VerkehrFernmeldewesen

Das Haupttelegrafenamt in Berlin

Über Land und Meer • April 1879

Voraussichtliche Lesezeit rund 8 Minuten.

Es ist kaum ein Jahrhundert her, dass die Umkehrung der Pole eines Schiffskompassmagneten durch einen Blitzschlag die erste Ahnung von dem Zusammenhang der Elektrizität und des Magnetismus hervorrief; kaum 60 Jahre sind vergangen, seit Ampère und Ørsted (1819) die Ablenkung der Magnetnadel durch den elektrischen Strom feststellten; wenig mehr als 40 Jahre trennen uns von den genial konstruierten, aber für die praktische Verwertung ungeeigneten Fern­rohr-Tele­grafen­apparaten von Gauß und Weber sowie von dem ersten Schreibtelegrafen Steinheils in München: Seitdem hat sich, dank den großartigen Verdiensten eines Wheat­stone, Werner Siemens, Morse und Hughes, in der Telegrafie eine Entwicklung vollzogen, welche mit Recht als einer der höchsten Triumphe menschlichen Scharfsinns bezeichnet werden darf. Der Sieg über den Raum, über die Entfernung, welche neidisch die Menschen voneinander trennt, ist vollendet; das ›Glebae adscripti‹ des römischen Dichters hat keine Bedeutung mehr; nicht mehr am Boden, nicht mehr an der Scholle haftet der Mensch; seinen Gedanken, sein Wort selbst trägt die gezähmte Botin des Götterkönigs blitzschnell über Länder und Meere, über Gletscher und Wüsten hinweg; das tiefsinnige Wort der Bibel ›Nähmest du Flügel der Morgenröte‹, ist zu alltäglicher Wahrheit geworden.

Solche Betrachtungen drängten sich uns auf, als wir in den neuen, prächtigen Apparate­saal des Berliner Haupttelegrafenamtes in der Jägerstraße Nr. 43 / 44 eintraten. Das also ist das Zentralorgan, gewissermaßen das Gehirn, all der tausend Nervenstränge Deutschlands, welche in wunderbaren Windungen und Gestalten sich verzweigen, welche, dem leisesten Druck gehorchend, Botschaft auf Botschaft forttragen und zurückbringen, welche, indem sie mit geheimnisvoller Kraft Städte und Länder, Weltteile und Weltteile miteinander verbinden, den großen und ergreifenden Gedanken der Annäherung der Völker verwirklichen: ›Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!‹

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• Auf epilog.de am 30. Juni 2026 veröffentlicht

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