Berliner Brücken

Neuere Brückenbauten der Stadt Berlin

Die Ebertsbrücke

Zentralblatt der Bauverwaltung • 31.8.1895

Voraussichtliche Lesezeit rund 6 Minuten.

Die alte Eberts­brücke ist durch eine Aktiengesellschaft, deren Zusammentreten der Rechnungsrat Ebert bewirkte, als hölzerne Jochbrücke mit Schiffsdurchlass erbaut und am 1. November 1820 für den Verkehr gegen Zahlung von Brückengeld eröffnet worden. Im Jahr 1825 wurde sie vom Staat übernommen. LageplanAbb. 1. Lageplan. Die Brücke führt vom Weidendamm, gegenüber der Artilleriekaserne, nach der Artilleriestraße. Ihr Umbau war in Rücksicht auf die schlechte Beschaffenheit des Tragwerks geboten; hierbei wurde gleichzeitig eine Verbreiterung der nur 9 m breiten Brücke ins Auge gefasst (Abb. 1).

In dem neuen Entwurf wurde von dem üblichen Muster, der Herstellung dreier ungefähr gleich weiter Brückenöffnungen, abgesehen und stattdessen eine große mit Eisen zu überspannende Mittelöffnung von 29,6 m und zwei kleine überwölbte Seitenöffnungen von je 10,5 m Lichtweite in Aussicht genommen (Abb. 2 u. 4). Der die Mittelöffnung überspannende eiserne Überbau wird durch acht elastische Bögen mit Kämpfer­gelenken gebildet, die durch zwischen­gespannte Querträger zu einem festen System verbunden sind (Abb. 3). Unter der Fahrbahn befinden sich vier, unter den beiden Bürgersteigen je zwei Hauptträger. Die Unterkante der Bögen im Scheitel der Mittelöffnung liegt 3,2 m über Hochwasser. Das Pfeilverhältnis der Bögen beträgt 1 : 10. Die Fahrbahntafel wird aus Buckel­platten gebildet, ihre Ausfüllung erfolgte durch Asphaltbeton. Die die beiden Seitenöffnungen überspannenden Gewölbe aus Klinkern haben eine Laibung erhalten, die nach einer aus fünf Mittelpunkten gezeichneten Korbbogenlinie gebildet ist.

Da die Bodenuntersuchungen guten Baugrund ergaben, so wurde für die Gründung Beton zwischen Spundwänden in Aussicht genommen. Die ursprünglich in Sandstein gedachte Verkleidung der Pfeiler und Stirnflächen ist nachträglich in Granit ausgeführt worden. EbertsbrückeFoto: Hermann RückwardtAbb. 2. Die Ebertsbrücke. Aus demselben Baustoff ist das Geländer über den Seitenöffnungen hergestellt, während für die Mittelöffnung ein solches aus Schmiedeeisen vorgesehen wurde. Die Gesamtbreite der Brücke beträgt 17,6 m, wovon 11 m auf den Damm und je 3,3 m auf die Bürgersteige entfallen.

Für die Beleuchtung der Brücke ist elektrisches Licht vorgesehen. Vier Bogenlampen, als deren Träger schmiedeeiserne, über den Vorköpfen der Strompfeiler sich erhebende Kandelaber in Aussicht genommen wurden, genügten hierfür. Was die erforderlichen Anrampungen anlangt, so ist zu bemerken, dass ›Am Kupfergraben‹ (Abb. 1) die Straße zur Hälfte tief liegengelassen ist, um die Einfahrt zu der Artilleriekaserne sowie das Kellergeschoss nicht vollständig einzuschütten.

Über den Bauvorgang, der im Allgemeinen planmäßig verlief, möge kurz Folgendes mitgeteilt werden. Nachdem die Firma Schultz & Co. im Spätsommer 1892 den Notsteg, dessen Kosten etwa 6000 Mark betrugen, erbaut hatte, konnte der Ratszimmermeister Tetzlaff mit dem Abbruch der alten Brücke beginnen, 1000 Mark in 1893 entsprechen einer Kaufkraft von rund € 8400 in 2024. den er unter Anrechnung des alten Materials für 900 Mark übernommen hatte; diese Arbeit war bereits Ende Februar 1893 beendet. Am 6. März fand der Verding für die gesamte Gründung der Brücke, die Aufmauerung der Pfeiler, die Herstellung der Gewölbe, einschließlich Vorhaltens der Lehrgerüste statt, in welchem dem Mindest­fordernden, Zimmermeister Th. Möbus, der Zuschlag für rund 131 000 Mark erteilt wurde. Die Lieferung des für die Verkleidung der Pfeiler und Brückenstirnen, sowie für das Geländer erforderlichen schlesischen Granits wurde der Firma Gebr. Zeidler für 42 000 Mark übertragen. QuerschnitteAbb. 3. Sämtliche Ansichtsflächen sind nur grob gestockt hergestellt. Ende September waren die Strompfeiler so weit fertiggestellt, dass mit der Aufstellung des Eisenwerks für die Mittelöffnung begonnen werden konnte, deren Herstellung der Firma Lauchhammer für rund 45 400 Mark übertragen worden war; es handelte sich um die Lieferung von 152 000 kg Flusseisen.

Während der Wintermonate mussten in Rücksicht auf die sehr heftig auftretende Kälte die Mauer- und Versetz­arbeiten zeitweise eingestellt werden; die Aufstellung des Eisenwerks wurde dagegen Mitte Februar beendet. Hieran schlossen sich die Aufstellung des kunstreichen schmiedeeisernen Geländers über der Mittelöffnung und die Anbringung der Schmuckteile an den Außenträgern der Mittelöffnung. Das Geländer ist von der Firma Langer & Methling in mustergültiger Weise für 24 600 Mark ausgeführt worden.

In Frühjahr 1894 begannen dann die verschiedenen Verwaltungen in üblicher Weise mit dem Einziehen der Röhren und Kabel, welche Arbeiten sich bis in den Mai hinein hinzogen; Längenschnitt und Grundriss.Abb. 4. im Anschluss hieran erfolgte die Herstellung des Plattenbelages auf den Bürger­steigen durch die Firma Metzing. Mit dem Eintritt der besseren Jahreszeit konnte dann auch mit der Ausfüllung der Buckel­platten mit Asphaltbeton vorgegangen werden, an welche Arbeit sich im Juli die Herstellung des Holzpflasters durch H. Freese anschloss. Hiermit waren die eigentlichen Brückenarbeiten beendet. Einen längeren Aufenthalt brachte aber noch die Ausführung der Rampen auf beiden Seiten der Brücke. Es waren langwierige Verhandlungen mit den Behörden über die Veränderungen an der  Frauenklinik einerseits und die an der Artilleriekaserne anderseits erforderlich. Erst am 24. Oktober 1894 konnte die Brücke dem Verkehr übergeben werden. Zu bemerken wäre noch, dass die vier Lichtträger über den Pfeilern durch die Kunstschmiedefabrik von Ernst Franke hergestellt worden sind.

Die Gesamtkosten des Bauwerks haben rund 600 000 Mark betragen. Die Bauleitung lag in den Händen des Reg.-Baumeisters A. Brandt. Der architektonische Entwurf rührt vom Regierungs-Baumeister Stahn her. Entwurf und Bauausführung unterstanden der Oberleitung des Stadtbaurats Dr. Hobrecht.

• Pinkenburg.

• Auf epilog.de am 8. Februar 2026 veröffentlicht

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