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Arbeiten im ewigen Eis

25 Jahre DLR-Antarktis-Station GARS O’Higgins

Neuigkeiten • 21. Dezember 2016

1991 wurde die GARS (German Antarctic Receiving Station) O'Higgins-Antarktisstation gegründet. Die weißen Gebäude und die 9-Meter-Antenne der DLR-Antarktisstation liegen in direkter Nachbarschaft zur chilenischen Antarktisstation (rot gestrichen). Die Station des DLR, die seit 25 Jahren in Betrieb ist, ist mittlerweile das ganze Jahr über mit einem kleinen Team besetzt. [Foto: DLR]

14205 Kilometer von Berlin entfernt fegen Stürme mit 250 Kilometern in der Stunde über die Antarktische Halbinsel hinweg. An ihrer Nordspitze trotzt seit 25 Jahren die Antarktis-Station GARS O’Higgins (German Antarctic Receiving Station) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit einer 9-Meter-Antenne diesen Bedingungen und ist an 365 Tagen im Jahr mit einer kleinen Mannschaft besetzt. Mehrere zehntausend Male hat die Anlage in dieser Zeit Datenpakete von Satelliten wie TerraSAR, TanDEM-X oder BIROS empfangen, hat Kommandos an sie gesendet oder auch dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) als Radioteleskop gedient. Nun wird die Station mit 2,5Mill.€ modernisiert. Dabei wird unter anderem die Antennensteuerung von analog auf digital umgestellt. »GARS O’Higgins ist wichtig für die Erdbeobachtungsmission des DLR und wird mit der Modernisierung auf zukünftige Missionen vorbereitet«, sagt Prof. Stefan Dech, Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) des DLR.

Auf Dauerempfang in der Antarktis

Angefangen hat alles vor 25 Jahren, als die 9-Meter-Antenne erstmals Daten des Erdbeobachtungssatelliten ERS-1 empfing – und die Antarktis-Station in Betrieb ging. Zunächst lebten und arbeiteten die Teams mit jeweils vier Mann in den Monaten Oktober bis März an dem unwirtlichen Ort. In den übrigen Monaten blieb GARS O’Higgins unbesetzt und wurde für den antarktischen Winter ›eingemottet‹. »Es war aber letztendlich sehr mühsam, die Station ein halbes Jahr später wieder aufzuwecken«, erinnert sich Dr. Erhard Diedrich, Abteilungsleiter Internationales Bodensegement im DFD und somit direkt verantwortlich für die DLR-Antarktis-Station. Und auch die Nachfrage für den Datenempfang stieg. Schließlich wechselte man pünktlich zum Start des Radarsatelliten TanDEM-X im Juni 2010 in den Ganzjahresbetrieb. Alleine für das mittlerweile fertiggestellte globale 3D-Höhenmodell dieser Mission wurde mehr als ein Drittel aller Daten in GARS O’Higgins empfangen.

Anreise per Flugzeug oder Schiff

Heute ist die Station mit ihren 35 Containern rund um die Uhr besetzt. Für das DLR-Team eine Aufgabe, die allen Flexibilität und Einsatz abverlangt: Wer in die Antarktis reist, ist meist mehrere Monate vor Ort. »Und dass sich die geplante Rückkehr per Schiff oder Flugzeug auch schon mal bis zu vier Wochen verzögert, weil das Wetter nicht mitspielt – das ist normal«, sagt Erhard Diedrich. Alleine der Weg bis ans Ende der Welt braucht seine Zeit: Von Punta Arenas auf dem chilenischen Festland geht es zunächst mit einer ›Hercules‹ der chilenischen oder brasilianischen Luftwaffe zur vorgelagerten Insel King George. Von dort bringt eine ›Twin Otter‹ die Passagiere auf den Gletscher oberhalb der DLR-Antarktis-Station GARS O’Higgins und der benachbarten chilenischen Station General Bernado O’Higgins. Die einzige Alternative dazu ist eine Anreise per Schiff – von Punta Arenas über die stürmische Drake Passage. »Bei all diesen Routen sind wir auf die logistische Unterstützung unserer chilenischen und brasilianischen Partner angewiesen.« Mit ihnen wurde auf einer Veranstaltung zum 25-jährigen Bestehen der Station beim chilenischen, antarktischen Forschungsinstitut (INACH) gemeinsam mit dem deutschen Botschafter in Chile, Rolf Schulze, dem Gouverneur der Region Magellan, Jorge Mauricio Flies Añón, und Vertretern der Politik Bilanz gezogen.

Empfangen, senden, verarbeiten

Mittlerweile funkt eine ganze Armada von Satelliten ihre Daten zur DLR-Empfangsanlage in der Antarktis: Neben den Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X gehören dazu auch die Satelliten der deutschen FireBird-Mission mit den Satelliten TET-1 und BIROS. International wird die Station für die deutsch-amerikanische GRACE-Mission und die kanadischen Missionen Cassiope und NEOSSat eingesetzt. Wurde vor 25 Jahren ›nur‹ aus dem All empfangen, werden heute auch Kommandos an Satelliten gesendet. Auch die Verarbeitung der empfangenen Daten ist hinzugekommen: Teile der Daten werden nahezu in Echtzeit zu Produkten verarbeitet, die über Seegang, Meereisbedeckung, die Position von Eisbergen, Schiffen oder Ölteppichen informieren. Diese können dann unmittelbar zur Navigation an Schiffe oder für Hilfseinsätze übermittelt werden.

Silvester am Ende der Welt

So abgelegen die Station des DLR auch sein mag – die Verbindung zur Heimat ist möglich, auch wenn das Team für Wochen vor Ort ist. »Zum Glück können wir selbst von der Antarktis aus gut mit unseren Familien und Freunden Zuhause telefonieren«, sagt Ruslan Artemenko. Er war bereits 21 Mal auf der Antarktis-Station und wird dieses Jahr wieder mal Silvester dort verbringen. »Satelliten interessieren sich nicht für den Jahreswechsel.« Auch an den Feiertagen muss die Station bereit sein, wenn ein Satellit im Überflug Daten zur Erde schickt. Dafür feiern die Kollegen gleich zweimal: Um 20 Uhr – wenn in Deutschland die Raketen in den Himmel steigen – wird es die erste kleine Feier in der Küche der Antarktis-Station geben. Vier Stunden später schlägt dann auch in der Antarktis die Uhr zur Mitternacht – und das Team der DLR-Station feiert gemeinsam in der benachbarten chilenischen Station mit deren Besatzung.

Zukunft der Antarktis-Station

In den nächsten Jahren könnten weitere Aufgaben auf die Station und ihr Team zukommen: Sollte beispielsweise die vom DLR vorgeschlagene Radarmission Tandem-L realisiert werden, müssen noch deutlich höhere Datenmengen empfangen und aus der Antarktis nach Deutschland geschickt werden. Zurzeit geschieht dies über eine Aufzeichnung auf Magnetbändern und deren Versand per Schiff. Derzeit analysiert die chilenische Regierung, ob die antarktischen Forschungsstationen über ein Seekabel verbunden werden können. »Eine solch schnelle und kostengünstige Anbindung würde uns die kontinuierliche und schnelle Übertragung aufgezeichneter Daten und die Erstellung von aktuellen und hochauflösenden Informationsprodukten erlauben. Damit würden die Aufnahmekapazitäten künftiger Satellitenmissionen deutlich gesteigert«, betont Prof. Stefan Dech, Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) des DLR.

Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Links:  Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

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