Feuilleton

Humoristische Technik

Wagner-Sammelbilder • 1930

Die Sammelbilder waren Werbebeigaben der 1907 gegründeten Margarinewerke Wagner & Co. in Elmshorn.

Der Traum des Wachtmeisters.

Der Polizeiwachtmeister Greifzu bekam in einer Nacht heftiges Alpdrücken und hatte dabei folgenden, seltsamen Traum: Es schien ihm, als ob er eine fabelhafte, neue Erfindung zum Einfangen von Landstreichern, flüchtigen Dieben und anderem Gesindel gemacht habe. Diese Erfindung, so träumte er, würde bei der Polizei sofort eingeführt und er selbst würde zur Belohnung sofort zum Polizeihauptmann befördert. Ganz deutlich erblickte er im Traum das neue Wunder, das Verhaftungsauto, Marke ›Lumpensammler‹. Es war mit einer vorzüglichen, ganz und gar selbsttätigen Fangvorrichtung versehen. An einem Stahlrohr waren zwei bewegliche Fangarme und Hände befestigt, die jede in Reichweite kommende verdächtige Gestalt kurzerhand ergriffen, in die Luke oben schoben und so in sicheren Gewahrsam brachten.

Die Eßmaschine.

Es gibt doch immer noch Leute, denen selbst der geringste Handgriff zu viel ist. Selbst der bequemste Mensch entwickelt meistens einen gewissen Eifer, wenn es ans Essen geht; aber manche sind sogar dazu noch zu faul. So auch die beiden Freunde Dick und Mühsam. Nach langen Versuchen brachten sie es fertig, eine Maschine herzustellen, die ihnen die Mühe des Essens vollständig abnahm. Diese neue Eßmaschine, ein Wunder der Technik, funktionierte folgendermaßen: Ein kleiner Motor setzte das ganze Hebelwerk in Bewegung. Dann sind oben verschiedene Knöpfe angebracht, mit denen man den Apparat auf die verschiedenen Mahlzeilen umstellen kann. So hat z. B. Mühsam auf ›Kaffee‹ geschaltet, während Dick den Gang ›Gänsebraten‹ laufen lässt. Es gibt alles Mögliche: einen Bissenschneider, dann Mundzuführung, Kaffee-Eingießer, Salzstreuer und Zuckerspender.

Der kleine Hans erfindet das Fernsehen.

Einst hieß es: »Hänschen klein, ging allein in die weite Welt hinein«. Heute hat der kleine Hans das nicht mehr nötig. Auf die Wanderschaft gehen, damit er die weite Welt kennenlernt? O bewahre! So altmodisch ist doch der kleine Hans nicht mehr! Aber etwas anderes macht der kleine Hans. Er sucht sich allerhand zusammen: einen Stuhl, einen Besen, einen langen Baumast, ein paar Meter Draht und den Radioapparat aus der guten Stube. So, das genügt. Nun den Stuhl aufs Dach hinaufgeschleppt und auf den Kamin gestülpt. Der Besen gibt zusammen mit dem Ast aus Nachbars Bodenluke eine ausgezeichnete Antenne. Der Empfang ist hervorragend, er hört die ganze Welt. Und fernsehen? Schaut nur hin, über Berg und Wald und Felder kann Hänschen von dort droben aus ›fernsehen‹!

Trainingsmaschine für Boxer.

Jim Knokout war ein leidenschaftlicher Boxer. Der Ruhm Jack Dempseys und Franz Dieners ließ ihn nicht mehr schlafen und er sann Tag und Nacht darauf, wie er es so weit bringen könnte, wie diese. »Auf das Training kommt es an, lieber Freund, nur auf das Training!« sagte er zu allen seinen Bekannten, auch wenn diese ihn zufällig nach der Zeit gefragt hatten. Schließlich erfand sich Jim eine ganz neuartige Massagevorrichtung, von der er sich einen riesigen Erfolg versprach. Er konstruierte ein mechanisches Klopfwerk, das durch einen Motor angetrieben wurde und imstande war, ihm pro Minute 50 kolossale Schläge auf Brust, Bauch und Beine zu versetzen. Es ist klar, dass Jim dadurch eine riesige Muskulatur bekam. Er wurde vollkommen abgehärtet. Leider habe ich nichts mehr von ihm gehört – ob ihm die Klopferei auf die Dauer vielleicht doch nicht gut bekommen ist?

Wie sich der kleine Max die Löcher im Schweizerkäse erklärt.

Der Schweizerkäse muss bekanntlich ein ganzes Jahr oder länger lagern, bis er gebrauchsfertig ist. Wenn der Käse dann endlich reif ist, so erkennt man das daran, dass sich in seinem Innern große und kleine Löcher gebildet haben. Nun hat es sich aber herausgestellt, dass der kleine Max dies alles besser weiß. Der kleine Max stellt sich das mit den Löchern nämlich so vor: Auf der Almwiese droben in den Bergen sitzt der Sepp, der Hüterbua, an der Käsbohrmaschine. Vier braune, gutmütige Alpenkühe setzen ein Triebrad in Bewegung und dieses treibt den Bohrer an. Und nun nimmt der Sepp ein Rad Käse nach dem anderen her und hält es an den Bohrer. »Szsst – szsst!« Siehst du wohl, so kommen die Löcher in den Schweizerkäse!

Das fahrende Wochenendhaus.

Ich bin der Ansicht, dass die heutige Mode des Wochenendhauses noch sehr mangelhaft ist. Denn erstens muss man meistens erst eine langweilige Eisenbahnfahrt machen, bis man endlich bei seinem Häuschen angelangt ist und zweitens ist es doch furchtbar stumpfsinnig, jeden und jeden Sonntag in einer und derselben Gegend zu verbringen. Diesen schweren Übelständen ist nun endlich Abhilfe geschaffen worden durch das WEM (Wochenendhaus-Motorrad), den Triumph der Neuzeit. Nun wird es am Wochenende erst richtig gemütlich. Das ganze Hüttchen wird auf das Motorrad aufmontiert und der Vater muss die ganze Geschichte steuern. Da im Innern wenig Platz ist, werden Kochgeschirr, Eimer und sonstige Einrichtungsgegenstände an der Außenwand des Hauses angebracht. Die Wäsche trocknet infolge des Luftzuges in der halben Zeit wie sonst. Alle Familienmitglieder sind vergnügt und glücklich. Man hofft, dass sich die neue Mode in kurzer Zeit allgemein durchsetzt.

• Auf epilog.de am 13. Oktober 2020 veröffentlicht