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Geschichte des Branntweins

Taschenbuch zum Nutzen und Vergnügen • 1792

Die ganze Destillierkunst war den Alten unbekannt. Ihre Erfindung hat man den Arabern zu danken. Auch nannte man den Weingeist arabisches Elixier. Nach dem Rubeus erfand man ihn Ende des 7. Jahrhunderts, nach Anderen wahrscheinlich erst anfangs des 9. Jahrhunderts. Erst damals gerieten die arabischen Ärzte in nähere Bekanntschaft mit den Schriften der Griechen, deren medizinische Beobachtungen sie nicht nur benutzten, sondern erweiterten. Zur Zeit des Avicenna bediente man sich der destillierten Wasser noch nicht allgemein, sie gehörten unter die selteneren Arzneimittel.

Branntwein (Spiritus vini) wurde nicht gleich mit der Destillierkunst erfunden, sondern erst im 13. Jahrhundert, und zwar sehr vermutlich von Lullius. Erst im 16. Jahrhundert fing der Gebrauch des Branntweins an allgemeiner zu werden, am meisten bei den nordischen Völkern, die beim Mangel des Weins sich durch diesen gemachten Wein gegen die Kälte verwahrten. Hieronymus Braunschweig, ein Straßburger Arzt, beschreibt im Destillierbuche (im Jahr 1555) das Destillieren und die dazu tauglichen Kräuter und Blumen ganz umfänglich, gedenkt schon der Weinbrenner und hat ihr Destillierzeug abgezeichnet. Aus seinem Buch sieht man gleichwohl, dass er damals erst noch nur in großen Städten bekannt gewesen. Noch vorher schrieb Michael Savonarola in der Mitte des 15. Jahrhunderts ein sehr rares Traktätlein von der Verfertigung des Aquavit, welches im Jahr 1532 zu Hagenau im Elsas neu aufgelegt wurde. So viel ist gewiss, dass nachdem dieser Trank so allgemein, und sonderlich des Morgens getrunken worden, außer anderen noch viel größeren Übeln, nämlich der Berauschung und Sinnlosigkeit, insondere auch der Durst bei den Menschen zu, die Verdauung der Speisen aber abgenommen habe. Denn weil der Branntwein sehr austrocknet, so verlieren die Säufer desselben alle natürlichen Säfte; und nur durch häufiges Trinken befördern sie noch einigermaßen die Auflösung der wenigen Speisen, die sie genießen.

• Auf epilog.de am 2. November 2021 veröffentlicht