Daseinsvorsorge – Kommunalwirtschaft

Neue Straßenreinigungs-Maschine

Der praktische Maschinen-Konstrukteur • 15.2.1873

Wir bringen in der beigegebenen Skizze eine von Josef Schuller in Wien erfundene neue Straßenreinigungsmaschine. – Wer den festen klebrigen Kot von den Straßen unserer österreichischen Residenzstadt näher kennenzulernen Gelegenheit hatte und aus dem städtischen Budget die für die Kosten der Straßenkehrer angesetzten Beträge näher kennt, wird mit uns die Wichtigkeit einer gut konstruierten Maschine zu diesem Zweck einsehen. Der residenz­liche Gemeinderat hat sich denn auch schon in dieser Angelegenheit nach England gewandt, da derselbe nach der alten Regel wohl nicht daran denken mochte, dass es auch bei uns noch Leute geben könnte, die eine derartige Einrichtung auszudenken im Stande wären. Nichtsdestoweniger tritt heute der genannte Josef Schuller mit seinem Geistesprodukt an die Öffentlichkeit.

Diese Maschine ist in ihrer Konstruktion so einfach, dass für den Fachmann fast eine nähere Erklärung überflüssig erscheint.

In dem oberen mit a bezeichneten Teile des Wagens ist ein, natürlich gut verdichteter Wasserbehälter, welcher an der Stelle p gefüllt wird und durch das Rohr d den Ablauf und die Bespritzung der Straßen durch eine Brause n ermöglicht. Der Wagen hat zwei größere Seitenräder und hinten ein kleines verstellbares Rädchen, welches mit entsprechender Spindel c versehen ist, um nach Abnutzung der Besen den Hinterteil erforderlichen Falles niederstellen zu können. Schullers Straßenreinigungsmaschine Eins der großen Räder ist mit einem Stirnrad h versehen, welches in ein kleineres Zahnrad i eingreift, um dadurch die Bewegung der Welle, woran die Besen k befestigt sind, zu bewerkstelligen. Der Kasten b dient dazu, den durch die Besen k über die mit Scharnieren versehenen Schaufeln m l geworfenen Straßenkot aufzunehmen, um dann später bei der an der Stelle d befindlichen Tür ausgeworfen zu werden. Der hintere Teil des Wagens, worin die Welle mit den Besen sich dreht, ist durch eine Reib­trommel gedeckt, welche sich auf das genannte Stellrad stützt. An der Stelle e ist die Zugstange für die Pferde befestigt, deren zwei hinreichen sollen, die ganze Maschine zu treiben resp. fortzubewegen.

Die ganze Maschine hat eine Höhe von 220 cm, eine Breite von 252 cm und eine Länge von 378 cm. Die Besenwalze hat 16 Reihen Besen in der Breite von 220 cm eingespannt, welche, wenn abgenützt, natürlich vorgeschoben werden können.

Da besonders unsere Pferdebahn bezüglich der Straßenreinigung ihre liebe Not hat, so scheint der Erfinder hierauf besonders Rücksicht genommen zu haben und behauptet, mit dieser Einrichtung per Stunde 830 m² Pferdebahnstraße, oder 650 m² Lastenstraße reinigen zu können.

In Berücksichtigung des großen Mangels an Arbeitskräften und bei den hohen Löhnen selbst zu diesen niederen Arbeiten verdient eine derartige Maschine gewiss Berücksichtigung, weshalb wir uns beeilen, dieselbe unseren Lesern vorzuführen.

Wir sahen dieselbe nicht arbeiten und sind obige Ziffern nur auf die Angaben des Erfinders begründet, jedenfalls dürften aber auf diese Anregung hin tüchtige Fachmänner sich mit diesem Gegenstand zu beschäftigen bemüßigt finden, so dass uns bald etwas ganz Vollkommenes in dieser Richtung geboten würde.

Obige Maschine ist äußerst einfach und wollen wir uns vor der Hand einer eingehenden Beurteilung derselben enthalten, bis wir die Zweckmäßigkeit derselben erprobt wissen; jedenfalls ist die Einfachheit für derartige Einrichtungen, welche der Handhabung eines gewöhnlichen Fuhrmannes anvertraut werden können, nicht hoch genug zu schätzen.

Es sollte uns freuen, wenn wir hierdurch die Lösung einer Frage angeregt hätten, welche nicht nur für die Residenz- und Kaiserstadt Wien, sondern auch für jede größere und selbst kleine Stadt von großer Wichtigkeit ist. Wie herrlich wäre zum Beispiel eine derartige Maschine für die ungarische Residenz Pest-Ofen, wo man heute bei grassierender Cholera die Einwohner mit Geldstrafen bis zu 100 Gulden [rd. 1000 €] wegen unterlassener Desinfektion belegt, während man selbst in Hauptstraßen mit Riesenwasserstiefeln die fuß­hohen Mist- und Kothaufen kaum zu übersteigen vermag. – Wir wissen nicht, wem das Andauern der schrecklichen Epidemie mehr zuzuschreiben ist, der Unterlassung der Desinfektion der Kloaken und Kanäle oder der auch heute noch eben so wenig wie vor Jahr und Tag berücksichtigten Straßenreinigung.

Vielleicht hilft die Erfindung einer guten Straßenreinigungs-Maschine auch gegen die grässliche Krankheit mehr als alle die angepriesenen Tropfen, Pulver, Pillen und sonstige Geheimmittel.

• F. F.

• Auf epilog.de am 7. November 2026 veröffentlicht

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