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Goldfield

Aus dem Minenleben Nordamerikas

Die Woche • 23.1.1909

Es sind ungefähr vier Jahre her, dass Goldsucher in der trostlosen Wüste, einem Ausläufer des berüchtigten ›Death Valley‹ oder Todestals, dort, wo heute Goldfield im Staate Nevada steht, die ersten nennenswerten Gold- und Silberfunde machten.

Die Zeltstadt Goldfield in Nevada (Nordamerika).

Das Gerücht von fabelhaften Reichtümern verbreitete sich mit Blitzesschnelle und zog Tausende aus allen Himmelsrichtungen herbei: Geschäftsleute, Mineningenieure, Grubenleute, Spekulanten, Desperados und die für jeden Minencamp charakteristischen Spieler.

Nun ist eine Reise in solch eine von jeder Kultur unberührte und schwer zugängliche Gegend keineswegs so einfach. Es heißt, da es hier kein essbares Wild gibt, sich mit Nahrungsmitteln auf Wochen hinaus zu versehen, sich überhaupt mit den zum Leben allernotwendigsten Dingen, einem Zelt, einem kleinen Kochofen, Kochgeschirr usw. auszurüsten. Ferner muss gerade hier in dieser Gegend in Betracht gezogen werden, dass es im Umkreis von vielen Meilen absolut kein Wasser gibt und ein gewisses Quantum für Menschen, Zug- oder Reittiere mitgenommen werden muss. Auch ist die Gegend hier sehr holzarm. In den Bergen wächst wohl eine Art Zeder, aber nur sehr sparsam, und es verursacht besonders im Winter viel Mühe, das Holz herunterzuschaffen, da weder Wagen noch Lasttiere in die wildzerklüfteten Berge mitgenommen werden können. In der Ebene selbst kommt nur eine kleine Strauchart vor, der sogenannte Sagebrush. Das Klima ist so weit gut und infolge der hohen Lage, 1700m über dem Meeresspiegel, trocken. Der Winter ist ziemlich streng und schneereich, der Sommer heiß und ohne Regen.

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Trotz aller Schwierigkeiten war der Zudrang zu den Goldfeldern außerordentlich stark. Alle Rassen und die meisten Nationen waren vertreten, nur Japaner und Chinesen wurden zurückgewiesen, und es darf sich bis heute kein Vertreter dieser Rasse hier sehen lassen. – Im Handumdrehen entstand eine Zeltstadt in der Wüste. Bauholz, Maschinen und tausend andere Dinge wurden mit Packmaultieren und zwölf- bis achtzehnspännigen Frachtwagen herbeigeschafft, und die Stadt oder richtiger das Camp wuchs enorm trotz der fabelhaften Preise. Auch die Löhne waren und sind zum Teil jetzt noch sehr hoch. Handwerker verdienen fünf bis neun Dollar den Tag. Das Camp soll in seiner Blütezeit 30000 Menschen beherbergt haben, die zum Teil in Zelten, in Dugouts, das sind in den Berg hineingebaute Wohnungen, oder in Papierhäusern, die aus einer Art Dachpappe hergestellt sind, hausten. Auch aus leeren Flaschen und Blechkannen stellte man Behausungen her. Mit dem modernen Wüstenschiff, dem Automobil, wurde sofort die Verbindung mit der nächsten Bahnstation hergestellt. Die verschiedenen Eisenbahngesellschaften entsandten ungesäumt ihre Ingenieure, um festzustellen, was an der Sache wäre, und begannen nach zufriedenstellendem Rapport sofort mit der Legung der Eisenbahngleise. Sehr häufig kommt es nämlich auch vor, dass eine derartige Geschichte aus einem Irrtum beruht. Es sind vielleicht hier und da gute Adern angeschlagen worden, die nach der Analyse ein vielversprechendes Resultat erwarten ließen, bei längerem Nachgraben aber unauffindbar verschwanden.

Felsenhöhle als Wohnung im Goldsuchergebiet bei Goldfield in Nevada.

›Goldfield-Hotel‹, ein modernes Hotel im Wilden Westen.

Der Boden enthält enorme Reichtümer, Gold ist vorherrschend und kommt hier in dieser Gegend im Gestein vor und nicht wie zum Beispiel in Kalifornien und teilweise in Alaska in Klumpen.

Es gibt hier jetzt natürlich Mühlen, die, mit den modernsten Maschinen versehen, das im Gestein enthaltene Gold oder sonstige Metall freilegen. Früher wurde das Erz in Waggonladungen nach San Francisco geschickt, was natürlich mit riesigen Kosten verknüpft war, die Besitzer und Statthalter der betreffenden Minen aber trotzdem zu Millionären machte. Die berühmteste der vielen Minen hier ist die ›Mohawk-Mine‹, deren Aktien seinerzeit in wenigen Tagen von 35 Cent auf 20 und 25 Dollar hinaufgingen. Nachdem nun einmal das Vorhandensein von Edelmetall festgestellt war, wurde auch sofort die Stadt angelegt. Die Hauptstraße läuft von Norden nach Süden und die anderen Straßen parallel oder im rechten Winkel zu ihr. Vor allem musste für Wasser gesorgt werden, und in beispiellos kurzer Zeit wurde eine Wasserleitung von Lyda her, einer Ortschaft 35 Meilen von Goldfield, gelegt. Auch Brunnen wurden gegraben, doch stieß man erst bei 1520m Tiefe auf Wasser. Dieses Wasser war aber sehr oft verdorben, und diesem Umstand ist auch die hohe Sterblichkeitsziffer in der ersten Zeit zuzuschreiben.

