Handel & IndustrieLebensmittelproduktion

Schildkrötenzucht

Die Gartenlaube • 1855

In Spanien vervielfältigt man durch besondere Wartung und Pflege die kurzschwänzige Schildkröte, die bekanntlich nicht nur eine äußerst schmackhafte und delikate Speise gewährt, sondern auch eine äußerst nahrhafte, die in vielen Fällen, namentlich bei Brustkrankheiten und Entkräftung von der heilsamsten Wirkung ist. Die Erfahrung hat gelehrt, dass die Zucht dieser Tiere, die einen reichen Gewinn gewähren würde, da auch ihre Schalen im Handel sehr gesucht sind, sich mit der gehörigen Aufmerksamkeit auch in rauerem Klima bewirken ließe, und schon sind davon in Frankreich mit glücklichem Erfolg Versuche angestellt worden. Man umgibt zu diesem Zweck einen Gartenraum von etwa 500 m² Größe mit einer niedrigen, aber dicht zusammengefügten Mauer von Ziegelsteinen. Jeden Monat besät man darin eine Abteilung, die von dem übrigen Garten abgesperrt sein muss, mit Lattich, welchen man allmählich, wie er heranwächst, den Schildkröten überlässt, welche darin jede zwanzig bis fünfundzwanzig Tage ihre Eier legen, welche nach kurzer Zeit durch die Sonnenwärme ausgebrütet werden. In einer ecke errichtet man einen Schuppen, den man mit trockenen Blättern ausfüllt, unter denen die Schildkröten überwintern, ohne sich von der Stelle zu rühren. In besonders rauer Gegend muss man diesen Schuppen gegen die nachteiligen Einwirkungen des Frostes schützen, da die Schildkröten allzu große Kälte nicht vertragen können. Von Strecke zu Strecke muss man größere irdene Gefäße eingraben, deren oberer Rand mit dem Boden gleich sein muss, und die beständige mit reinem Wasser ganz angefüllt zu halten sind, damit die Schildkröten nicht nur daraus saufen, sondern sich auch nach Belieben darin baden können. Ein kleiner, beständig mit frischem Wasser gefüllter Teich mit ganz flachem Ufer würde noch zweckdienlicher sein.

Die Schildkröten brauchen zwei Jahre, um auszuwachsen, und dürfen vor dieser Zeit nicht genossen werden; indes ist es auch gut, sie nicht viel älter werden zu lassen, obgleich sie auch dann noch wachsen, jedoch nur sehr langsam.

• Auf epilog.de am 30. März 2022 veröffentlicht