Handel & Industrie – Fabrikation
Neue Erfindungen und Kulturfortschritte
Das Zeitalter des Stahls
Von Max Wirth
Über Land und Meer • Oktober 1879
Obwohl die Historiker von jeher liebten, die Geschichte der Menschheit nach großen politischen und religiösen Umwälzungen einzuteilen, so haben doch schon seit den ältesten Zeiten die Dichter in prophetischem Geiste eine Abweichung von dieser Methode sich erlaubt, indem sie die Entwicklungsgeschichte unseres Geschlechts in ein goldenes und in ein ehernes Zeitalter schieden. Seitdem die Altertumskunde eine Wissenschaft geworden ist und der Boden in allen Teilen der Erde systematisch nach den Spuren der menschlichen Tätigkeit in grauer Vorzeit durchwühlt wird, hat eine volkswirtschaftliche Einteilung der Entwicklungsgeschichte der Menschheit Platz gegriffen, welche eigentlich allein als eine organische betrachtet werden kann. Es ist dies die Unterscheidung je nach den schwächeren oder wirksameren Hilfsmitteln der Arbeit, welche den Menschen im Verhältnis zu seiner steigenden Erfahrung zu Gebot stehen. Es mag sich in der Politik und in manchen anderen Zweigen der menschlichen Tätigkeit alles im Kreise drehen, es mag Vieles eitel sein in dieser Welt, und wir mögen auch künftig noch manchen Rückschritt zu beklagen haben, – in der eigentlichen Entwicklungsgeschichte der Menschheit hingegen, in der Ansammlung von Erfahrungen und Kenntnissen zur Bewältigung und Ausnutzung der Naturkräfte behufs der Verschönerung und Verbesserung des menschlichen Daseins – da sehen wir in den großen Umrissen nur einen steten, unaufhaltsamen Fortschritt. Darum sind die Wissenschaft und die mit ihrer Hilfe bewirkte Ansammlung technischer Hilfsmittel und Werkzeuge die beiden Hauptgrundsäulen der Kultur. Aus diesem Grund liegt ein tiefer Sinn und eine hohe Berechtigung in der von den Altertumsforschern festgestellten Einteilung der Entwicklungsgeschichte in die Ära der Steinwerkzeuge, in das bronzene und in das eiserne Zeitalter.
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