Aus leeren Bierflaschen erbautes Haus.

Eine elektrische Leitung wurde von Bishop-Creek, das 125 Meilen entfernt im Staat Kalifornien liegt, nach hier gelegt. Der dazu verwendete Draht hat allein über eine Million Dollar gekostet. Geld spielte hier im Anfang gar keine Rolle, es war genügend da. Jetzt nach der Geldkrise im Herbst des Jahres 1907 sieht es aber anders aus. Es war eine böse Zeit, da alle Minen infolge des Streits der Grubenarbeiter feierten. Infolgedessen trat auch im Geschäftsleben eine auffallende Stockung ein. Viele Geschäftshäuser gingen Konkurs, andere beschränkten ihre Arbeitskräfte bis aufs äußerste. Tausende von Arbeitslosen liefen umher, unter ihnen Elemente der schlimmsten Sorte. Überfälle und Einbrüche waren an der Tagesordnung. Es wurden denn auch auf Betreiben der Minenbesitzer und Geschäftsleute Truppen aus San Francisco herbeigeholt, die aber nach kurzer Zeit auf Befehl des Präsidenten Roosevelt wieder abberufen wurden.

Jetzt wird wieder flott gebaut, und die Zeltstadt weist zurzeit schon einzelne Prachtbauten in Stein, wie das Goldfield-Hotel, die Minenbörse, die T.&G. Maat Co. und andere mehr, auf. Die Geschäfte fangen langsam an, besserzugehen, aber es ist wenig Aussicht vorhanden, dass die vergangenen guten Zeiten zurückkehren. Die besten Geschäfte machen immer noch die Bars oder Wirtschaften oder richtiger gesagt ›Saloons‹. In diesen amerikanischen Kneipen nimmt man das gewünschte Getränk bekanntlich an der Bar stehend ein, denn Sitzgelegenheit gibt es fast gar keine, außer an den Spieltischen. Hier werden Glücksspiele noch öffentlich betrieben, so vor allem Roulette, Faro Bank und verschiedene Kartenspiele. In den größten dieser Trink- und Spielhäuser, wie ›Northern‹ und ›Mohawk‹, ist ein recht reger Verkehr, und werden ihre Türen das ganze Jahr nicht geschlossen. Es ist interessant, das Treiben an den Spieltischen, besonders beim Roulette und Faro, zu beobachten, wo oftmals Tausende von Dollar gewonnen oder verloren werden. Besonders groß ist der Andrang Sonnabend- und Sonntagabends. Vor der Geldkrise war manchmal solch ein Gedränge, dass man Mühe hatte, an die Bar zu kommen. Als die hiesige Brauerei ihre Tore öffnete, war sie im Handumdrehen im wahren Sinne des Wortes ausgetrunken, und die Riesenbrauereien im Osten fingen an, ihr Bier nach hier in Waggonladungen zu verschicken.

Die Hauptstraße in Goldfield.

Mohawk-Mine, die Begründerin von Goldfields Weltruf.

Der Dollar rollt: Blick in ein Spielhaus.

Trotz des starken Verkehrs in den Saloons geht es verhältnismäßig ruhig zu, wenigstens an den Spieltischen, denn gehören auch Streit und Schießaffären keineswegs zu den Seltenheiten, so sind ihre Ursachen doch anderweitig zu suchen. Von Falschspielen ist keine Rede, ein derartiger Versuch würde dem Unternehmen den größten Schaden zufügen.

Der Staat hat einen großen Nutzen von diesen Spielbanken, denn für jeden Tisch müssen monatlich 75 Dollar Lizenz entrichtet werden, und manche Saloons haben zehn und mehr solcher Tische.

Goldfield ist in gewisser Beziehung das großartigste Goldcamp der Welt. Das bedeutet, es ist in der kürzesten Zeit aus einem verhältnismäßig kleinen Terrain das meiste und reichste goldenthaltende Gestein zutage gefördert worden. Von jeder kleinen Anhöhe aus kann man östlich von der Hauptstadt allein gegen 300 der hohen Gerüste erkennen, die zum herausfördern des Gesteins dienen.

Wie lange der Goldreichtum hier anhalten wird, weiß natürlich niemand, es ist aber begründete Hoffnung vorhanden, dass noch für eine lange Reihe von Jahren der Vorrat an Edelmetall aushalten wird.

• Otto Kühn

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