VerkehrSchifffahrt

Seenotretter stellen Konzept zum Aufbau einer zentralen Notfall-Leitstelle für Offshore-Windparks vor

tvi.ticker • 26. Januar 2012

Die Betreiber deutscher Offshore-Windparks wollen den Aufbau einer zentralen Notfall-Leitstelle für Unfälle in den Bereichen ihrer Anlagen vorantreiben.

Das ist das Ergebnis eines Arbeitstreffens mit Vertretern nahezu aller Betreiber am Donnerstag, 26. Januar 2012, in der Zentrale der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen.

Die Seenotretter stellten diesem Kreis ihr Konzept für den Aufbau einer Notfall-Leitstelle vor. Diese Leitstelle soll Abläufe standardisieren und Verzögerungen bei Rettungsmaßnahmen vermeiden. Hintergrund sind die vermehrten Windparkbaustellen auf hoher See und grundsätzlich die steigende Zahl von Menschen, die in den kommenden Jahren ständig mit Routinearbeiten bei Wartung und Betrieb der Anlagen befasst sein werden.

Aufbauend auf den jahrzehntelangen Erfahrungen der DGzRS-eigenen Seenotleitung Bremen (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre) als national zuständige Koordinierungszentrale für Such- und Rettungsmaßnahmen auf See bietet die DGzRS den Betreibern der Offshore-Windparks die Errichtung einer daran anzuschließenden Notfall-Leitstelle an. Vorrangig geht es dabei zunächst um Koordinierungsaufgaben für das betriebliche Unfallmanagement. Mittel- bis langfristig könnte die ständige Luft- und Seeraumbeobachtung als weitere Aufgabe hinzukommen.

Kapitän Udo Helge Fox, Leiter des Rettungsdienstes und Mitglied der Geschäftsführung der DGzRS: Unsere Ideen und Vorschläge sind sehr positiv aufgenommen worden. Eine Arbeitsgruppe soll nun so schnell wie möglich die praktische Umsetzung erster Schritte vorantreiben. Provisorisch könnte die Leitstelle möglicherweise noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen.

Unterstützung erfahren die Pläne auch durch Bundes- und Landespolitik, der die Seenotretter ihre Vorschläge bereits wenige Tage zuvor vorgestellt hatten. Das Konzept ist ferner abgestimmt mit dem Havariekommando des Bundes und der Küstenländer, das – wie schon in entsprechend großen Seenotfällen praktiziert – bei komplexen Schadenslagen als zuständige Stelle fungiert.

Die neue Leitstelle soll durch die Windpark-Betreiber finanziert werden. Dazu könnten sich die Unternehmen etwa in einer Art Pool zusammenfinden, der auch den Betrieb von Hubschraubern für Rettungsmaßnahmen finanziert. Die DGzRS wird für diese zusätzliche Aufgabe keine Gelder aufwenden, die ihr für ihren satzungsgemäßen Zweck von ihren rund 300 000 Förderern im gesamten Land freiwillig anvertraut werden.

Schon bisher hat die Seenotleitung Bremen der DGzRS in Notfällen im Bereich von Offshore-Windparks die Koordinierung unmittelbarer Rettungsmaßnahmen übernommen, zuletzt erst einen Tag vor dem genannten Treffen mit den Betreibern: Nachdem in der Nordsee auf einer Windparkbaustelle 55 Seemeilen (ca. 100 km) nordnordwestlich der Insel Borkum am 25. Januar 2012 ein Arbeiter ins Meer gestürzt war, koordinierten die Seenotretter Schiffe und Hubschrauber am Unglücksort.

Quelle:  Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

• Auf epilog.de am 30. Januar 2012 veröffentlicht

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