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Neue Vervielfältigungs-Apparate

Die typenlose Setzmaschine

Der Stein der Weisen • 1892

Voraussichtliche Lesezeit rund 4 Minuten.

Die typenlose Setzmaschine von Engelen erfordert keine beweglichen Typen und daher auch kein Ablegen. Man kann sich also leicht, ohne besondere Kenntnisse, den Drucksatz selbst herstellen. Die Maschine stanzt die Buchstaben in Holzzeilen erhaben ein, und indem der Buchstabe entsteht, ist er auch gesetzt. Die aneinandergerückten Holzzeilen bilden die Form, von welcher direkt gedruckt wird. Das Holz zu den Plättchen ist weich, so dass die Arbeit am Apparat nicht ermüdet. Da das Stanzen auf Hirnholz geschieht, bietet dieses schon eine große Widerstandsfähigkeit, welche noch durch das Zusammenpressen des Holzes beim Stanzen, sowie dadurch bedeutend erhöht wird, dass das Öl der Schwärze in die Poren des Holzes eindringt. Ein solcher Holzsatz soll eine Auflage bis zu 30 000 Exemplaren gestatten.

Typenlose Setzmaschine

Die Maschine selbst ist sehr einfach. Sie besteht aus fünf Teilen. Um den Apparat in Tätigkeit zu setzen, spannt der Arbeiter zunächst ein Holzplättchen in den Schlitten ein, führt alsdann den Zeiger auf den ersten zu setzenden Buchstaben am Index und drückt auf den Hebel. Alsdann kommt der zweite Buchstabe an die Reihe und wieder ein Druck usw. Bei einiger Übung ist es leicht, einen Buchstaben per Sekunde zu stanzen. Wenn der Arbeiter nahe bis an das Ende des Holzplättchens gekommen ist, was durch selbsttätiges Anschlagen eines kleinen Hammers angezeigt wird, so beurteilt er, ob der Raum, welcher verbleibt, genügt, um das angefangene Wort noch ganz darauf zu bringen; ist Letzteres nicht der Fall, so trennt er das Wort hinter einer Silbe durch ein Trennungszeichen und setzt das Stanzen auf einer neuen Holzzeile fort; bleibt ein Rest übrig, welcher nicht gestanzt ist, so wird derselbe von der Schere abgeschnitten und die nunmehr zu kurze Zeile zwischen den einzelnen Wörtern je nach Bedürfnis in zwei, drei oder mehrere Stücke zerschnitten und auseinander gerückt.

Eine speziellere Anweisung zum Gebrauche der Maschine ist folgende: Um die Maschine in Gang zu bringen, zieht man den Schlitten an einer kleinen Kurbel nach vorne, öffnet die Klappe mittelst Drehung der Kurbel nach rechts, setzt ein Hölzchen hinein – und zwar immer so, dass es mit seinem vorderen Ende an das Ende des Schlittens stößt – und klemmt die Holzzeile alsdann durch Drehung der Kurbel nach links fest. Beim Einsetzen der Hölzchen muss man diese mit der Hand fest nach unten drücken, da der Schließmechanismus sonst das Hölzchen heben könnte.

Hierauf lässt man den Schlitten langsam los, bis das Holz aufgehalten wird. Jetzt kann die Arbeit des Stanzens beginnen: Man bringt mit der rechten Hand den Zeiger auf den betreffenden Buchstaben am Index und drückt alsdann mit der linken Hand den Hebel ziemlich fest nach unten. Beim Loslassen des Hebels geht derselbe durch Federkraft wieder in die Höhe, das Hölzchen rückt von selbst um die betreffende Buchstabenbreite vor und der Zeiger kann auf den folgenden Buchstaben eingestellt werden usw.

Besonders wichtig ist, dass der Schlitten, worin die Hölzchen eingeklemmt werden, stets sehr leicht und frei geht. Sobald dies nicht mehr der Fall, und sobald sich überhaupt Unregelmäßigkeiten in der gleichen Entfernung der Buchstaben voneinander zeigen, löst man die lange Spiralfeder von dem Schlitten ab, zieht diesen nach vorne und nimmt ihn heraus. Es empfiehlt sich dann, den Schlitten an der unteren Seite sowie den Schlitz, worin sich derselbe bewegt, mit einem weichen Lappen und etwas Petroleum sorgfältig zu reinigen und danach mit einem trockenen Lappen abzuputzen. Schmiermaterial irgendwelcher Art darf unter keinen Umständen angewendet werden. Auch bei den übrigen Teilen, als: Scharniere und Drehpunkte, ist Schmiermaterial nur selten, und dann nur bestes Öl, mittelst Feder zu gebrauchen. Man schütze aber die Maschine möglichst vor Staub. Der Raum, in welchem mit derselben gearbeitet wird, sollte möglichst nur diesem einen Zwecke dienen. Nach Beendigung der Arbeit decke man die Maschine stets sorgfältig mit einem Tuch zu.

Wenn sich nach einiger Zeit der Benutzung der Maschine ergibt, dass einzelne Buchstaben nicht mehr scharf und rein herauskommen, so ist dies ein Zeichen, dass sich in den betreffenden Matrizen Holzteilchen festgesetzt haben. Um diese zu entfernen, muss der Stahlbogen, in welchem sich die Matrizen befinden, herausgenommen werden, was einfach durch Lösen zweier Schräubchen geschieht. Da dieser Stahlbogen ein sehr kostbares Stück ist, so muss hierbei die größte Sorgfalt beobachtet werden. Nun legt man den Stahlbogen umgekehrt auf einen Tisch, so dass die Matrizen nach oben liegen, und bürstet die ganze obere Seite zunächst mit einer kleinen Bürste scharf aus; alsdann betrachtet man mit einer Lupe diejenigen Stellen, welche zuletzt nicht mehr richtig herauskamen; befinden sich darin jetzt noch Unreinigkeiten, so müssen diese mit einer feinen Nadel herausgebracht werden, wobei ebenfalls natürlich größte Vorsicht geboten ist. Da sich beim Stanzen an den oberen Kanten der Hölzer meist ein geringer Grat bildet, so müssen zwischen die einzelnen Zeilen Kartonstreifen gelegt werden. Der fertige Satz darf nicht zu fest geschlossen werden; vor und während des Schließens muss sorgfältig geklopft werden. Zum Abwaschen eines Holzsatzes darf nur Terpentin oder Benin benützt werden und darf die Form darnach nicht eher gebraucht werden, bis sie ganz trocken ist. Zum Drucken ist dickflüssige Schwärze, aber nur in geringer Menge, vorteilhaft.

• Auf epilog.de am 11. März 2022 veröffentlicht

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