VerkehrEisenbahn

Neuer Bahnräumer

Prometheus • 18.10.1893

Die Bahnräumer unserer Lokomotiven und Pferdebahnwagen erfüllen allerdings, wenn das Hindernis nicht allzu bedeutend ist, ihren Zweck. Sie verhüten in der Regel das sonst wohl eintretende Entgleisen. Besteht aber das Hindernis aus einem menschlichen Körper, so gerät dieser bei den Pferdebahnen trotz des Bahnräumers unter die Räder, oder es wird die betreffende Person bei Zügen, die mit größerer Geschwindigkeit fahren, durch den Anprall der Vorrichtung unfehlbar getötet. Dem Übelstand zu begegnen, ersann Quincy, nach Le Génie Civil, einen Bahnräumer, der in mancher Hinsicht an die Fegevorrichtungen der Straßenfegemaschinen erinnert. Er besteht aus zwei schräg zu den Schienen gestellten Kammrädern, welche ihren Antrieb von der Vorderachse erhalten und sich den Rädern des zu schützenden Fahrzeugs entgegengesetzt drehen. Die Kämme aber sind mit einem biegsamen Stoff derart überzogen, dass ihre Form erkennbar bleibt. Die Überzüge berühren die Schienen fast. Zu bemerken ist endlich, dass die Räder sich infolge des Übersetzungsverhältnisses rascher drehen als diejenigen der Lokomotive oder des Straßenbahnwagens. Der genannten Zeitschrift zufolge wird das Hindernis bei diesen Wagen und bei langsamer fahrenden Maschinen sicher beiseitegeschoben, und zwar in Folge der Elastizität der Radkränze ohne besonderen Schaden. Bei schnell fahrenden Lokomotiven hilft allerdings auch die Elastizität des Radkranzes nichts, und es hat der Anprall sicherlich den Tod des auf den Schienen liegenden Menschen oder Tieres zur Folge. Der Körper wird aber sicher nach außen geschleudert und wenigstens nicht grässlich verstümmelt.

• Auf epilog.de am 23. Februar 2022 veröffentlicht