunkel zu bringen. Diese berichten, dass ein Graf Johann von Nassau-Saarbrücken, welchem Hause in damaliger Zeit der sogenannte Idar­bann lehens­pflichtig war, im 14. Jahrhundert zu Bologna die Rechte studiert und von Italien aus, wo man diese Kunst schon im Altertum kannte, die Steinschleiferei auf den heimischen Boden verpflanzt habe, dessen Berge einen nicht unbeträchtlichen Reichtum an entsprechendem Material zur Verarbeitung in ihrem Inneren bargen.

Die erste verbürgte historische Nachricht über das Bestehen der Achat­schleife­rei findet sich in einem ›Bericht‹ des Grafen Franz von Dhun und Oberstein über die Herrschaft Oberstein. Aus diesem geht unzweifelhaft hervor, dass schon lange vor dem Ende des 15. Jahrhunderts in der Herrschaft Oberstein, zu der ein Teil des Idar­tals gehörte, Achat­schleife­reien bestanden hatten, welche dem Herrn von Oberstein zinspflichtig waren.

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• Auf epilog.de am 8. September 2026 veröffentlicht

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