Handel & Industrie – Handwerk
Die Messerschleifer zu Thiers
Das Buch für Alle • 1874
Thiers ist ein Städtchen von etwa 16 000 Einwohnern im Département Puy-de-Dôme, das sich durch sein Alter, seine malerische Lage an den Hängen des Bresset und am felsigen Ufer der Durolle, durch seine altertümliche Bauart und ungemeine Gewerbsamkeit auszeichnet. Es gibt nämlich in Frankreich wenig gewerbefleißigere Städte als Thiers, welches man gewissermaßen das französische Solingen nennen könnte,
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denn außer der Papierfabrikation wird namentlich die Eisenindustrie der Schmiede, Schlosser und Messerschmiede hier sehr schwunghaft betrieben, und die wilden ungestümen Gewässer der Durolle sind in ihrem rauen Bett eingedämmt und gezwungen worden, den verschiedenen Gewerben bei ihren Arbeiten Vorschub zu leisten. Ein Hauptzweig der Gewerbsamkeit von Thiers ist die Fabrikation gewöhnlicher und halbfeiner Messerwaren und Schneidwerkzeuge, und wohl weitaus die Mehrzahl dieser Waren, welche man in Frankreich im Kleinhandel sieht, namentlich der Taschen- und Tischmesser und der Rasiermesser und Scheren, kommt aus Thiers. Die Teilung der Arbeit nach dem Prinzip der britischen Industrie hat die Fabriken und Meister zu Thiers in den Stand gesetzt, an Mannigfaltigkeit und Wohlfeilheit ihrer Warenerzeugnisse die Konkurrenz mit den englischen und deutschen Fabrikaten auszuhalten. Namentlich sind es die Tischmesser und Bestecke, welche hier massenhaft hergestellt werden und zwar vorzugsweise durch Maschinenarbeit. Die Hefte für die Messer und Gabeln werden auf Maschinen geschnitten, geformt und gebohrt, die Klingen mittels Maschinen ausgewalzt und geschnitten, die Gabeln gestampft und gepresst, auf Fräsmaschinen im Rohen hergerichtet und dann mit der Hand fein ausgeführt und poliert.
Sind die Klingen gewalzt, geschmiedet, keilförmig verjüngt und gehärtet, so werden sie geschliffen. Dies geschieht auf Schleifsteinen, welche wie Mühlsteine vom Wasser oder mit Dampf getrieben werden, und unter der Hand von Männern, welche eine eigene Zunft bilden. Die Messerschleifer haben bei der Arbeit das Schleifrad unter sich, das beständig mit Wasser befeuchtet wird. Unser Bild zeigt, in welcher Weise diese Arbeiter, auf dem Bauch liegend auf einem über dem Schleifrad befindlichen Brett, ihrem mühseligen und anstrengenden Beruf obliegen. Das Polieren der fertigen Messer geschieht mittelst ähnlicher Räder, die aber aus hartem Holz gedreht und mit Filz oder Büffelleder überzogen sind und auf welche man den in Öl angerührten Schmirgel aufträgt.
