VerkehrEisenbahn

Pferdekraft auf Eisenbahnen

Illustrirte Zeitung • 3.8.1844

Wir haben auf mehreren Eisenbahnen Wagen gesehen, auf denen sich Personen selbst fortbewegen können; dieselben werden gebraucht, wenn in besonderen Fallen eine Nachricht von einer Station zur anderen oder irgendeinem Punkt der Bahn gebracht werden soll außer der Zeit der Befahrung und wenn der Telegraf nicht ausreicht. Neuerdings hat man sich in Frankreich einen Wagen ausgedacht, in dem Pferdekraft verwendet werden soll. Er besteht in einer großen Trommel auf einem Rädergestell, welche inwendig mit Latten beschlagen ist, und in der ein oder mehrere Pferde laufen wie in einem Tretrad oder wie eine Maus in ihrem Käfig. Ein großes Rad am Umfange der Trommel treibt durch vermittelnde Räder die Achsen der Wagenräder. Es lässt sich denken, dass man durch diese Art der Anwendung von Pferdekraft auf Eisenbahnen schneller vom Flecke kommt, als wenn das Pferd den Wagen zieht, inzwischen wird dessen Kraft nicht so vorteilhaft benutzt. Wie wäre es aber, wenn man Ochsentransporte zum Schlachten auf diese Weise sich selbst fortschaffen ließe und demnach die Lokomotive ersparte? Eine derartige ruhige Bewegung in Trommeln würde dem Ochsen nicht schaden, sondern ihnen vielmehr heilsam sein.

Buchtipp:
Die großartige Entwicklung von Berlin und seinen Vororten ab 1870 hat an den Verkehr auf den Eisenbahnen, besonders an den Verkehr zwischen den Vororten und der inneren Stadt Berlins, Anforderungen gestellt, denen nur durch besondere Anlagen und durch eine besondere Betriebsweise genügt werden konnte. Von dem Aufschwung erhält man ein Bild, wenn man die Entwicklung der Potsdamer Bahn verfolgt. Auf den vorhandenen zwei Gleisen, der sogenannten Stammbahn, ließen sich die drei Verkehrsarten, der Fernverkehr, Güter- und Vorortverkehr, nicht mehr in voller Regelmäßigkeit bewältigen und es musste zur gründlichen Abhilfe der auftretenden Schwierigkeiten die Strecke Berlin – Potsdam viergleisig ausgebaut werden. Die dadurch entstandene neue Vorortbahn, welche am 1. Oktober 1891 eröffnet wurde, hat zum Unterschied von der alten Potsdamer Bahn die Bezeichnung ›Wannseebahn‹ erhalten.
  PDF-Leseprobe € 14,90 | 104 Seiten | ISBN: 978-3-695-14284-2

• Auf epilog.de am 25. April 2023 veröffentlicht

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