Bau & ArchitekturBrücken

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Die neuen Seine-Kais und die Tolbiac-Brücke in Paris

Zentralblatt der Bauverwaltung • 17.2.1883

Im Osten der Stadt Paris, innerhalb der Festungsmauer, wird gegenwärtig zwischen der Brücke von Bercy und der National-Brücke ein 1275m langer neuer Kai ausgeführt. Im Zusammenhang hiermit steht der Bau ausgedehnter überwölbter Lagerräume, die Herstellung einer Straße über diesen Räumen und der Bau einer neuen Brücke über die Seine, etwa in der Mitte des Kais. Aus den Figuren 1 und 2 ist die allgemeine Anordnung ersichtlich.

Fig. 1 Situationsplan

Der Kai am rechten Seine-Ufer und die unmittelbar angrenzenden Lagerräume sind durch die Verhältnisse der städtischen Steuerhebung bedingt. In Paris mangelt es für die zu Wasser ankommenden Güter an Niederlage-Räumen, die unweit des Flusses gelegen sind. Die Lagerräume am Kai von Bercy sollen die Möglichkeit gewähren, die städtische Zollgebühr erst zu entrichten, wenn die Waren zum Verbrauch abgeholt werden.

Fig. 2 Längenschnitt der Tolbiac-Brücke.

Der durch das ausgedehnte Weingeschäft hervorgerufene lebhafte Verkehr erfolgt auf der Straße zwischen den Lagerräumen am Kai und den großen Wein-Niederlagen, die eine Fläche von etwa 40 Hektaren bedecken. Der Kai ist mit dieser Straße durch die vier auf dem Situationsplan angedeuteten Durchfahrten verbunden. Aller andere Verkehr kann sich abgesondert auf der Straße über den Lagerräumen bewegen, welche so hoch liegt, dass die Brücken hier keine Rampen erfordern. Die genannten Bauten einschließlich der neuen Tolbiac-Brücke sind auf 6500000 Francs veranschlagt, wozu die Stadt Paris 3870000 Francs beiträgt. Die Ausführung erfolgt vonseiten des Staats für die Stadt.

Das vorwiegende Baumaterial ist der in Paris allgemein angewendete Kalkstein. Die Außenflächen der Kais, der Lagerräume und der Brücke sind mit besonderen Verblendungskalksteinen verkleidet.

Fig. 3 Querschnitt der Kaimauer.

Der Pfahlrost der Kaimauer ist ohne Spundwand und nur mit Querverholmung und Bohlung, also ohne Zangen, hergestellt. Die in Figur 3 angegebene Steinschüttung soll die Ausspülung verhindern. Die einzelnen Rostböcke sind in Entfernungen von 1,75m von Mitte zu Mitte angeordnet.

Beim Entwurf der Brücke ist die Herstellung möglichst großer Durchflussprofile beabsichtigt worden, denn man hat es vorgezogen, unter Anwendung kostspieliger Fangedämme und Schöpfarbeiten das Pfeilermauerwerk schon in Höhe der Flusssohle beginnen zu lassen, anstatt den Beton bis zur Höhe des kleinsten Wasserstands zu schütten.

Fig. 4 Querschnitt der Brücke.

In der Zeichnung Fig. 4 sind zwei Normalwasserstände angegeben, von denen der höhere derjenige ist, der durch den Umbau des unterhalb folgenden Staus bei Suresnes ermöglicht werden soll.

Bei einem Strompfeiler und einem der Landpfeiler hat man anstatt der Betonfundierung Pfahlrost anwenden müssen.

Auch für den Rost des Strompfeilers ist eine gegen Ausspülung sichernde Spundwand nicht für nötig erachtet worden. Die Zwischenräume zwischen den Rostpfählen sind aber unter dem Bohlenbelag mit Steinen ausgepackt.

Die elliptischen Bögen sind so geformt, dass sich Stützlinien finden lassen, welche innerhalb des mittleren Drittels der Bogenstärke liegen. Die Ermittlung dieser Stützlinien ist auf graphostatischem Wege in gewöhnlicher Weise erfolgt.

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