Verkehr – Eisenbahn
Die einschienige elektrische Schnellbahn zwischen Manchester und Liverpool
Verkehrszeitung und industrielle Rundschau • 4.1.1900
Aus England kommt die Nachricht, dass dem Parlament ein Entwurf zur Genehmigung vorgelegt worden ist, der für die Weiterentwicklung des Schnellverkehrs von Bedeutung werden kann und zugleich den ersten Schritt zu einer praktischen Lösung der Frage des elektrischen Fernverkehrs bildet. Die Bahn soll die beiden Städte Manchester und Liverpool verbinden, und die elektrisch betriebenen, auf einer Schiene laufenden Wagen sollen die 52 km betragende Entfernung zwischen beiden Städten in 18 – 20 Minuten überwinden.
Der Erfinder der Bahn, F. B. Behr, ist ein geborener Deutscher, der seit langem in England ansässig ist. Er hat sich schon seit Jahren mit der Ausbildung und Vervollkommnung der einschienigen Bahn beschäftigt. Bereits 1886 richtete er eine Versuchsstrecke auf einem Grundstück in London ein, auf der, so unvollkommen sie auch war, doch ganz ersichtlich sehr scharfe Krümmungen und Aufstiege bis 1 : 10 leichter und mit größerer Betriebssicherheit überwunden werden konnten als mit der üblichen Zweischienenbahn. Im Jahr darauf baute Behr eine für Personen- und Güterverkehr bestimmte, durch Dampf betriebene, einschienige Bahn in Irland zwischen den Orten Listowel und Ballybunion, im ganzen 16 km lang. Diese Bahn wurde in sechs Wintermonaten vollendet, so dass sie im März 1888 dem Betrieb übergeben werden konnte. Sie besteht jetzt fast 12 Jahre und soll sich, wie wir dem Zentralblatt der Bauverwaltung entnehmen, in jeder Beziehung bewährt haben.
Abb. 1. Einschienige Bahn in Irland. Klappbrücke einer Wegüberführung. Sie besitzt Krümmungen von 16,5 m Halbmesser; die Bahnhofanlagen, Übergänge und der gesamte Oberbau sind auf einfache Weise bewerkstelligt, wie die Abb. 1 zum Teil erkennen lässt. In ähnlicher Weise wurde 1893 eine einschienige Bahn, die etwa 19 km lang war, in Frankreich zwischen den Orten Feurs und Panissières im Département Loire durch den Ingenieur Lartigue gebaut. An ihr sowohl wie an der irischen Bahnstrecke trat ein Umstand besonders hervor: die große Sicherheit gegen Entgleisungen. Der Oberbau ist durch ein Gerüst von Winkeleisen gebildet, welches in etwa 1 m Höhe über der Erde eine Stahlschiene von rd. 40 kg/m trägt. Führungsschienen zu beiden Seiten der A-förmigen Stützen verbinden letztere untereinander und verhindern den reiterartig auf dem Tragebau sitzenden Wagen, nach der einen oder andern Seite überzukippen. Eiserne Π-förmige Querschwellen in einer Breite von 1520 mm tragen das ganze Gerüst.
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